
† 12.07.2008 in Kirchberg (Hunsrück)
Vater: Rudolf Bauer (Landwirt)
Mutter: Hedwig, geb. Becker
Biografie
Als Sohn des Landwirts Rudolf Bauer und seiner Ehefrau Hedwig geb. Becker in Henau zusammen mit seiner vier Jahre älteren Schwester aufgewachsen, machte Alfred Bauer schon in der einklassigen Volksschule seines Heimatortes durch seine gute Auffassungsgabe auf sich aufmerksam. Auf Empfehlung seines Lehrers besuchte er ab Ostern 1964 das Aufbaugymnasium in Alzey. Bereits im Mai 1969 bestand er mit guten Leistungen sein Abiturexamen. Seine „hervorragenden fachlichen Leistungen“ wurden mit dem Buchpreis des Kultusministers ausgezeichnet. An der Universität Mainz schrieb er sich ab dem Wintersemester 1969/1970 ein in den Studienfächern Latein, Geschichte und Alte Geschichte mit dem Ziel, Lehrer zu werden. Voraussetzung für das angestrebte Studium war allerdings das Graecum, das er sich innerhalb von nur zweier Semester erfolgreich aneignen konnte.
Mit der Ersten Staatsprüfung am 3. Juni 1975 erlangte Bauer den Hochschulabschluss für das Lehramt an Gymnasien. Schon seine sehr umfangreiche schriftliche Examensarbeit im Fach Geschichte befasste sich damals mit der näheren Heimat („Stufen der Reformation im Hunsrückgebiet“).
Von August 1975 bis Juli 1977 absolvierte er den Vorbereitungsdienst für das Lehramt an Gymnasien in Rheinland-Pfalz in Bad Kreuznach. Vom 1. Februar 1977 bis 25. November 1998 unterrichtete Bauer in den Fächern Latein, Geschichte und Sozialkunde am Staatlichen Herzog-Johann-Gymnasium in Simmern. Fortbildungsveranstaltungen waren für ihn eine Selbstverständlichkeit. 1986 legte er die Prüfung in Informationstechnischer Grundbildung ab. „So konnte er seinen Unterricht an aktuellen, wissenschaftlichen und pädagogischen Erkenntnissen ausrichten und sich in neue Sachgebiete einarbeiten. Er setzte hohe Ansprüche an seine Schülerinnen und Schüler. Durch außerordentliches Engagement vermittelte er tiefe Einsichten in die lateinische Sprache und die historischen Zusammenhänge insbesondere mit lokalen Bezügen.“ Bei Eltern war er angesehen und beliebt bei seinen Schülern.
Nach der Heirat 1975 verlegte er seinen ständigen Wohnort nach Kirchberg; aus der Ehe ging eine Tochter hervor.
Die Verbundenheit zu seiner Heimat war tief in Bauer verwurzelt. In ortsansässigen Vereinen brachte er sich gerne ein, u. a. auch im Hunsrücker Geschichtsverein. Als Presbyter der evangelischen Friedenskirche in Kirchberg galt er als ein engagierter Streiter. Zu vielfachen Festschriften und Ortschroniken trug Bauer gerne mit eigenen Aufsätzen bei.
Der feste Wunsch, eine Dissertation zur Heimatgeschichte zu verfassen, begleitete ihn stets die Jahre nach seinem Studium an der Universität in Mainz. So besuchte er ab dem Wintersemester 1999 an der Universität Mainz das Doktorandenkolloquium unter Prof. Dr. Matheus im Fachbereich Mittelalterliche Geschichte und Geschichtliche Landeskunde. Mit dem Sommersemester 2000 begann er sein Dissertationsvorhaben bei Prof. Dr. Matheus. Es folgten sehr umfangreiche Quellenrecherchen in Archiven wie Bonn, Koblenz, diversen Verbandsgemeinden und Universitäten, sowie ganz besonders in privaten Hausbüchern und notariellen Urkunden, vielfach begleitet von persönlichen Gesprächen.
Mit der Berufung von Prof. Matheus an das Deutsche Historische Institut in Rom wechselte Bauer im Wintersemester 2003/2004 zu Prof. Dr. Lutz Raphael an den Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte in Trier, der fortan das Dissertationsvorhaben betreute. Eine Einladung, seine Forschungsergebnisse in der Forschergruppe um Professor Jean-Luc Mayaud in Lyon (Frankreich) in französischer Sprache vorzustellen, gab Sicherheit und machte deutlich, dass er sich als „Spätberufener“ auf dem richtigen Weg befand. Laut Antrag vom 22. März 2006 wurde er zum Promotionsverfahren zugelassen. Mit Urkunde vom 2. August 2006 verlieh ihm die Universität Trier den akademischen Grad „Doktor der Philosophie“. Dass seine mehr als 500 Seiten umfassende Arbeit in der Reihe „Trierer Historische Forschungen“ aufgenommen wurde, erfüllte ihn mit Stolz und großer Freude. Sie erschien 2009 unter dem Titel „Ländliche Gesellschaft und Agrarwirtschaft im Hunsrück zwischen Tradition und Innovation (1870 – 1914)“.
Leider konnte Alfred Bauer die Drucklegung seines Buches nicht mehr erleben. Seine Ehefrau setzte sich anschließend mit großem Engagement für die Veröffentlichung des Werkes in seinem Sinn ein. Ihr und seiner Tochter hat er sein Buch gewidmet.
Am 30. Oktober 2009 wurde sein Buch posthum in feierlichem Rahmen in der Friedenskirche in Kirchberg der Öffentlichkeit vorgestellt. Sein Doktorvater Prof. Dr. Raphael übernahm gerne den Part der Laudatio und würdigte diese Arbeit in besonderem Maße:
„Dieses Werk ist nicht nur für den Hunsrück, es ist auch für die internationale Geschichtswissenschaft ein überaus wichtiges Buch. […] Als Kenner der lokalen Traditionen und als unermüdlicher Erforscher neuer Quellen und Dokumente hat er sein lokalgeschichtliches Wissen und sein Verständnis für die sozialen, religiösen und kulturellen Zusammenhänge hinter den Zahlen der zeitgenössischen Agrarstatistiken in diese Studie eingebracht.“
Quellen / Literatur
- Mitteilungen von Margit Bauer.
- Nachruf des Herzog-Johann-Gymnasiums Simmern, in: Rhein-Hunsrück-Zeitung Nr. 166 v. 18. Juli 2008.
- Rhein-Hunsrück-Zeitung Nr. 258 v. 6. November 2009.
Doris Wesner, Simmern
Heft 174 | Stand: 12/2020
