
† 13.08.1913 in Passug (Schweiz)
Vater: Johann Gottlob Bebel
Mutter: Wilhelmine Johanna, geb. Simon
Biografie
Viermal trat August Bebel mangels einheimischer Kandidaten als Reichstagskandidat der Sozialdemokraten im Wahlkreis Simmern-Kreuznach an, hatte jedoch gegen die siegreichen rechtsliberalen Kandidaten regelmäßig nicht die Spur einer Chance. Zwar gelang ihm die Steigerung der Stimmenzahl von 502 (1898 – 2,8%) auf 1162 (1907 – 4,8%), in den Reichstag gewählt wurde er aber anderswo: in den Wahlkreisen Sachsen 17, Sachsen 5, Hamburg 1, Elsass-Lothringen 8 und erneut Hamburg 1.
Der Sohn eines Unteroffiziers hatte die Volksschule in Brauweiler und Wetzlar besucht. Nach einer Drechslerlehre war der früh Waise Gewordene (der Vater starb 1844, die Mutter 1853) mehrere Jahre auf Gesellenwanderschaft. 1864 bis 1876 war er selbständiger Drechslermeister, von 1876 bis 1884 Mitinhaber einer kleinen Fabrik und danach Handlungsreisender für diese Firma.
1861 wurde Bebel Mitglied, 1862 Zweiter und 1865 bis 1872 Erster Vorsitzender des gewerblichen Bildungsvereins in Leipzig. Daneben war er von 1864 bis 1867 Mitglied des Ständigen Ausschusses des Vereinstags Deutscher Arbeitervereine und von 1867 bis 1869 Vorsitzender des Verbandes Deutscher Arbeitervereine. 1866 gründete er die Sächsische Volkspartei, 1869 die Sozialdemokratische Partei (SDAP) mit. Nach der Verbüßung einer Festungshaft von 2 ¾ Jahren (wegen „Hochverrats“), die Bebel zur Weiterbildung nutzte, wurde er 1875 bis 1878 Vorsitzender der zentralen Kontrollkommission der SDAP, 1878 bis 1892 Kassierer im zentralen SP-Vorstand und von November 1892 bis zu seinem Tode einer der Vorsitzenden im Parteivorstand. Bebel war seit 1867 fast ununterbrochen Mitglied des (anfangs Norddeutschen) Reichstags und von 1881 bis 1890 Mitglied des Landtags von Sachsen. Durch seine Zusammenarbeit mit Wilhelm Liebknecht wandte er sich vom Liberalismus ab und – in Gegnerschaft zu Ferdinand Lasalle – dem Sozialismus zu, wurde zum „Arbeiterkaiser“, zum einem der bedeutendsten, stets antipreußischen Parlamentarier und einem hervorragenden Redner in der Zeit des Kaiserreichs sowie zum einflussreichen Autor.
1866 heiratete Bebel die Putzmacherin Julie geb. Otto. Nach ihrem Tod im Jahre 1910 lebte er zusammen mit seiner einzigen Tochter in Zürich. Privat war er liebenswürdig, uneitel, leidenschaftlich, ein revolutionsgläubiger Demokrat, der die Segnungen der modernen Technik schätzte. Er starb am 13. August 1913 in Passug in der Schweiz während eines Sanatoriumaufenthalts an Herzversagen und wurde in Zürich beigesetzt. Als unbestrittener Führer der deutschen Sozialdemokratie genoss er national und weltweit eine Autorität, wie sie nach ihm nur noch Willy Brandt erreichen sollte.
Ein besonderes Verhältnis zum Hunsrück ist in seinen Schriften und Äußerungen trotz der mehrfachen Reichstagskandidatur im Wahlkreis Simmern-Kreuznach allerdings nicht erkennbar.
Quellen / Literatur
- August Bebel, Aus meinem Leben, Bände 1 bis 3, Stuttgart 1910, 1911 und 1914.
- Theodor Heuss, Bebel, August, in: Neue Deutsche Biographie (NDB), Erster Band, Berlin 1953, S. 683-685.
- Brigitte Seebacher-Brandt, Bebel. Künder und Kärrner im Kaiserreich, Berlin 1988.
- Sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete und Reichstagskandidaten 1898-1918, bearbeitet von Wilhelm Heinz Schröder, Düsseldorf o.J., S. 78, 252.
Dr. Achim R. Baumgarten, Simmern
Heft 137 | Stand: 11/2008
