Goetz, Carl Oswald

Carl Oswald Goetz
* 07.03.1868 in Simmern
† 02.04.1920 in Boppard
Vater: Carl Oswald Goetz (Sparkassenrendant)
Mutter: Lavina Jacobina, geb. Fuchs

Biografie

Als Sohn eines Sparkassenrendanten wurde Carl Oswald Goetz am 7. März 1868 in der Hunsrückmetropole Simmern geboren. Hier besuchte er die Höhere Schule und beschritt nach erfolgreicher Prüfung sein langjähriges Forststudium, welches er im Jahre 1893 mit überdurchschnittlichem Ergebnis mit dem Zweiten Staatsexamen als Forstassessor abschloss.

Dem anschließenden engagierten Einsatz an wechselnden Dienstorten folgte zum 1. November 1904 die Wahl als Gemeindeoberförster des Forstverwaltungsverbandes Boppard – Halsenbach – Pfalzfeld, welche auch zum Wohnortwechsel nach Boppard führte. Hier bezog Oberförster Goetz mit seiner damals noch sechsköpfigen Familie (1897 hatte er Gattin Eugenia geb. Hoffmann geehelicht, das fünfte Kind sollten noch folgen) zunächst eine Wohnung in der örtlichen Wilhelmstraße 4, während er sein Geschäftsbüro in der Casinostraße 2 einrichtete. Im Jahre 1912 bezog die Familie das neu errichtete Eigenheim in der Parkstraße 20.

Der großflächige Kommunalwald war um die Jahrhundertwende noch unerschlossen; so mussten beispielsweise auch notwendige Holzabfuhren noch allesamt über die dortigen, ins Tal führenden Bäche abgewickelt werden. Goetz war derjenige, dem es mit überzeugender Argumentation gelang, die kommunalen Stadtväter von der Notwendigkeit eines ordentlichen Waldwegenetzes mit geeigneten Holzabfuhrwegen von vier Metern (Hauptwege) bzw. drei Metern Breite auf Nebenwegen zu überzeugen. Nach umfangreichen Nivellierungen wurden in seinem Verantwortungsbereich allein im Bopparder Stadtwald in den Jahren 1904 bis 1920 rund 25 km noch heute genutzter Waldwege angelegt. Hinzu kamen etwa 15 km sog. Niveaupfade von einem Meter Breite. Hierbei erwarb er sich im Volksmund den Ehrentitel „Erschließer des Bopparder Urwaldes“.

Daneben wurden in seiner Dienstzeit rund 350 ha unrentabler Eichenschälwald – die sog. goldenen Lohejahre gehörten längst der Vergangenheit an – mit ertragreichem Fichtenbestand besetzt. Da die zahlreichen unwirtschaftlichen Lohknüppel nicht abzusetzen waren, ließ Götz aus dem Saargebiet und dem Elsass drei Köhler anwerben, welche sodann über Jahre im Wald verwertbare Holzkohle brannten.

Mit forstästhetischem Blick pflanzte er an ausgesuchten Stellen herrliche Mammutbäume, Esskastanien, Lebensbäume und Roteichen und ließ das Steinigbach-, das Weißerbach- und das Mörderbachtal in gelungener Form sowohl nach forstwirtschaftlichen Gesichtspunkten wie auch mit weitsichtigem touristischem Blickwinkel ausbauen.

Infolge einer Ende 1919 ausgebrochenen schweren Erkrankung verstarb Carl Oswald Goetz am 2. April 1920 in seiner Bopparder Wahlheimat, wo er auch beigesetzt wurde. Er hinterließ seine Gattin und fünf unmündige Kinder.

Forstmeister Wagner ließ zu Ehren seines Amtsvorgängers im Jahre 1926 einen besonderen Punkt des Bopparder Stadtwaldes förmlich in „Götze Kopf“ umbenennen.

Quellen / Literatur

  • Geburtseintrag beim Standesamt Simmern.
  • R. Rienhardt in „Rund um Boppard“ Nr. 45 vom 7.11.1959: „Dem verdienten Forstmann, Gemeindeoberförster Goetz zum Gedenken“.

Jürgen Johann, Boppard
Heft 163 | Stand: 9/2016