
† 26.06.2002 in Simmern
Vater: Joseph Keller (Musiker)
Mutter: Gerda Keller-Müllmerstaedt (Musikerin)
Biografie
Dem zweiten Sohn des Musikerehepaars Joseph Keller und Gerda Keller-Müllmerstaedt wurde die Liebe zur Musik schon in die Wiege gelegt. Da seine Eltern einen besonderen Schwerpunkt auf die musikalische Ausbildung ihrer Kinder legten, bestimmte Musik von Klein auf ihr Leben. Seit dem achten Lebensjahr erhielt Othmar von seiner Mutter Geigenunterricht. Mit seinen Geschwistern Lothar (* 1950) und Melitta (* 1955) bildete er schon früh das „Keller-Trio“, das schnell einen hohen Bekanntheitsgrad erlangte. Zusammen mit Wolfgang Anlauf errang man als Jugendquartett, aber auch alleine zahlreiche Auszeichnungen und Preise.
Schon mit zehn Jahren erhielt das Quartett Wolfgang Anlauf und Lothar, Othmar und Melitta Keller bei „Jugend musiziert“ 1964 beim Lokalwettbewerb in Koblenz und beim Landeswettbewerb in Mainz den ersten Preis, beim Bundeswettbewerb in Berlin erhielt es den Förderungspreis und spielte beim Abschlusswettbewerb der Preisträger. Im Juni 1966 wurde dem Trio die Förderprämie der „Deutschen Stiftung Musikleben“ (600 DM) zugesprochen. Im gleichen Jahr wurden beim Lokalwettbewerb in Koblenz alle vier ersten Preise (Melitta – Violine, Othmar – Viola, Lothar – Cello sowie gemeinsam als Streichtrio) errungen, ebenso beim Landeswettbewerb in Mainz. Beim Bundeswettbewerb in Bremen errangen die Geschwister den ersten Preis als Streichtrio (Violine, Viola, Violincello) und erhielten den Sonderpreis des Deutschen Musikrates, Othmar und Melitta erhielten im Einzelwettbewerb Viola und Violine die zweiten Preise.
Im gleichen Jahr trat das Trio im Juli beim Kammermusikabend in Koblenz auf und gestaltete später die Eröffnung des Simmerner Schlosses nach dem Umbau mit, wofür es ein besonderes Lob des Ministerpräsidenten Altmeier erhielt. Im November 1966 trat man bei der 9. Generalversammlung des Deutschen Musikrates in Essen auf. Im Frühjahr 1967 erhielt das Trio beim Auftritt in Montabaur den Musikpreis „Burg Tabor“. Im Schloss in Simmern wurde ein Jugendkonzert gegeben und am 15. Oktober 1967 spielte man bei der Feier des Hunsrücker Volksbildungswerks aus Anlass des 100. Todestages von W.O. von Horn, wieder im Simmerner Schloss.
Der frühe Tod der Mutter am 14. September 1967 überschattete zwangsläufig den weiteren Werdegang; allerdings wurden die gemeinsamen Auftritte zunächst nicht seltener. Es seien nur einige herausragende genannt: Der erneute Bundessieg bei „Jugend musiziert“ in Erlangen 1968 (es war der 2. Preis; der 1. Preis wurde nicht vergeben), verbunden mit einem Stipendium zum Musikstudium, ein gemeinsamer Kurs 1969 in Schweden, Konzerte im Simmerner Schloss im April und Dezember 1971, das Erringen des ersten Preises beim internationalen Kammermusikwettbewerb in Colmar 1972, ein Konzert im Offenbacher Ledermuseum (12. Kammermusikabend) im Jahre 1973, wo man auch dem Frankfurter Talentsucher Prof. Günter Weigmann begegnete, und dazwischen immer wieder Auftritte in Simmern, die beste Kritiken einbrachten.
Am Pfingstsamstag 1976 fand auf Burg Rheinfels das letzte gemeinsame Konzert der Geschwister Keller statt. Melitta setzte ihre Ausbildung nun in den USA fort, die Wege trennten sich, allerdings hatten Othmar und Lothar noch einmal gemeinsame glanzvolle Auftritte, etwa beim Herbstkonzert 1976 der Rheinischen Philharmonie in der Hunsrückhalle. Nach dem Tod der Mutter hatte Othmar Keller als Stipendiat des Deutschen Musikrates die Musikhochschule Saarbrücken besucht. Von 1971 bis 1976 studierte er, der unter Herbert von Karajan im internationalen Jugendorchester gespielt und Preise bei Musikwettbewerben in Colmar, Aix-en-Provence, Stockholm, Sion u.a. gewonnen hatte, an der Frankfurter Musikhochschule, wo er die Hauptfachprüfung für Viola mit Auszeichnung bestand.
Die musikalische Arbeit mit Kindern wurde fortan zu seiner Lebensaufgabe. Mit seinem Vater Joseph war er maßgeblich am Aufbau der Kreismusikschule beteiligt, deren erster hauptamtlicher Lehrer für Violine und Viola er seit 1979 war. Er begründete das Kammerorchester, die Big-Band und das Moderne Blasorchester mit, leitete diese und war auch sonst eine Leitfigur der gesamten Schule. In allem zeigte er ein großes Engagement, brachte neue Ideen ein, war hilfsbereit und voller Humor. Thomas Torkler schrieb: „Wer sein Trompeten- und Geigenspiel erlebt hat, konnte seine Liebe zur Musik spüren.“ Unzählige Konzerte und musikalische Begleitungen gestaltete er mit.
Als Othmar Keller am 26. Juni 2002 nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von nur 48 Jahren verstarb, herrschte bei der Musikschule, seinen Freunden und Bekannten ungläubige Betroffenheit. Er hinterlies seine Ehefrau Monika, geb. Kleinz, und zwei Töchter.
Quellen / Literatur
- Thomas Torkler, Othmar Keller †. Musiklehrer starb nach schwerer Krankheit, in: Rhein-Hunsrück-Zeitung vom 28. Juni 2002, S. 15.
- Wolfgang Heinemann, Aus Simmerns klassischer Musikszene während der vergangenen fünfzig Jahre, in: Jahresbericht 2009/10 des Herzog-Johann-Gymnasiums Simmern, S. 136-140.
- Familienunterlagen und freundliche Mitteilungen von Lothar Keller, Altweidelbach.
Dr. Achim R. Baumgarten, Simmern
Heft 173 | Stand: 1/2020
