Hassinger, Johann Peter

Johann Peter Hassinger – Gemälde von Matthias Ernst, 1758-1830, gemalt während des Prozesses 1803¸ Gouache
* 10.10.1768 in Albisheim
† 21.11.1803 in Mainz (hingerichtet)
Vater: Johann Peter Hassinger (Hofmann)
Mutter: Maria Magdalena, geb. Rodenhauser (auch Rothenhauser)

Biografie

Von allen Kumpanen des „Schinderhannes“ war Johann Peter Hassinger der Einzige, der in der Arrondissement-Hauptstadt Simmern verhaftet werden konnte.

Geboren wurde Peter Hassinger 1768 als drittes von sechs Kindern des gleichnamigen Vaters und der Maria Magdalena, geb. Rodenhauser, in Albisheim an der Pfrim, wo die weitverzweigte Familie schon seit zwei Generationen ansässig war. Als der Vater Pächter des Hofes Iben (Fürfeld) wurde, zogen Johann Peter und sein jüngerer Bruder Johann Philipp mit ihm dorthin. Hof Iben gehörte dem Freiherrn von Schmittburg, in französischer Zeit kurz „Bürger Schmittburg“ genannt. Johann Peter Hassinger lernte Catharina Kloninger, Tochter des Müllers Georg Kloninger, auf Hof Iben kennen, heiratete sie und zog zu ihrer Familie in die Mühle. Die beiden hatten mindestens zwei Kinder.

Hof Iben war auch der Familie Bückler sehr vertraut. Hier nahm sie zwischen 1793 und 1795 zweimal ihren Wohnsitz. Bei dieser Gelegenheit wird der junge „Schinderhannes“ mit den Hassingerbrüdern bekannt geworden sein. Hof Iben war äußerst günstig gelegen auf dem Weg vom Hunsrück zum Rhein, so dass „Schinderhannes“ hier später oft eine Zwischenstation einlegte oder seine Kumpane vor Raubzügen versammelte.

Zu Ostern 1802 hatte Peter Hassinger seinen Wohnsitz als Mehlhändler nach Simmern verlegt. Am 19. Juni 1802 erließ der Mainzer Geschworenendirektor Umbscheiden eine Vorladung für Peter Hassinger, am 21. Juni wurde er vom Simmerner Gerichtsdiener Ritz verhaftet. Zwei Tage später beauftragte der Leutnant der Nationalgendarmerie Maret den Brigadier Flamant, Peter Hassinger an das Spezialgericht in Mainz zu überstellen. Da Peter Hassinger vorgab, durch Krankheit nicht selbst reiten oder gehen zu können, ordnete der Regierungskommissar beim Korrektionsgericht in Simmern, Bürger Reichensperger, am gleichen Tag an, Hassinger solle mit einem Wagen nach Mainz gebracht werden.

Wie sich herausstellte, hatte Peter Hassinger an mehreren Verbrechen der Schinderhannesbande gesichert teilgenommen: am versuchten räuberischen Einbruch in Horrweiler kurz vor dem 31. Oktober 1801, an den räuberischen Einbrüchen in Erbes-Büdesheim am 31. Oktober 1801, in Obermoschel am 13. November 1801 und in Waldgrehweiler am 11./12. Februar 1802 und am Einbruchdiebstahl beim Holzhauer Johann Schaus im Soonwald. Zweimal, in Horrweiler und in Obermoschel, war auch der Bruder Philipp dabei gewesen. Dies gestand Peter Hassinger in den Verhören am 2. Juli 1802, 3. August 1802, 9. August 1802, 19. August 1802, 19. Oktober 1802 und 8. Mai 1803 freimütig. Dass er seinen Wohnsitz in Simmern nur genommen hatte, um dort den Simmerner Einnehmer auf dem Weg nach Koblenz zu überfallen, stritt er allerdings vehement ab.

Nach der geltenden Rechtslage musste ihn das Mainzer Spezialgericht am Ende des Schinderhannesprozesses am 20. November 1803 zum Tode verurteilen. Einen Tag später wurde er mit weiteren 19 Personen in Mainz durch die Guillotine hingerichtet.

Sein Bruder Johann Philipp Hassinger (* Albisheim 26.06.1767) konnte rechtzeitig untertauchen und blieb unauffindbar. Sehr wahrscheinlich konnte er sich unerkannt in die USA absetzen. Möglicherweise ist er mit Johann Philipp Hassinger identisch, der am 12. Oktober 1811 in Philadelphia Maria Catharina Deckel heiratete und in Fox Chapel, Allegheny County/Pennsylvania, am 31. März 1816 starb. Auch der Sohn Johann Peter (* Hof Iben 07.03.1796) wanderte mit seiner Frau Maria Sara, geb. Dörr, und sechs Kindern 1840 in die USA aus und starb in New Orleans/Louisiana am 5. Juni 1856.

Quellen / Literatur

  • Mark Scheibe, Schinderhannes, 5. Auflage, Kelkheim 2010.
  • Detlef Uhrig, Die Familien Albisheims 1641-1900, ihre Genealogie und Geschichte, Band I: Abel-Janson, 2009.
  • Peter Bayerlein, Schinderhannes-Ortslexikon, Mainz 2003, S. 103-105.
  • Udo Fleck, Die Mainzer Voruntersuchungsakten gegen die Schinderhannesbande, Trier 2003, S. 813-826.
  • Einträge zu Philipp Hassinger und Johann Peter Hassinger bei www.ancestry.de (Zugriff am 1. Juni 2025).

Dr. Achim R. Baumgarten, Simmern
Heft 189 | Stand: 6/2025