Böhm, Josef

Josef Böhm
* 27.04.1905 in Mainz
† 07.11.1995 in Simmern
Vater: Josef Böhm (Eisenbahnbeamter)
Mutter: Katharina, geb. Seibert

Biografie

Als Sohn eines Eisenbahnbeamten in Mainz geboren, kam Josef Böhm schon ein Jahr später mit seinen Eltern nach Simmern, wo er später die Volksschule und das Realgymnasium besuchte. Als er vier Jahre alt war, verstarb der Vater. 1925 legte Böhm am Humanistischen Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Trier das Abitur ab. Nach der philosophisch-theologischen Ausbildung am dortigen Priesterseminar erhielt er am 3. August 1930 die Priesterweihe und war anschließend in St. Gervasius und St. Helena in Trier tätig. Als Hausgeistlicher in Neuwied betrieb er historische Studien an der Universität Bonn. Vorübergehend mit der Pfarrverwaltung in Piesport betraut, verwaltete er danach die Pfarrei Haag von 1941 bis 1955. Ein Großbrand am 23. September 1951, dem sechs Gehöfte und die Kirche zum Opfer fielen, stellte die Kirchengemeinde und den Pfarrer vor größte Herausforderungen. Von 1955 bis zu seiner Pensionierung im Alter von 72 Jahren im Jahre 1977 leitete er die Pfarrei Mörsdorf. Seitdem lebte er in seiner Heimatstadt Simmern.

Von Ruhestand lässt sich allerdings kaum sprechen: Regelmäßig half Böhm seelsorgerisch in der Pfarrei Simmern mit den Filialen Mutterschied und Riesweiler sowie in der Pfarrei Kisselbach aus. Vor allem aber beschäftigte er sich mit der Geschichte der Stadt Simmern und des Dekanats. Das Sozialwesen im 19. Jahrhundert, der Kulturkampf, das Hospital, die Höhere Bürgerschule, der Räzeboore und vor allem die Geschichte der katholischen Pfarrei waren seine Themen. Viele Untersuchungen erschienen in den Hunsrücker Heimatblättern, dem Rhein-Hunsrück-Kalender oder in selbständigen Schriften. Seine Bonner Studienzeit hatte ihn im Umgang mit Quellen sicher gemacht, die perfekte Beherrschung des Lateinischen erleichterte ihm den Zugang zur Simmerner Karmeliterchronik, zu den Bruderschaftsbüchern und den Klosterunterlagen. Jungen Forschern half er immer wieder mit Übersetzungen lateinischer Texte. Seine letzten Forschungen galten den Töchtern von Herzog Friedrich I. von Simmern, Katharina und Anna, dem Kulturkampf und dem Armenwesen der Stadt Simmern.

Besonderen Anteil nahm er am Wiederauffinden der Grundmauern der Wallfahrtskirche und der Eremitage Reizenborn. Mit einem Teil des von ihm testamentarisch vermachten finanziellen Nachlasses konnte die frühere Eremitage wieder aufgebaut werden.

Auf Grund seiner langjährigen Mitarbeit wurde Josef Böhm am 27. April 1995, seinem 90. Geburtstag, das zweite Ehrenmitglied des Hunsrücker Geschichtsvereins. Am 3. August 1995 feierte er in einem Festgottesdienst in der Simmerner Josephskirche sein Eisernes Priesterjubiläum. Unerwartet verstarb er drei Monate später.

Eigene Werke (Auswahl)

  • „Die Glocken der Stadt Simmern“, „Die alte Karmeliterchronik und ihre Bedeutung“, „Beiträge zur Geschichte der Katholischen Pfarrei Biebern“ – Manuskripte im Rhein-Hunsrück-Archiv, Simmern.
  • Die katholische Pfarrei Simmern in der Zeit von 1686 bis zur Gegenwart, in: Stadt Simmern im Hunsrück 650 Jahre, Simmern 1980, S. 188-209.
  • Die Skapulierbruderschaft der Pfarrei Simmern, in: Hunsrücker Heimatblätter 52 (1981), S. 43-50.
  • Die Eremitage Reizenborn, Teil I, in: Hunsrücker Heimatblätter 50 (1981), S. 338-349, Teil II, in: Hunsrücker Heimatblätter 65 (1985), S. 174-181.
  • Vom Hospital zum Krankenhaus, in: Rhein-Hunsrück-Kalender 1985, S. 111-120.
  • 120 Jahre Katholischer Kindergarten in Simmern, in: Rhein-Hunsrück-Kalender 1986, S. 44-50.

Quellen / Literatur

  • Anita Kraemer (Hrsg.), Der Räzebore, Riesweiler 2012.
  • Willi Wagner, Pastor Josef Böhm, Simmern/Hunsrück, 80 Jahre alt, in: Hunsrücker Heimatblätter 65 (1985), S. 181-183.
  • Willi Wagner, Zum Tode unseres Ehrenmitglieds Pfarrer i.R. Josef Böhm, in: Hunsrücker Heimatblätter 97 (1995), S. 333.
  • Willi Wagner, Zum Tode von Pfarrer i.R. Josef Böhm, in: Rhein-Hunsrück-Kalender 1997, S. 150.

Dr. Achim R. Baumgarten, Simmern
Heft 160 | Stand: 12/2015