
† 03.07.1965 in Völkenroth
Vater: Heinrich Peter Conrath (Volksschullehrer)
Mutter: Carolina Victoria Johanna, geb. Leibling
Biografie
Am 3. Dezember 1902 wurde Ida Conrath in Völkenroth im Kreise Simmern als Tochter des Lehrers Peter Conrath geboren, der von 1901 bis 1903 in der dortigen Volksschule tätig war. Schicksalhaft für ihr späteres Leben wurde nach der Versetzung ihres Vaters in den hohen Westerwald das Klima der dortigen Gegend, das rauer war als das des Hunsrücks und das sie gar nicht vertrug. So kehrte sie zum Hunsrück zurück und lebte von ihrem vierten Lebensjahr an in dem Hause ihres Großvaters, des Försters Johann Carl Leibling, im Försterhaus in Völkenroth. Hier wuchs sie heran und wurde nach eigenen Worten ein „wirkliches Hunsrückkind“.
Da ihr Talent in der Volksschule früh entdeckt wurde, hatten der Großvater und die mit der Betreuung Idas befasste ledige Tante eigentlich ein Studium für sie geplant. Daraus wurde nichts, eine Hüftgelenkentzündung in ihrem 10. Lebensjahr machte das unmöglich. Ida Conrath bezeichnete dieses Handicap später als „eine Kerbe in meinem Leben, an der ich jahrelang litt“.
Schon in den jungen Lebensjahren schrieb und fabulierte sie gerne und das stille Försterhaus bot ihr ausreichende Anregungen dazu. Im Alter von zwölf Jahren schrieb sie ihre ersten Verse. 1918 – Ida war 15 Jahre alt – starb ihre Mutter. Der Großvater, der nach strengen Lebensgrundsätzen lebte und in dessen Händen ihre Erziehung lag, billigte es nicht, dass Ida als junges Mädchen nach dem politischen Zusammenbruch 1918 in das seiner Ansicht nach „turbulente und unsittliche Treiben“ der damaligen Zeit geriet, und so blieb sie im Haushalt, lernte kochen, nähen und Handarbeiten sowie ein wenig musizieren – und heimlich dichtete sie.
Mit dem Aufkommen der Hyper-Inflation wurde der letzte Rest des Familienvermögens, der nicht als Kriegsanleihe gezeichnet worden war, aufgezehrt, so dass man allenthalben auf die Notwendigkeit gestellt wurde, sich auch als Mädchen einem festen Beruf zuzuwenden. So ging es auch Ida Conrath. 1923/24 besuchte sie die Dr. Zímmermannsche Handelsschule in Koblenz und schuf sich damit die Grundlage für eine Bürotätigkeit, die sie von da ab bei den verschiedensten kaufmännischen und behördlichen Dienststellen finden sollte.
Es entstanden in dieser Zeit viele weitere Gedichte, mit denen sich Ida Conrath besonders in harten und unglücklichen Lebenssituationen von seelischem Druck befreite. Obwohl sie damals immer in Städten außerhalb des Hunsrücks lebte, blieb ihre Liebe zur alten Heimat stets wach. Erst 1948 begann sie in Mundart zu dichten. Einige Scherzgedichte aus Anlass kleiner Feste gefielen den Zuhörern so gut, dass sie angespornt wurde, weiter in Mundart zu schreiben und Gedichte zu veröffentlichen. Mit der Zeit wurde sie äußerst populär. Ihre Gedichte umfassten die gesamte Spannweite zwischen schalkhaftem Humor bis zu zarter Besinnlichkeit, von den stillen Augenblicken des Lebens bis zu Naturbeschreibungen. Auch echte Frömmigkeit schien bisweilen durch und wurde geschickt in die Naturbeobachtungen eingefügt.
Persönlich zeichnete sich Ida Conrath durch besondere Bescheidenheit und Zurückhaltung aus. Sie verstarb am 3. Juli 1965 mit 62 Jahren in Völkenroth.
Quellen / Literatur
- Eigener Lebenslauf von Ida Conrath.
- Hermann Brucker, Ida Conrath †, in: Hunsrückkalender 1966, S. 82f.
- Personenstandsdaten: Standesamt Kastellaun.
Wilfried Theiß, Simmern
Heft 168 | Stand: 12/2018
