Arnim, Karl Friedrich Ernst Alexander von

* 31.01.1813 in Haus Heide bei Herford
† 04.12.1853 Haus Werther bei Minden
Vater: Otto Gustav Friedrich von Arnim
Mutter: Charlotte Justine, geb. Delius

Biografie

Alexander von Arnim wurde am 31. Januar 1813 in Haus Heide bei Herford geboren. Sein Vater Otto von Arnim, evangelisch und aus märkischem Uradel stammend, war in jener Zeit auch Notar in Haus Heide und vom 8. April 1817 bis zu seinem Tod am 19. April 1820 Landrat des Kreises Minden. Alexander hatte noch drei Schwestern und einen Bruder. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Bielefeld folgte das Studium der Rechts- und Kameralwissenschaften u.a. in Bonn; dort wurde er im Jahre 1833 auch Mitglied des Corps Guestphalia. Ab Oktober 1835 finden wir ihn als Auskultator beim Oberlandesgericht Paderborn, wo er im September 1837 als Gerichtsreferendar arbeitete. Bereits einen Monat später wurde er Regierungsreferendar in Minden. Ab Februar 1842 fand er Beschäftigung als Regierungsassessor bei der Regierung Koblenz, von der er als „ein rechtschaffener, kenntnisreicher, eifriger und taktvoller Mann“ bezeichnet wurde.

Nach dem Weggang des Landrates von Möller wurde ihm die Verwaltung des Kreises Simmern übertragen; Dienstantritt in Simmern war am 1. April 1844. Am 30. März 1846 ernannte ihn König Friedrich Wilhelm IV. zum Landrat des Kreises Simmern. Die feierliche Amtseinführung als definitiver Landrat erfolgte am 19. Mai 1846. Bürgermeister Rottmann, erst seit Anfang 1846 im Amt, lobte dabei den neuen Landrat, „der sich das Vertrauen des Kreises bereits erworben habe und den Bewohnern desselben längst lieb geworden sei“. Achim Baumgarten beschreibt in seiner Rottmann- Biographie anschaulich das „angespannte“ Verhältnis zwischen Rottmann und von Arnim, die am Simmerner Schlossplatz („Landrathurgebäude und Schlossgebäude“) in Sichtweite ihre Amtssitze hatten.

Dieser Ernennung war jedoch eine umstrittene Kandidatenwahl durch die Simmerner Kreisversammlung voraus gegangen: Die Regierung in Koblenz beanstandete die erste Landratswahl vom 9. Juni 1845, weil sich die Mehrheit der Kreisversammlung der Stimme enthalten hatte; eine Minderheit hatte den aus Gemünden stammenden Freiherrn Anton Ernst Ulysses von Salis-Soglio gegen die Bürgermeister Kayser (Simmern) und Beck (Ohlweiler) als ersten Kandidatenvorschlag gewählt. Vor allem die Simmerner befürchteten, dass ein neuer Landrat seine Wohnung und sein Geschäftslokal außerhalb ihrer „Kreisstadt“ haben könnte.

Wenige Tage vor seiner Ernennung zum königlichen Landrat zeichnete er noch als „landräthlicher Kommissar“ in allen neu angelegten Protokollbüchern der Gemeinden anlässlich der Einführung der Preußischen Gemeindeordnung für die Rheinprovinz. So auch im Simmerner Protokollbuch neben Bürgermeister Rottmann am 27. April 1846.

In den ersten beiden Jahren hatte von Arnim viel Arbeit mit der von Möller begonnenen vollständigen Umordnung der Registratur. Immer wieder mahnte er die Vorsteher zur Unterhaltung der Gemeindewege. Sein Name ist auch verbunden mit der Aufforderung zur Wolfsjagd der letzten Exemplare im Soonwald zu Beginn der 1850er Jahre. Seine ersten Amtsjahre waren geprägt durch „die zunehmende Theuerung des Brodgetreides und besonders der in vielen Gegenden so beträchtliche Ausfall in der Kartoffel-Erndte“ (durch die Kartoffelfäule). Von Arnim empfahl im Intelligenzblatt für den Kreis Simmern vom 26. Februar 1847 vor allem den Anbau „frühreifender Gewächse“; ferner rief er die Vorsteher und Gemeinderäte dazu auf, für die ärmeren Einwohner Kartoffeln und Hafer für die Saat anzukaufen. Er bat die Gemeinden eindringlich, „den ärmeren Einwohnern bei der gegenwärtigen Theuerung aller Lebensmittel zu Hülfe zu kommen“. Im Jahre 1846 erreichte die Auswanderungswelle ihren Höhepunkt; laut Landrat Hardts Angaben waren es in jenem Jahr allein aus dem Kreis Simmern „654 Köpfe“. Der Name von Arnim steht auch als erster in der gewählten Kommission zum Bau eines Rettungshauses für verwahrloste Kinder auf dem Schmiedel.

Nach acht Jahren Amtszeit in Simmern war von Arnim ein todkranker Mann. Erstmals bat er am 22. März 1852 wegen eines „Brustleidens“ um einen Urlaub von drei Monaten und um Versetzung zu einem Regierungs-Collegium. Der Kreisarzt schrieb, dass es „zur Wiederherstellung seiner Gesundheit vor allem nöthig ist, dass er sich auf längere Zeit dem rauen Klima und dem raschen Temperaturwechsel des Hunsrückens entziehe und jede anstrengende Thätigkeit, namentlich außerhalb des Hauses meide“. Am 21. April wurde der Urlaub genehmigt, bereits am 19. Juli kam Ernst von Ernsthausen als Landratsamtsverwalter nach Simmern. Von Arnim kehrte nicht mehr nach Simmern zurück. Es folgten jeweils mehrmonatige Kuraufenthalte in Lippspringe, Clarens (am Genfer See) und Oeynhausen.

Am 4. Dezember 1853 starb Alexander von Arnim im Haus Werther in der gleichnamigen Stadt Werther, heute im Kreis Gütersloh, bei Bielefeld „in Folge eines Unterleibs Leidens“. Laut Totenschein hinterließ er sechs minderjährige Kinder. Er war verheiratet mit Ida Johanne Conradine Theodore geb. zur Hellen; die Hochzeit fand am 24. April 1842 auch in Werther statt. Während ihrer Simmerner Zeit wurden ihnen in den Jahren 1844, 1846, 1847, 1849 und 1851 drei Söhne und zwei Töchter geschenkt, jeweils in ihrer Wohnung, Schlossplatz Haus Nr. 27. Seine Ehefrau wurde im Jahre 1817 im Hause Werther geboren; ihr Vater, August Ferdinand Conrad zur Hellen, hatte das Anwesen in ihrem Geburtsjahr gekauft. Das Anwesen war dann sein Sitz als Bürgermeister von Werther (1821-1831) und als Landrat des Kreises Halle in Westfalen (1832 bis 1855).

Quellen / Literatur

  • Achim R. Baumgarten, Peter Joseph Rottmann und seine Zeit, Simmern 2013, insbesondere S. 117-134.
  • J.F.A.E. Hardt, Chronik und Statistik des Kreises Simmern, Simmern 1865, S. 98.
  • Landkreis Simmern, Bonn 1967, S. 75f.
  • LHA Ko, Best. 441, Nr. 12586; Besetzung der Landrathsstelle des Kreises Simmern.
  • Rhein-Hunsrück-Archiv; daraus die beiden Unterschriften aus Best. 1, Nr. 4 (königlicher Landrat) und aus dem Protokollbuch von Simmern (landräthlicher Commissar).
  • Horst Romeyk, Die leitenden staatlichen und kommunalen Verwaltungsbeamten der Rheinprovinz 1816-1945, Düsseldorf 1994, S. 332f.
  • Fritz Schellack, Diese frechen Gäste – ein Beitrag zum Umgang mit Wölfen in Vergangenheit und Gegenwart, in: HHBl. Nr. 161 (Juni 2016), S. 31.

Dr. Hans Dunger, Kirchberg
Heft 168 | Stand: 7/2018