
† 20.02.1953 in Hermeskeil
Vater: Johann Kaster (Ackerer)
Mutter: Margaretha, geb. Wagner
Biografie
Einen wahren Rückhalt hatte die katholische Kirchengemeinde Boppard in den schweren Jahren des sog. „Dritten Reiches“ in ihrem örtlichen Oberhirten, Dechant Dr. Dr. Johannes Kaster.
Seiner Priesterweihe am 31. März 1906 im Hohen Dom zu Trier folgte zunächst eine vierjährige Kaplanzeit in Neunkirchen, der sich eine bischöfliche Dienstbefreiung zwecks Aufnahme des Studiums der Theologie und Philosophie anschloss. Mit gutem Ergebnis promovierte er in beiden Fächern an den Universitäten Freiburg und Berlin. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges diente Johannes Kaster im Jahre 1915 als Feldgeistlicher bei der 43. Reserve-Infanteriedivision, ab 1916 bis Kriegsende verrichtete er seinen Dienst als Divisionspfarrer der 199. Infanteriedivision.
Nach Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft erhielt er seine erste Pfarrstelle im saarländischen Altenkessel, von welcher er am 18. Mai 1929 zur Übernahme der Pfarrei Boppard wechselte. Seiner Bestellung zum Definitor (Vertreter des Dechanten) im August 1929 folgte am 5. März 1936 die Bestellung zum Dechanten des Dekanats St. Goar.
Den „neuen braunen Machthabern“ galt er als einer der hartnäckigsten örtlichen Gegner, der ihnen offensichtlich geistig weit überlegen war und dem deshalb nicht ohne Weiteres beizukommen war. Entscheidend dafür, dass es im Gegensatz zu der hoheitlichen Vorgehensweise bei vielen anderen in kirchlicher Verantwortung stehenden Würdenträgern nicht zu einer Verhaftung mit anschließender Unterbringung im Arbeits- oder Konzentrationslager kam, dürfte nach Berichten von Zeitzeugen wohl insbesondere der mit seiner außerordentlichen Beliebtheit begründete große Rückhalt in der Bopparder Bevölkerung gewesen sein.
Das Versteck, wo er in Zeiten des Nationalsozialismus die von ihm persönlich in diesen Jahren geführte Bopparder Pfarrchronik vor dem Zugriff der Machthaber aufbewahrte, wurde nie bekannt. Wiederholt anberaumte Hausdurchsuchungen der NSDAP blieben ergebnislos. Erst nach Ende des Zweiten Weltkrieges kamen inhaltliche Details der wieder zugänglichen Pfarrchronik an die Öffentlichkeit, und damit wurden erstmals auch eine Reihe konkreter Repressalien und Schikanen, welchen die seinerzeitigen Kirchenvertreter bereits in den Vorkriegsjahren 1933-39 ausgesetzt waren, bekannt.
Ein schwerer Schlaganfall, von dem er sich zeitlebens nicht mehr erholen sollte, zwang ihn zur Dienstaufgabe zum 31. Mai 1951. Seinen allzu kurzen Ruhestand verlebte er fortan im Bopparder Alumnat. Am 20. Februar 1953 schloss er in Hermeskeil seine Augen für immer. Im 72. Lebensjahr und im 47. Dienstjahr stehend, erhielt das auf dem Bopparder Stadtfriedhof Am Eisenberg neu angelegte Priestergrab mit dem aufrechten Kirchenmann seine Erstbelegung.
Quellen / Literatur
- Sterbezettel von Johannes Kaster.
- Freundliche Mitteilung des Standesamts Emmelshausen.
- Unterlagen von Jürgen Johann, Boppard.
Jürgen Johann, Boppard
Heft 157 | Stand: 1/2015
