
† 04.07.2022 in São Paulo/Brasilien
Vater: Adão Hummes (Landwirt)
Mutter: Maria, geb. Frank
Biografie
Bei seiner Taufe erhielt das vierte Kind von insgesamt 13 und zweite Sohn von Adão und Maria Hummes die Vornamen Auri Afonso, der Vorname Claudio ist sein späterer Ordensname. Die genealogische Klammer zwischen Rio Grande do Sul und dem Hunsrück stifteten Johann Joseph Hummes sen. und jun., der Urur- bzw. Urgroßvater von Claudio Kardinal Hummes. Hummes jun. wurde am 18. April 1838 in Buch geboren und blieb einziges Kind seiner Eltern Johann Joseph Hummes sen. (geb. 1812 in Buch, Todesdatum unbekannt) und Anna Maria, geb. Schmitz (geb. 1813 in Buch, Todesdatum unbekannt), mit denen er 1857 über Bremen nach Rio Grande do Sul auswanderte. 1858 heiratete Joh. Jos. Hummes jun. (gest. 1898) die 1835 bereits in Südbrasilien (Baumschneis, port. Dois Irmãos) geborene Angela (Helena) Lehnen (1835-1926), mit der er fünf Kinder hatte. Über den Sohn João Hummes (1866-1922) und den Enkel Adão Hummes (1909-2003) führt die männliche Abstammungsfolge zum Urenkel Auri Afonso bzw. Claudio Hummes.
Seine achtjährige gymnasiale Schullaufbahn absolvierte Hummes im Franziskanerkolleg von Taquari, RS. Nach seinem Abschluss trat er als Novize in das Franziskanerkloster von Imigrante, RS, ein, wo er zur Vorbereitung auf das Theologiestudium ab 1952 Philosophie studierte und den Ordensnamen Claudio annahm. Für das Theologiestudium verließ Hummes das heimatliche Rio Grande do Sul und siedelte in den zentralbrasilianischen Bundesstaat Minas Gerais über. 1958 wurde er in Divinopolis zum Priester geweiht.
Der weitere Verlauf der kirchlichen Karriere des Claudio Hummes folgte einem bekannten Muster: Wer als junger Kleriker zum Weiterstudium nach Rom geschickt wird, dem werden höhere kirchliche Ämter und/oder eine wissenschaftliche Laufbahn zugetraut. Hummes besuchte seit 1959 die römische Ordenshochschule der Franziskaner, die Päpstliche Universität Antonianum, und wurde 1962 in Philosophie promoviert. Nach mehreren Zwischenstationen wurde er 1975 Bischof von Santo André (Bundesstaat São Paulo), 1996 Erzbischof von Fortaleza, der Hauptstadt des Bundesstaates Ceará im Nordosten Brasiliens, und 1998 Erzbischof von São Paulo. 2001 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. (1978-2005) zum Kardinal. Papst Benedikt XVI. (2005-2013) holte ihn nach Rom und machte ihn zum Präfekten der Kongregation für den Klerus. 2010 legte Claudio Hummes dieses Amt nieder und kehrte nach Brasilien zurück.
Dort wandte sich Kardinal Hummes wieder einem seiner Lebensthemen zu: Glaubensverkündigung und Seelsorge unter der Bevölkerung Amazoniens. Dabei sollen die überkommenen religiösen Vorstellungen der einheimischen Völker nicht unterdrückt, sondern für die christliche Botschaft nutzbar gemacht werden. Weiter werden die Armen auch als Opfer der Wirtschaftsordnung wahrgenommen, für die die Kirche und damit jeder Christ, der dazu in der Lage ist, aufgrund des Evangeliums eine Fürsorgepflicht habe. Probleme der Armenfürsorge und der Volksfrömmigkeit machte sich auch immer wieder Papst Franziskus (seit 2013) zu eigen. Er vertraute Kardinal Hummes die Leitung der bischöflichen Amazonas-Kommission und des Amazonas-Netzwerkes an, deren Vorschläge 2019 in der Amazonassynode zusammengeführt wurden. Ihre in Teilen unkonventionellen Mehrheitsbeschlüsse wurden aber vom Papst nicht approbiert. Kardinal Hummes übergab 2021 den Vorsitz des Amazonas-Netzes REPAM an seinen Nachfolger; Präsident der kirchlichen Amazonaskonferenz CEAMA blieb er bis zu seinem Tode.
Claudio Kardinal Hummes hat 2002 und 2012 den Herkunftsort seiner Vorfahren besucht. Er starb am 4. Juli 2022 in São Paulo und wurde in der Krypta der während seiner Amtszeit wiederhergestellten Kathedralkirche (Catedral da Sé) beigesetzt.
Quellen / Literatur
- Hans Werner Nikolay, Die Auswanderer aus Buch und Mörz, in: Buch und Mörz. Aus der Geschichte zweier Nachbardörfer, Buch 2002, S. 161-170, hier S. 164.
- Bodo Bost, Bis ins hohe Alter Chef der Amazonas-Synode: Der Hunsrücker Kardinal Claudio Hummes, in: Rhein-Hunsrück-Kalender 79, 2023, S. 137-146.
- Schriftliche und mündliche Ergänzungen von H. W. Nikolay, Solange Hamester Johann und Ulrich Jakobs.
Rudi Zimmer, Buch
Heft 184 | Stand: 5/2024
