Bechtel, Joseph

Joseph Bechtel
* 18.07.1879 in Kinheim/Mosel
† 12.08.1942 im KZ Dachau
Vater: Nikolaus Bechtel
Mutter: Theresia, geb. Dambly

Biografie

Nach langer Diskussion erfolgte in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in dem Städtchen Mendig der Beschluss, ein neues Gebäude für die örtliche Grundschule zu errichten. Die Verantwortlichen entschlossen sich, durch die Namensgebung den ehemaligen Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde des Ortes zu ehren. „Grundschule Pfarrer-Bechtel Mendig“ heißt seitdem die Lehranstalt und macht somit schon die Kinder des Ortes auf den Glaubenszeugen ihrer Heimat aufmerksam. Von 1929 bis zum seinem Tod im KZ Dachau am 12. August 1942 war der Geistliche der Pfarrer in Mendig St. Cyriakus gewesen.

Pfarrer Joseph Bechtel war Priester des Bistums Trier. Am 18. Juli 1879 in Kinheim/Mosel in einer großen Familie geboren, erwarb der junge Mann das Abitur im Jahr 1902 am Trierer Friedrich-Wilhelm-Gymnasium. Über seine Kindheit und Jugend ist wenig bekannt, allerdings weisen die Zeugnisse Joseph Bechtel als einen außerordentlich begabten und fleißigen Schüler aus. Nach Aufnahme und Abschluss der philosophischen und theologischen Studien wurde Joseph Bechtel am 31. März 1906 im Trierer Dom zum Priester geweiht. Der junge Priester wurde zunächst zum Kaplan der Pfarrgemeinde St. Nikolaus in Bad Kreuznach ernannt, wo er für fünf Jahre seine priesterlichen Dienste versah.

Die Annahme seiner ersten Pfarrstelle führte den Geistlichen wieder in den Hunsrück. Seit dem 4. September 1911 war Joseph Bechtel bis zum Jahr 1919 Pfarrer an der St. Nikolaus Kirche in Norath. In dieser kleinen Pfarrgemeinde hatte der Geistliche offensichtlich still und ohne besondere Vorkommnisse seine Aufgaben versehen. Für die Jahre 1919 bis 1929 übernahm der Priester die Pfarrstelle in der nicht weit entfernt liegenden Ortschaft Macken. In seine Amtszeit fiel der Bau der St. Kastor Kirche, wobei sich Pfarrer Bechtel als sehr geschickt agierend bei Planung und Finanzierung erwies. Im Jahre 1929 wechselte der inzwischen 50-jährige Geistliche an die wesentlich größere Pfarrei St. Cyriakus in Niedermendig, heute Mendig.

Unterdessen bestimmte die nationalsozialistische Ideologie mehr und mehr das öffentliche Leben. Das Leben der Kirche und Wirken der Priester wurden auf jede mögliche Art erschwert. Die NSDAP begann auch Pfarrer Bechtel seit dem Jahr 1933 zu überwachen. Der Einkauf von Pfarrhausangehörigen bei einem jüdischen Händler und ein Vergehen gegen das Reichsflaggengesetz – Pfarrer Bechtel hatte die Kirche nicht beflaggt – wurden aktenkundig. Die Behörden untersagten den Schülern der Entlassklasse im Jahr 1935 die Teilnahme am obligatorischen Besinnungstag. Zwei Jahre später, am 10. November 1937 schlossen die Behörden das Jugendheim der Kirchengemeinde. Pfarrer Bechtel war es nicht mehr erlaubt, Religionsunterricht zu erteilen.

Der Bischof von Trier stellte seit dem 2. Mai 1936 dem Pfarrer von Mendig Kaplan Peter Schlicker zur Seite. Kaplan Schlicker rekonziliierte im September 1939 einen Gläubigen der Pfarrei, der in einer kirchlich ungültigen Ehe lebte. Nach dessen Tod erstattete seine Witwe am 10. Oktober 1940 Anzeige wegen angeblicher Beeinflussung eines Sterbenden. Beide Geistliche wurden Verhören unterzogen. Pfarrer Bechtel hatte sich ausdrücklich hinter seinen Kaplan gestellt, so dass beide Geistlichen nach „Schutzhaft“ in Koblenz am 7. Februar 1941 in das KZ Dachau eingeliefert wurden. Der schon 62-jährige Priester hatte Unsägliches unter den unmenschlichen Haftbedingungen zu erleiden. Geduldig ertrug er alle Demütigungen und Leiden, bis er am 12. August 1942 verstarb. In der Blockkapelle hielten die Priester für ihn ein Requiem, wobei Kaplan Schlicker ihm den Nachruf hielt.

Pfarrer Joseph Bechtel und Kaplan Peter Schlicker sind als Glaubenszeugen in das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts aufgenommen worden.

Quellen / Literatur

  • Helmut Moll (Hrsg. im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz), Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts (Paderborn u.a. 6., erweiterte und neu strukturierte Auflage 2015) Band I, S. 668-671.

Helmut Moll, Köln
Heft 158 | Stand: 4/2015