
† 29.04.2016 in Briedel (Siedlung Maiermund)
Vater: Ludwig Schößler
Mutter: Berta Luise, geb. Martin
Biografie
1937 kam Liesel Franz als zweite Tochter der Eheleute Ludwig Schößler und Berta Luise Schößler, geb. Martin aus Külz, in Raversbeuren zur Welt. Ihre Schwester Gertrud erblickte drei Jahre vor ihr, am 21. März 1934, das Licht der Welt. Ihre Kindheit und Jugend verbrachte Liesel in Raversbeuren. Sie half in der Landwirtschaft mit und war eine gute Schülerin. Im Alter von 14 Jahren wurde sie am 18. März 1951 konfirmiert. Nach der Schulzeit besuchte sie die Hauswirtschaftsschule in Herrstein, erlernte das Klavier spielen und half weiterhin in der elterlichen Landwirtschaft.
Als junges Mädchen lernte sie ihren späteren Mann Erich Franz kennen, mit dem sie im November 1958 den Bund der Ehe einging. Ihren Lebensmittelpunkt fanden beide in der einige Jahre zuvor gegründeten Siedlung Maiermund, und Liesel Franz wurde eine waschechte Bäuerin. Das Paar bekam zwei Söhne, Dieter und Bernd, denen sie gerne auf dem Klavier Lieder vorspielte und dazu sang. Als aktive Sängerin, zuerst im Frauenchor Raversbeuren und später im gemischten Chor MGV Raversbeuren, blieb sie der Musik und dem Gesang ein Leben lang verbunden. Viele ihrer Gedichte wurden von Friedel Schröder-Horst und von Karl-Heinz Weber-Müllenbach vertont.
Das Schreiben war ihr in die Wiege gelegt. Bereits ihr Großvater, Ludwig Schößler, war ein bekannter Autor auf dem Hunsrück und an der Mosel (Der Schöffe von Briedel) und ein Erzähltalent.
Liesel Franz war eine eingefleischte Hunsrückerin und in ihrer Heimat fest verwurzelt. Ihre ersten Gedichte wurden in der Bauernzeitung, dem evangelischen Sonntagsblatt „Glaube und Heimat“, veröffentlicht sowie in Jahrbüchern und Anthologien. Das Werden und Vergehen spricht aus ihren Gedichten, aber auch der verantwortungsvolle Umgang mit der Natur und all ihren Geschöpfen. Ruhepol war bis zu seinem Tod ihr Mann Erich (* 04.05.1929 – † 02.08.1991), der leider viel zu früh verstarb.
1987 veröffentlichte sie ihr erstes Buch mit dem Titel „Deheem is Deheem“. 1993 schloss sich das Buch „De Hunsrick un die Hunsricker“ an. Es folgten „Hunsrücker Liebeserklärung“ (1997), „Hunsrücker Lewensmelodie“ (2001) und „Erlebt un erdacht“ (2005). Ein weiteres Buch, das kurz vor der Vollendung stand, wurde bis heute nicht veröffentlicht. In dem Film Heimat 3 von Regisseur Edgar Reitz spielte sie die Bäuerin „Tante Hilde“. Sie meinte dazu: „Do brauch eich maich garnit zu verstelle, do kann eich sin wie eich sin“.
Lange Jahre war sie Mitarbeiterin beim Amt für Rheinische Landeskunde in Bonn und Gründungsmitglied der Autorengruppe Hunsrück. Zweiundzwanzig Jahre hatte sie das Amt der zweiten Vorsitzenden der Autorengruppe inne. Diese Aufgabe erfüllte sie mit ihrer herzlichen Mütterlichkeit und pflegte die Kontakte zu ihren Mitautorinnen und –autoren. Die warmherzige Stimme von Liesel Franz, die wie keine andere den Hunsrück und seine Menschen kannte und diese in ihren Geschichten und Gedichten lebendig werden ließ, verstummte am 29. April 2016 für immer.
Quellen / Literatur
- Freundliche Mitteilungen von Gertrud Fuchs, geborene Schößler
- Freundliche Mitteilungen von Elfriede Karsch, Vorsitzende der Autorengruppe Hunsrück
- Unterlagen und Auskünfte der Familie Franz
- Elfriede Karsch, Liesel Franz verstorben, in: Rhein-Hunsrück-Zeitung vom 4.5.2016.
- Elfriede Karsch, Liesel Franz verstorben, in: Rhein- Hunsrück-Kalender 2017, S. 145.
Günter Hamann, Belgweiler
Heft 174 | Stand: 9/2020
