
† 03.02.1870 in St. Goar
Vater: Matthias Josef Grebel (Notar)
Mutter: Sybille, geb. Hensel
Biografie
Alexander Grebel wurde am 3. Juli 1806 als sechstes von 13 Kindern des Advokaten und Notars Matthias Josef Grebel aus Koblenz und dessen Ehefrau Sybille Hensel aus Boppard, beide römisch-katholisch, in Koblenz geboren. Bis zu seinem achten Lebensjahr wurde er zu Hause unterrichtet. Danach besuchte er das Königliche Gymnasium in Koblenz und begann anschließend an den Universitäten in Bonn und später in Heidelberg das Studium der Rechtswissenschaften, das er mit Erfolg abschloss.
Er war als flotter Corpsbursche der Rhenanen wegen Frische und Lebensfreudigkeit unter seinen Kommilitonen beliebt und als Freund gesucht. Mit einer seltenen Liebenswürdigkeit wusste er viele zu gewinnen und deren Anhänglichkeit sich bis in seine späteren Jahre zu bewahren. Nach vollendeter Auskultatur wurde er schon als Referendar Königlicher Friedenrichter in Treis, von wo er am 1. Mai 1838 auf seinen Wunsch in gleicher Eigenschaft hierhin nach St. Goar versetzt wurde.
Alexander Grebel war ein sehr vielseitiger Mann. Er widmete sich intensiv geschichtlichen Studien. Das preußische Justizministerium betraute ihn mit der Ordnung und Archivierung der Geschichte der Niedergrafschaft Katzenelnbogen. Die Ergebnisse seiner umfangreichen Recherchen veröffentlichte er in seinen beiden Büchern „Das Schloss und die Festung Rheinfels“ und „Geschichte der Stadt St. Goar“. Seine überragenden geschichtlichen Kenntnisse und sein Einsatz für geschichtliche Belange brachten ihm viele Ehrungen ein. Er war Mitglied des „Wetzlarschen Vereins für Geschichte und Alterthum“, der „Althertumsfreunde im Rheinland“ und des „Historischen Vereins für das Großherzogtum Hessen“.
Unter dem Einfluss der damals regelmäßig in St. Goar weilenden, freiheitlich gesinnten romantischen Dichter um Ferdinand Freiligrath wandte sich Grebel der Politik zu. Im Jahr 1846 wurde er Mitglied des Stadtrats. Als im März 1848 die Ideen der französischen Februarunruhen auch in das Rheinland überschwappten und großbürgerliche, demokratische und sozialistische Kräfte zu Aktionen gegen die konservative Regierung ermuntert wurden, schied Grebel aus dem Stadtrat aus, da er am 21. März 1848 als Deputierter in das Vorparlament berufen wurde.
Als Abgeordneter des Vereinigten Preußischen Landtages war er Vertreter der demokratischen liberalen Linken. Diese forderte das allgemeine Wahlrecht, die Volksbewaffnung und tief greifende soziale Reformen. Grebels überwiegend regierungstreuen, protestantischen St. Goarer Mitbürger verhielten sich ganz anders. Als sogenannte liberale Monarchisten gründeten sie am 20. Januar 1849 einen „Constitutionellen Verein“, der die feste Begründung der constitutionellen Monarchie als Verfassung des Preußischen Staates im innigsten Anschluss an die Deutsche Verfassung erstrebte.
Obwohl Grebel in St. Goar nur eine geringe Zustimmung erhielt, erzielte er im Jahr 1849 bei der Abgeordnetenwahl zur 2. Kammer der Nationalversammlung in Berlin im gesamten Wahlkreis Koblenz ein sehr gutes Ergebnis. Er nahm diese Wahl aber nicht an, sondern entschied sich für das Mandat im Wahlkreis Neuß-Krefeld-Kempen. Die daraufhin notwendige Nachwahl im Wahlkreis Koblenz gewann der aus der Bopparder Mallmann-Linie stammende Joseph Mallmann aus Simmern.
Da die 2. Kammer der Nationalversammlung in Berlin entgegen den Hoffnungen der Regierung eine oppositionelle Mehrheit hatte, wurde sie am 27. April 1849 aufgelöst. Alexander Grebel, für den die Revolution ein Alles oder Nichts bedeutete, zog sich nach deren Scheitern völlig aus der Politik zurück. Er starb am 3. Februar 1870 in St. Goar im Alter von 64 Jahren. In St. Goar ist eine Straße nach ihm benannt.
Quellen / Literatur
- St. Goarer Kreisblatt, Jahrgänge 1848/49 und 1870
- Leopold Ensgraber, in: Hansen-Blatt Nr. 43, August 1990
- Walter Mallmann, in: Hansen-Blatt Nr. 62, Juli 2009
Walter Mallmann, St. Goar
Heft 153 | Stand: 10/2013
