Koch, Hermann Joseph

Unterschriften Hermann Joseph Kochs
* 29.06.1777 in Koblenz
† 26.09.1835 in Ohlweiler
Vater: Jacob Koch
Mutter: Justina, geb. Treis

Biografie

Hermann Joseph Koch, in Koblenz geboren am 29. Juni 1777, war verheiratet mit Charlotte Schneider. Vor seiner Ernennung zum Maire der Mairie Gemünden zu Beginn des Jahres 1808 war er zuletzt Empfänger der Wohltätigkeitskommission im Kanton St. Goar. Gemünden war als schwierige Bürgermeisterei mit aufsässigen Bürgern bekannt, in der auch Streit zwischen den Konfessionen tobte. Nicht zuletzt auf Druck des Gemündener Barons wurde Koch im Zuge des zweiten planmäßigen Mairewechsels Anfang 1813 nach Kirchberg versetzt. Präfekt Doazon bescheinigte ihm persönliche Integrität und Diensteifer. Diese Ernennung zum Maire des Kantonshauptortes Kirchberg durfte durchaus als Rangerhöhung angesehen werden.

Zur Aufbesserung der französischen Staatsfinanzen wurden im März 1813 die Gemeindegüter zu Staatsbesitz erklärt, die dann versteigert werden sollten. Kochs Widerstand und Verzögerungstaktik ist es zu verdanken, dass das Kirchberger Rathaus – „Maison commune de Kirchberg“ bzw. “Hôtel de ville“ – nicht versteigert wurde. Koch übertrieb in seinen Schreiben den schlechten Zustand des Rathauses, um eine Versteigerung sinnlos erscheinen zu lassen. Er schrieb am 11. Mai 1813: „La Maison commune de Kirchberg se trouve dans un tres mauvais état, elle necessite des grands réparations“. Nach Ende der französischen Herrschaft wurde aus dem Maire der Bürgermeister Koch. Nach der „Verordnung wegen Einführung deutscher Amts-Titel“ vom 13. Januar 1814 durften sich die früheren Maires in den ehemaligen Kantonshauptorten sogar als Oberbürgermeister bezeichnen.

Bei der Neuordnung der Bürgermeistereien Anfang März 1817 konnte Koch wieder nach Gemünden zurückkehren. Landrat Schmidt schrieb am 16. Januar 1817:

„Vorschläge; für die Bürgermeisterey Gemünden den jetzigen Bürgermeister Koch von Kirchberg. Dieser Beamte war früher Maire in Gemünden und hat sich dort das Vertrauen der Einwohner erworben. Er ist ein thätiger, rechtlicher und fähiger Beamter, der aber in Kirchberg, einem ganz verwilderten Städtchen, da er sich das Vertrauen der Einwohner nicht gewinnen konnte, nicht auf seinem Posten ist, und daher daselbst nicht wirken kann“.

Wiederum auf Vorschlag von Landrat Schmidt wurde Koch schließlich zum Bürgermeister der Bürgermeisterei Ohlweiler ernannt und am 7. Juni 1821 in sein Amt eingeführt. Er wohnte zunächst in Simmern. Hermann Joseph Koch starb am 26. September 1835, bereits verwitwet, in Ohlweiler, wo er zur Miete wohnte; seine Amtsstube war auch angemietet. Noch am Sterbetag schrieb Landrat Schmidt bezüglich der Neubesetzung der Stelle an die Königliche Regierung nach Koblenz. Die ersten Zeilen dieses Schreibens machen die wirtschaftliche Not vieler Bürgermeister und ihrer Gemeinden zur damaligen Zeit deutlich:

„Endlich hat es dem lieben Gott gefallen, den Bürgermeister Koch von Ohlweiler aus dieser Welt abzurufen. Derselbe ist in der verflossenen Nacht gestorben, und dadurch ihm, der schon länger als 5 Jahre immer krank war, und seine Geschäfte nur sehr lau und oberflächlich betreiben konnte, so wie der Bürgermeisterey und den ihm vorgesetzten Verwaltungsbehörden eine große Wohlthat zu Theil geworden. Der Mann war ohne Vermögen; sein Gehalt so gering, daß er kaum davon leben konnte und die meisten Gemeinden seiner Bürgermeisterey sind so arm, so daß an eine Besoldungszulage zur nothdürftigsten Pensionierung nicht zu denken war, und darum mußte man Geduld und Nachsicht mit der unregelmäßigen Geschäftsführung haben“.

Quellen / Literatur

  • Hans Dunger, Die Kirchberger Bürgermeister seit 1800, Kirchberg 2009 (Band 11 der Schriftenreihe zur Geschichte der Stadt Kirchberg), S. 84-89.
  • Jürgen König, Verwaltungsbeamte im Kanton Kirchberg zu Beginn des 19. Jahrhunderts, Kirchberg 1997, S. 34-37.

Dr. Hans Dunger, Kirchberg
Heft 153 | Stand: 10/2013