Gass, Friedrich Carl (Karl Gaß)

Friedrich Carl Gass (Karl Gaß)
* 28.02.1848 in Kirchberg
† 25.01.1916 in Kirchberg
Vater: Ludwig Gass
Mutter: Charlotte, geb. Goetz

Biografie

Friedrich Carl Gass (genannt Karl) wurde am 28. Februar 1848 als zweites von 14 Kindern eines Färbers und Kaufmanns geboren. Aus dem Kirchberger Anzeiger vom 1. Februar 1916 erfahren wir, dass er am Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 teilnahm. Am 4. Juli 1873 heiratete er Sophie Friederike, das jüngste von zehn Kindern des einstigen Kirchberger Beigeordneten Heinrich Peter Weber. In den Jahren 1874 bis 1881 wurde Karl Gaß fünfmal Vater. Er war evangelisch und gehörte später 18 Jahre lang dem Kreissynodalvorstand an. An vielen Provinzsynodalversammlungen nahm er als Abgeordneter teil.

Er schlug den Beruf des Kaufmanns ein. Eigentlich kein Wunder: Seine Mutter stammte aus der wohlhabenden Simmerner Kaufmanns- und Gerberfamilie Götz, seine Schwiegermutter gehörte der angesehenen Kirchberger Kaufmannsfamilie Trutschler an. Von August 1882 bis zu seinem Tode war Karl Gaß Geschäftsführer (Rendant) des im Januar 1871 gegründeten Kirchberger Darlehenskassenvereins. Aus dieser Bank entwickelte sich später die Raiffeisenbank – und danach die Volksbank Kirchberg. Die Geschäftsräume waren in seinem Wohnhaus am Marktplatz, später Schuhhaus Weber, Anwesen Hauptstraße 23, untergebracht.

Seit Anfang 1886 war er Mitglied der Stadtverordnetenversammlung. Nach seiner Wahl am 22. Oktober 1901 wurde er am 19. November in sein Amt als 1. Beigeordneter der Stadt eingeführt. Am 18. Dezember 1901 ernannt ihn der Oberpräsident der Rheinprovinz auch zum 1. Beigeordneten der Landbürgermeisterei Kirchberg. In beiden Ämtern wurde er mehrmals bestätigt. Im Nachruf von Stadt- und Landbürgermeisterei heißt es:

„Oft hat er in dieser langen Zeit auf kürzere oder länger Dauer die Dienstgeschäfte geführt; seit Kriegsausbruch führte er dieselben ununterbrochen für den zum Heere einberufenen Herrn Bürgermeister. Mit Einsetzung seiner ganzen Kraft hat der Verstorbene sich stets in uneigennütziger Weise an dem Gemeinwesen der Stadt- und Landbürgermeisterei Kirchberg beteiligt. Mit bewunderungswürdiger Hingabe, seltenem Opfermut, weittragendem Blick und gerechtem Sinn lag ihm in seiner langen Amtszeit das Wohl der Bürgermeisterei stets am Herzen. Den Untergebenen gegenüber war er immer wohlwollend und ein vorbildliches Muster“.

Seit 1893 gehörte er bis zu seinem Tode dem Kreistag des Kreises Simmern an. In einem Nachruf des Kreisdeputierten Kirchmayer im Namen des Kreistages erfahren wir auch: „Schon im Jahre 1910 wurde der leider zu früh Dahingeschiedene in Anerkennung all seiner Leistungen für die Allgemeinheit von Sr. Majestät durch die Verleihung des Kronen-Ordens IV. Klasse ausgezeichnet.“

Anlässlich ihrer Silberhochzeit im Jahre 1898 stifteten die Eheleute Gaß die für die damaligen Verhältnisse hohe Summe von 1.500 Mark als Grundstock für ein in Kirchberg zu errichtendes Krankenhaus. Bis zum Ersten Weltkrieg wurde in Kirchberg eifrig für diesen „Krankenhausbaufonds“ gesammelt. Das zu Kriegsbeginn gesammelt Kapital in Höhe von rund 30.000 Mark wurde zum Kauf von Kriegsanleihen verwendet. Damit war das Kapital verloren und der Traum der Eheleute Gass konnte nicht verwirklicht werden.

Weiter oben sind zwei Unterschriften von Karl Gaß wiedergegeben: Am 20. Juni 1912 als 1. Beigeordneter der Stadt und am 9. Juli 1898 unter der Urkunde für die „Gass’sche Krankhausstiftung“.

Quellen / Literatur

  • Verbandsgemeindeverwaltung Kirchberg: Standesamtsarchiv sowie Flachaktei Nr. 26/3, 29/2 und 64/5.
  • 125 Jahre Volksbank Kirchberg-Hunsrück eG, Kirchberg 1996.
  • Hans Dunger, Die Kirchberger Bürgermeister seit 1800 (Band 11 der Schriftenreihe zur Geschichte der Stadt Kirchberg), Kirchberg 2009.
  • Michael Frauenberger, Familienbuch der reformierten Pfarrei Kirchberg 1656 – 1875, hrsg. v. Westdeutsche Gesellschaft für Familienkunde, Köln 2005.

Dr. Hans Dunger, Kirchberg
Heft 163 | Stand: 2/2017