
† 11.05.2012 in Freiburg/Breisgau
Vater: Josef Gräff (Rentmeister)
Mutter: Christine, geb. Liesenfeld
Biografie
Am 20. Dezember 1918 wurde Franz J. Gräff, in Pfalzfeld, damals Kreis St. Goar, geboren. Nach dem Besuch der Kath. Volksschule in Norath und des Gymnasiums in Boppard, das er 1937 mit dem Reifezeugnis verlies, schlossen sich Arbeitsdienst, Wehrdienst und Kriegszeit an. Zuletzt im Range eines Hauptmanns, konnte er nach mehreren Verwundungen bei Kriegsende ohne Kriegsgefangenschaft in die Heimat zurückkehren. Dankbar übernahm er den stellvertretenden Vorsitz im Verein der Freunde des Bopparder Gymnasiums. Sein Bruder Gottfried war in Russland gefallen, seine Schwester Gretchen (Margarete) wurde als Amtsangestellte durch die einzige Bombe, die im Krieg auf Pfalzfeld fiel, am 14. März 1945 im Amtsbürgermeistereigebäude getötet.
Am 1. Januar 1946 trat er als Volontär bei der Amtsverwaltung Kastellaun ein. Er besuchte die Rheinische Verwaltungsschule in Cochem und wurde dort als Diplom-Verwaltungswirt in die Höhere Beamtenlaufbahn eingestuft. Von 1947 bis 1949 war er Regierungsinspektor beim Landratsamt in St. Goar, bevor er am 10. März 1949 Amtsbürgermeister in Pfalzfeld wurde. Siebeneinhalb Jahre lang füllte er dieses Amt mit großem Engagement aus. In diese schwere Nachkriegszeit, die ihm alles abverlangte, fiel u.a. der Neubau eines Amtsgebäudes in Pfalzfeld. Es wurden zahlreiche Abwasserleitungen (Kanalisationen) gebaut, Mühlpfad erhielt ein modernes Abwassertrennsystem. In Pfalzfeld wurde ein Kriegerehrenmal errichtet, die Gemeinden Birkheim, Hausbay, Hungenroth, Niedert und Schwall legten eigene Friedhöfe an, Braunshorn, Bickenbach, Hausbay und Lingerhahn erhielten neue Schulgebäude und Laudert die erste Gemeinschaftsgefrieranlage im Landkreis St. Goar.
Am 14. November 1956 wurde Gräff Bürgermeister der Stadt St. Wendel, die seine neue Heimat wurde. Hier setzte er sich mit aller Kraft vor allem für die Stiftung Hospital St. Wendel ein (1956 bis 1973 Vorsitzender des Kuratoriums, 1974 bis 1985 geschäftsführender Direktor, 1986 bis 1999 Schriftführer des Kuratoriums und Vertreter des Hospitaldirektors, 1992 Interimsdirektor, 1999 bis 2001 stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums, seit 2001 Ehrenmitglied des Kuratoriums mit beratender Stimme), war aber auch in vielen anderen Ehrenämtern tätig.
Er war Vorsitzender des DRK-Ortsvereins St. Wendel (1958-1993), stellvertretender Vorsitzender des DRK-Kreisverbandes St. Wendel (1967-1992), seit 1993 Ehrenvorsitzender des DRK-Ortsvereins, Mitgründer (1961) und Präsident der Theatergemeinschaft St. Wendel (seit 2003 Ehrenvorsitzender), Vorsitzender der Bauhütte St. Wendel (1988-2004, seitdem Ehrenvorsitzender), Mitglied des Vorstandes des Historischen Vereins für die Saargegend (1980-1989), Präsident des Verkehrsvereins St. Wendel (seit 1990 Ehrenvorsitzender) und Mitglied des Aufsichtsrats der St. Wendeler Volksbank (1968-1977). 1957 gründete er die Volkshochschule St. Wendel, deren Vorsitzender er bis 1990 war.
Zahlreiche Ehrungen wurden ihm zuteil. So erhielt er als Erster die Bürgermedaille der Stadt St. Wendel (1993), die Ehrenmitgliedschaft im Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft St. Wendel-Rezé, das Ehrenzeichen des Deutschen Roten Kreuzes (1992) und das Ehrenzeichen in Gold des Deutschen Caritasverbandes (1996). Die CDU Ortsverband St. Wendel verlieh ihm 2003 die Wendelinus-Plakette. Gräff unterstützte auch das St. Wendeler Steinbildhauersymposion, das der spätere Ehrenbürger Prof. Leo Kornbrust 1971 initiierte.
Neben seiner beruflichen Tätigkeit war Franz J. Gräff als Heimatforscher ungemein produktiv. Er verfasste zahlreiche historische Studien und war auch im Rhein-Hunsrück-Raum immer wieder mit historischen Untersuchungen vertreten. Im Rhein-Hunsrück-Kalender schrieb er seit 1991 über den großen Brand des Dorfes Argenthal, über den einer seiner Vorfahren Aufzeichnungen hinterlassen hat, über historische Vorgänge im Amt Pfalzfeld und persönliche Erlebnisse.
Am 31. Dezember 1973 endete seine Bürgermeistertätigkeit durch die Gebietsreform. Franz J. Gräff starb am 11. Mai 2012 und wurde am 18. Mai 2012 in St. Wendel beerdigt. Die Stadt richtete für ihn eine würdige Trauerfeier aus. Er hinterließ seine Ehefrau Margret (Auguste Margarethe) geb. Becker, in die er sich in Boppard verliebt hatte, und die Töchter Reinhild Zenz und Prof. Dr. Annette Schmitt-Gräff.
Quellen / Literatur
- Franz J. Gräff – Über 50 Jahre im Dienste der Stiftung Hospital St. Wendel, hg. von der Stiftung Hospital St. Wendel, St. Wendel 2008 (Schriftenreihe der Stiftung Hospital St. Wendel). Mit Schriftenverzeichnis.
- Franz J. Gräff, Meine Schulzeit in Volksschule und Gymnasium, in: Rhein-Hunsrück-Kalender 2008, S. S. 129-134.
- Günter Mallmann, Die Bürgermeisterei Pfalzfeld von 1800 bis 1970, in: Rhein-Hunsrück-Kalender 2010, S. 92-98.
- Hermann Scheid, Nachruf auf Franz-Josef Gräff, in: Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend 60 (2012), S. 227-229.
- Petra Scholl, Chronik des Landkreises St. Wendel von 2009 bis 2012, in: Heimatbuch des Landkreises St. Wendel 32 (2009-12), S. 221.
- Freundliche Mitteilungen von Günter Mallmann, Norath, und Nicolas Pontius, Stadtarchiv St. Wendel.
Dr. Achim R. Baumgarten, Simmern
Heft 182 | Stand: 4/2023
