Knebel, Hajo

Hajo Knebel
* 19.07.1929 in Bunzlau/Niederschlesien
† 28.01.2006 in Simmern
Vater: Rudolf Knebel (Töpfer)
Mutter: Helinde, geb. Hentschel

Biografie

Hajo Knebel wurde im Juli 1929 als einziges Kind der Eheleute Rudolf und Helinde Knebel, geb. Hentschel, in Bunzlau am Bober geboren. 1935 begann er die Schulzeit in der Martin-Opitz-Schule, siedelte aber im Alter von neun Jahren 1938 nach Martinwaldau zum Großvater über. Nach dem Ende der Schulzeit besuchte er die Lehrerbildungsanstalten in Heideanger, Obernigk und Breslau. 1944 wurde er zum „Unternehmen Barthold“ (Bau von Verteidigungslinien im Großraum Breslau) eingeteilt; nach der Flucht der Schule im Januar 1945 hatte er verschiedene Einsätze mit dem Volkssturm an der Ostfront. Im April 1945 als Offiziersanwärter zur Offiziersschule Lenggries eingezogen, kam er kurz danach als Panzergrenadier zum Regiment „Großdeutschland“, Kampfgruppe Buchner, die am 8. Mai 1945 in Hof bei Brixen kapitulierte. Aus der amerikanischen Gefangenschaft wurde er im Juli 1945 in die Eifel entlassen.

Im Hunsrück fand er eine neue Heimat. Knebel verdingte sich als Landwirtschaftsgehilfe und Trümmerarbeiter und konnte ab Herbst 1945 die Schule in Mayen besuchen, ab Dezember 1946 das Pädagogikum Bergnassau und ab 1947 die Pädagogische Akademie Bad Neuenahr. 1949 bestand er die Erste Lehrerprüfung mit Auszeichnung und übernahm die Ev. Volksschule in Heyweiler. Noch im selben Jahr heiratete er Martha Jakoby aus Simmern; zwei Kinder kamen zur Welt, Arno (1958) und Anke (1963). Nach der Zweiten Lehrerprüfung 1953 wurde Knebel endgültig im Schuldienst angestellt. Bis 1967 war er Lehrer in Heyweiler, dann wechselte er als Oberlehrer nach Simmern, wo er bis zu seiner Pensionierung im November 1989 blieb.

Schon früh hatte Knebel mit der Schriftstellerei begonnen (erste literarische Arbeiten in der „Schanzerzeitung“, dann im „Rheinischen Merkur“, im „Mittelrheinkurier“ und in verschiedenen Jugendzeitschriften), war mehrfach ausgezeichnet und ermuntert worden. Sein Schicksal hatte ihn allergisch gemacht gegen die Phraseologie der Zeit, gegen Ehre, Fahne, Heldentum, nationale Würde und christliches Vaterland. Dagegen zeigte er sich beeindruckt von den Werken von Anna Seghers, Theodor Plivier, Hermann Hesse, Rainer Maria Rilke, Günter Grass, Arno Surminski, August Scholtis und Hans Scholz. Regelmäßig schrieb er in vielen Zeitschriften, darunter die „Hunsrücker Heimatblätter“, versch. Kreisjahrbücher und „Heimat zwischen Hunsrück und Eifel“, vor allem zu Themen der Zeitgeschichte. Von 1964 bis 2000 war er Schriftleiter der evangelischen Sonntagszeitung „Glaube und Heimat“, die er maßgeblich geprägt hat. Von 1972 bis 1999 war er berufenes Mitglied der Kreissynode Simmern-Trarbach.

Ein Riesenerfolg wurden seine Romane „Jahrgang 1929“ (1962), in dem er das Schicksal einer Schulklasse 1943 bis 1945 beschreibt, und „Martinswaldau“ (1969). Er schrieb Hör- und Fernsehspiele, Filmtexte, Schulbuchbeiträge, war unermüdlicher Herausgeber, Redakteur und Förderer. Seit 1956 war er Vorstandsmitglied im (Schutz)Verband Deutscher Schriftsteller Rheinland-Pfalz, 1963 bis 1983 dessen Vorsitzender, und Mitglied mehrerer schriftstellerischer Vereinigungen, darunter seit 1972 der Internationalen Autorenvereinigung „Die Kogge“. Nach 1983 zeitweise Fachgruppenleiter für Literatur in Rheinland-Pfalz, war er auch Mitbegründer der Autorengruppe Hunsrück und Vorstandsmitglied des Hunsrücker Geschichtsvereins, den er 1958 wieder mit ins Leben gerufen hatte. Wegen seines unermüdlichen Schaffens im Dienste der Lokalgeschichte ernannte ihn der Geschichtsverein 2001 zum Ehrenmitglied.

1969/70 war Hajo Knebel Mitglied des Stadtrates der Stadt Simmern. Seine Arbeit wurde mit vielfachen Preisen ausgezeichnet: 1963 erhielt er den Förderpreis Rheinland-Pfalz, 1965 ein Auslandsreisestipendium, 1970 den Förderpreis zum Schlesischen Kulturpreis, 1979 das Bundesverdienstkreuz, 1988 die Ehrennadel und den Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz sowie den Rheinlandtaler, 1989 den Großen Preis von Europa „La Musa dell’Arte“.

Quellen / Literatur

  • Alfons Friderichs, „In memoriam“ Hajo Knebel, in: Heimat zwischen Hunsrück und Eifel, Nr. 1/2007.
  • Carl Heinz Kurz, Poetenbilder, u.a. Hajo Knebel, Frankfurt 1977, S. 37-55.
  • A. Wechter, Der Schriftsteller Hajo Knebel, in: Karl Georg Böhmer (Hg.), Biochronik (nur ein Band erschienen), Simmern 1966, S. 30-32.
  • In Sachen Literatur. Beiträge aus Rheinland-Pfalz. Hajo Knebel zu Ehren, hg. vom Verband deutscher Schriftsteller Rheinland-Pfalz, Mainz 1979.
  • Gustav Schellack, Hajo Knebel 60 Jahre, in: Hunsrücker Heimatblätter 78 (1989), S. 345-347.
  • Fritz Schellack, In memoriam Hajo Knebel, in: Hunsrücker Heimatblätter 129 (2006), S. 466.
  • Rheinland-Pfälzische Personendatenbank (Knebel, Hajo).
  • Diverse Todesanzeigen und Nachrufe.

Dr. Achim R. Baumgarten, Simmern
Heft 179 | Stand: 9/2021