
† 07.06.2008 in Birkenfeld
Vater: Ernst Gillmann
Mutter: Maria, geb. Heckert
Biografie
Ernst Gillmann wurde am 26. Mai 1928 in der Kreuznacher Diakonieanstalt geboren und verlebte sein erstes Lebensjahr in Weiler an der Nahe, wo sein Vater Ernst Gillmann sen. Pfarrer war. 1929 übernahm der Vater die Pfarrstelle in Simmern/Hunsrück. Die Kindheits- und Jugendjahre mit seinen drei Schwestern im Simmerner Pfarrhaus prägten Ernst Gillmann jun. in vielfacher Hinsicht. Er wuchs dort in einer Atmosphäre auf, die durch geistige Offenheit, menschliche Weitherzigkeit und zugleich einen bäuerlich-nüchternen Realitätssinn für die praktischen Dinge des Lebens gekennzeichnet war.
Auch die Geschichte und insbesondere die Kirchengeschichte des Rheinischen Oberlandes war im Hause Gillmann stets gegenwärtig, denn Ernst Gillmann sen. arbeitete führend an dem oberländischen Blatt „Glaube und Heimat“ mit. Den Sohn beeinflusste die enge Vertrautheit des Vaters mit der heimatlichen Kirchengeschichte zutiefst; aber auch mit den aktuellen politischen Fragen kam Ernst Gillmann jun. in seinem Elternhaus sehr direkt in Berührung. Die klare und aufrechte Haltung seines Vaters, der in der NS-Zeit vor Konflikten mit den Machthabern nicht zurückscheute, ließ den jungen Ernst Gillmann schon als Kind den Kirchenkampf im Hunsrück in seiner ganzen Unmittelbarkeit erfahren.
Gegen Kriegsende noch als Luftwaffenhelfer eingesetzt, legte Ernst Gillmann im Jahr 1947 das Abitur ab, um anschließend in Mainz, Erlangen, Göttingen und Bonn evangelische Theologie zu studieren und 1953 das erste theologische Examen abzulegen. Die Vikariatszeit absolvierte er in Duisburg-Hochfeld, Barmen und Neukirchen sowie am Predigerseminar in Elberfeld und war nach dem zweiten theologischen Examen 1956 für kurze Zeit Hilfsprediger in Walsum-Aldenrade. Im Sommer 1956 wurde er in Simmern ordiniert, schloss wenige Wochen später die Ehe mit Elisabeth, geb. Graf, und kehrte 1957 auch beruflich ins Rheinische Oberland zurück, als er die Pfarrstelle im saarländischen Niederlinxweiler übernahm, eine typische Landgemeinde, in der Ernst Gillmann seine Gaben voll zur Entfaltung bringen konnte.
Noch Jahrzehnte nach seinem Weggang von Niederlinxweiler erinnerte man sich dort an seine offene Art, seine volkstümliche Sprache und an sein offenes Ohr für die Alltagssorgen der Menschen in dieser dörflich geprägten Gemeinde. Als Initiator zahlreicher Baumaßnahmen hat er das Erscheinungsbild der evangelischen Gemeinde Niederlinxweiler maßgeblich geprägt. Ab 1966 fungierte er zudem für über sechs Jahre als nebenamtlicher Standortpfarrer für die Garnison St. Wendel. Auch seine vier Kinder kamen in Niederlinxweiler auf die Welt.
1973 wurde Ernst Gillmann Pfarrer in Birkenfeld und fand dort über zwanzig Jahre lang bis zu seiner Pensionierung im Frühjahr 1993 ein reichhaltiges Betätigungsfeld, auf dem ihm seine Frau Elisabeth stets eine zuverlässige und unverzichtbare Stütze war. 1975 wählte ihn die Synode des Kirchenkreises Birkenfeld zum Superintendenten. Neben seinen Amtsverpflichtungen im engeren Sinne gehörte sein Herz vor allem den diakonischen Aufgaben. Er war Begründer der 1975 errichteten Kirchlichen Sozialstation Baumholder/Birkenfeld und behielt das Amt des Vorsitzenden bis ins Jahr 2002 inne.
Nach der Pensionierung 1993 – das Amt des Superintendenten hatte er bereits im Jahr zuvor in jüngere Hände gelegt – engagierte er sich als ehrenamtlicher Archivpfleger des Kirchenkreises Birkenfeld und trat auch durch eigene Forschungen zur Kirchengeschichte des Birkenfelder Landes hervor.
Am 7. Juni 2008, nur wenige Woche nach seinem 80. Geburtstag, verstarb er nach kurzer Krankheit und wurde in der Gemeinde Schmißberg bei Birkenfeld, wo er mit seiner Frau seit seiner Pensionierung gelebt hatte, auf dem Waldfriedhof beigesetzt.
Quellen / Literatur
- Der Nachlass befindet sich in der Archivstelle Boppard des Archivs der Evangelischen Kirche im Rheinland unter der Signatur 7NL 187B.
- Getrostes Wandern. Festgabe für Ernst Gillmann zum 65. Geburtstag, hrsg. vom Evangelischen Kirchenkreis Birkenfeld, Idar-Oberstein 1993.
- Andreas Metzing, In memoriam Ernst Gillmann, in: Monatshefte für Evangelische Kirchengeschichte des Rheinlands (58) 2009, S. 319-321.
Dr. Andreas Metzing, Koblenz
Heft 160 | Stand: 12/2015
