Brandt, Dr. Paul

Dr. Paul Julius Brandt – Portraitfoto, Unterschrift (Abt. 6, Nr. 379) und Zeitungsausschnitt (HZ vom 4.12.1905) stammen aus dem Kreisarchiv des Rhein-Hunsrück-Kreises.
* 02.05.1869 in Köln
† 03.10.1929 Forsthaus Entenpfuhl
Vater: Gustav Otto Brand
Mutter: Marie, geb. Hellmers

Biografie

Paul Julius Brandt wurde am 2. Mai 1869 als Sohn eines Geheimen Kommerzienrates geboren, der auch französischer Vizekonsul war. Nach dem Besuch des Apostelgymnasiums in Köln legte er Ostern 1888 die Reifeprüfung ab. Anschließend folgte das dreijährige Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Freiburg und Bonn. In Bonn wurde er 1889 Mitglied im Corps Hansea. Nach bestandener erster juristische Staatsprüfung beim Oberlandesgericht Köln wurde er am 1. August 1891 als Gerichtsreferendar vereidigt. Es folgten Beschäftigungen beim Amtsgericht in Sinzig und bei den Landgerichten in Koblenz und Köln. Während dieser Zeit promovierte er zu Beginn des Jahres 1893 an der Universität Leipzig zum Dr. jur.

Ab 26. Januar 1894 war er Regierungsreferendar bei der Königlichen Regierung zu Cöln. 1896 folgte die Überweisung an die Königlichen Regierung in Potsdam zur Ausbildung in Domänenverwaltungsangelegenheiten. Am 2. Oktober1897 bestand er die große Staatsprüfung; er wurde am 26. November zum Regierungsassessor ernannt und ab Dezember 1897 dem Landratsamt Pinneberg zur „Hilfeleistung“ überwiesen. Im Oktober 1900 wechselte er zur Königlichen Regierung zu Schleswig. Durch Erlass vom 7. März 1904 wurde er an das Oberpräsidium in Schleswig berufen.

Durch Erlass vom 19. Januar 1905 wurde ihm die „kommissarische Verwaltung des Landrathsamtes im Kreise Simmern“ übertragen. Am 14. Februar übernahm der die Verwaltungsgeschäfte des Kreises. Die definitive Ernennung erfolgte am 28. August 1905. Im Nachruf zu Brandts plötzlichem Tod schreibt der Simmerner Landrat Dr. Josten:

„Reiche Früchte trug sein von großen Fähigkeiten geleitete Tätigkeit für den Kreis. In rastloser Arbeit half er die rückständigen wirtschaftlichen Verhältnisse des Kreises bessern. Der Bau des Kreishauses, der Landwirtschaftsschule, der weitere Ausbau der Eisenbahnlinien im Kreise sind seiner unermüdlichen Tätigkeit zu danken. Fast 50 Gemeinden verhalf er zur Anlage von Wasserleitungen. Vieles und Großes hat er auf dem Gebiete der Fürsorge und Wohlfahrtspflege geleistet“.

„Nach 9 Jahren Landrat in dem abgelegenen Hunsrückkreis Simmern war es sein begreiflicher Wunsch, in eine Stadt mit besseren Schulverhältnissen und in einen Kreis mit größerer Wirksamkeit versetzt zu werden“.

Am 29. März 1914 wird er kommissarischer Landrat des Landkreises Essen, mit etwa 275.000 Einwohnern einer der größten preußischen Landkreise, den er während des Krieges „mit großem Geschick“ verwaltete. Die definitive Bestallung erfolgte zum 1. Januar 1915.

Am 18. Juli 1918 folgte dann die Ernennung zum Oberpräsidialrat beim Oberpräsidium der Rheinprovinz in Koblenz (Bestallung zum 1. Oktober), später war er auch Vizepräsident des Oberpräsidiums. Am 17. Januar 1923 wurde er Regierungspräsident in Koblenz in der schweren Zeit der französischen Besatzung des Rheinlandes. Wie vielen Beamten ereilte auch ihn das Schicksal der Ausweisung durch die Interalliierte Rheinlandkommission. Am 13. April 1923 wurde er ausgewiesen, begab sich nach Wetzlar, richtete dort eine provisorische Dienststelle ein und verwaltete von dieser den unbesetzten Teil seines Regierungsbezirks. Erst im September 1924 konnte er wieder seinen Dienst in Koblenz aufnehmen.

Sein sehnlichster Wunsch, die Befreiung des Rheinlandes zu erleben, wurde jedoch durch seinen frühen Tod am 3. Oktober 1929 vereitelt. Er war einer Einladung zur Hirschjagd nach Forsthaus Entenpfuhl gefolgt. Während der Rückkehr von einem Pirschgang wurde er gegen 7:30 Uhr „plötzlich von einem Schlaganfall getroffen, wobei der Tod alsbald eintrat“. Noch am gleichen Tag erfolgte die Überführung der Leiche nach Koblenz, wo am Sonntag, dem 6. Oktober, im Schloss die große Trauerfeier stattfand. Neben seinen Verdiensten hoben die Redner besonders eine Eigenschaft von Brandt hervor: „Er war ein Mensch, der trotz des hohen Amtes in seinem ganzen Wesen schlicht und einfach war, jede Pose schmähte“. Tags darauf erfolgte die Beisetzung in der Familiengruft auf dem Melaten-Friedhof in Köln. Zu den vielen hochrangigen Trauergästen gehörte auch der damalige Kölner Oberbürgermeister Dr. Konrad Adenauer.

Paul Brandt gehörte der Deutschen Volkspartei an.
Am 12. März 1896 heiratete er Rose Clouth, Tochter des Kölner Unternehmers Franz Clouth, der im Jahre 1858 die Clouth Gummiwerke gründete, ein Unternehmen der Gummiwarenindustrie, das mit seinen Produkten durchaus deutsche Industriegeschichte geschrieben hat. Die beiden Töchter des Ehepaares Brandt wurden vor der Simmerner Zeit geboren. Sohn Karl Otto erblickte am 14. November 1906 in Simmern das Licht der Welt.

Seinen Militärdienst absolvierte er vom 1. Oktober 1888 bis 1889 beim Königl.-Husaren-Regiment Nr. 7 in Bonn. Am 21. März 1908 wurde er zum Rittmeister der Landwehr-Cavallerie I. Aufgebot befördert. Zu seinen Auszeichnungen und Ehrungen gehören: Rote-Kreuz-Medaille III. Klasse, Erinnerungszeichen für Verdienste um das Feuerlöschwesen, Roter Adler-Orden IV. Klasse und die Landwehrdienstauszeichnung 2. Klasse.

Quellen / Literatur

  • Landkreis Simmern, Bonn 1967, S. 97f.
  • LHA Ko, Best. 403, Nr. 14463 und 14679 sowie Best. 441, Nr. 19252 und 63486.
  • Die Regierungspräsidenten von Koblenz, Rhenania-Fachverlag, Koblenz 1983.
  • Horst Romeyk, Die leitenden staatlichen und kommunalen Verwaltungsbeamten der Rheinprovinz 1816-1945, Düsseldorf 1994, S. 376f.
  • www.rheinische-industriekultur.de/objekte/koeln/Clouth/clouth.html
  • www.clouth.org/Familie.htm

Dr. Hans Dunger, Kirchberg
Heft 173 | Stand: 2/2019