
† 28.06.1581 in Bernkastel (gerädert am 17. Juni 1581)
Vater: unbekannt
Mutter: unbekannt
Biografie
Christman Gniperdoliga, auch Gnipperdinga, Genipperteinga, Gempertinga oder Groperunge genannt, gilt manchen als der größte Massenmörder der Neuzeit. Schon 1581 berichtete eine Flugschrift von seinen grauslichen Taten und seinem schrecklichen Ende.
Gniperdoliga, um 1553 bei Kempen geboren, schloss sich im Alter von 16 Jahren dem Räuber und Massenmörder Peter Nirsch († 17./18.09.1581) an, der zwischen 1575 und 1581 rund 520 Meuchelmorde begangen haben soll. Wie er verschrieb er sich dem Satan und glaubte, sich durch zauberische Mittel unsichtbar machen zu können.
Nach zweijähriger „Ausbildung“ ging Gniperdoliga seiner eigenen Wege. Oberhalb von Bernkastel lebte er am „Fraßberg“ in einer wohnlich eingerichteten Höhle, möglicherweise einem aufgegebenen Bergwerk. Seinen Opfern, die er meist erstach oder vergiftete, hieb er mit einem Beil die rechte Hand oder die Finger ab, um diese in einem Sack mit sich tragen zu können. Auch soll er vor allem den Kindern das Herz entnommen haben, viele davon verspeiste er roh. Die Leichen warf er in eine in seiner Höhle befindliche Grube. Die meisten seiner Opfer stammten aus dem Hunsrück, dem Moselland und aus Luxemburg.
Kurz vor Weihnachten 1573 überfiel er die junge Bopparder Küfertochter Dorothea Teichner, die von Boppard aus auf dem Weg zu ihrem Bruder nach Trier war, und hielt sie fortan als Sexsklavin gefangen. In der Höhle angekettet, gebar sie in den folgenden Jahren sechs Kinder, die Gniperdoliga jeweils auf grausame Weise tötete. Im Frühjahr 1581 schwer verletzt, bat er Dorothea, ihm aus Bernkastel Medizin zu holen, nicht ohne sie vorher einen heiligen Eid schwören zu lassen, dass sie keinem Menschen über ihre Kenntnisse berichten dürfe. In Bernkastel kniete Dorothea auf dem Marktplatz nieder und klagte einer Marienfigur laut ihr furchtbares Schicksal. Ohne ihren Eid brechen zu müssen, konnte sie so auf Gniperdoligas Mordtaten aufmerksam machen.
Dreißig Männer begaben sich daraufhin zur Räuberhöhle und nahmen Gniperdoliga gefangen. In einer Kiste fanden sie rund 30.000 erbeutete Goldgulden und ein „Blutregister“, in dem Gniperdoliga 964 seiner Mordopfer über 13 Jahre aufgelistet hatte. Nach eigener Aussage wollte er nach dem tausendsten Mord in die bürgerliche Gesellschaft zurückkehren.
Am 21. Mai 1581 wurde er nach Bernkastel gebracht, wo er am 17. Juni aufs Rad geflochten wurde und neun Tage später nach grausamer Folterung verstarb.
Schon 1582 berichtete eine erste Flugschrift von Caspar Herber von Cochem über den Massenmörder. 1587 wurde die Geschichte erneut erzählt, 1590 erschien eine tschechische Übersetzung, 1598 eine französische. Mit der Zeit erhielt die Erzählung zahlreiche Ausschmückungen und Änderungen, ähnliche Berichte gibt es aus anderen Landesteilen unter den Namen Lippold, Danniel, Görtemichel, Schwarzer Friedrich, Henning, Klemens, Vieting and Papedöne.
Der Historiker Dr. Klaus Graf hält die Erzählung für eine Fiktion, in der verschiedene, möglicherweise reale Elemente zu einer Horrorgeschichte verbunden wurden. Der Verfasser der Flugschrift von 1582, Caspar Herber, konnte wie Gniperdoliga in historischen Unterlagen nicht nachgewiesen werden, offensichtlich handelt es sich um ein Pseudonym.
Quellen / Literatur
- Caspar Herber, Erschröckliche newe Zeytung, Mainz 1582 (Flugschrift).
- Jürgen Johann, 1581: Bopparderin lieferte Christman Gniperdoliga ans Rad, in: Rhein-Hunsrück-Kalender 2019, S. 92-96.
- Vincenz Sturm, Calendarium sanctorum & historiarum, das ist, Ein besondere tägliche Hauss und Kirchen historia, 1587, S. 333f.
- Ursula Neeb, Der Teufel vom Hunsrück, 2016 (Roman).
Dr. Achim R. Baumgarten, Simmern
Heft 188 | Stand: 5/2024
