Keller-Müllmerstaedt, „Gerda“ (eigentl. Maria Gerta)

„Gerda“ (eigentl. Maria Gerta) Keller-Müllmerstaedt
* 25.12.1921 in Köln
† 14.09.1967 in Simmern
Vater: Heinrich Müllmerstaedt (Automobilzubehör)
Mutter: Maria, geb. Schneider

Biografie

Maria Gerta Müllmerstaedt (später stets „Gerda“ genannt) wurde am ersten Weihnachtstag 1921 als einziges Kind des mittelständischen Automobilzubehörhändlers Heinrich Müllmerstaedt und seiner Frau Maria, geb. Schneider, in Köln geboren. Schon in früher Jugend erkannte man ihr musikalisches Talent, das sie nach dem Abitur als Studentin an die Staatliche Hochschule für Musik in Köln führte. Dort besuchte sie die Klasse von Prof. Hermann Zitzmann, wo sie mit Günter Kehr (späterer Leiter des Mainzer Bachchores) und Willy van den Berg zusammentraf und sehr gute Kritiken erhielt. Mit dem Kölner Kammerorchester unter Erich Kraack (1898-1975; er schrieb an Zitzmann: Ich habe „mich für Ihr reizendes, tizianrotes Mädchen entschieden…“) spielte sie u.a. im Palazzo Pitti in Florenz, wo die Kritiken vor allem ihre „Leichtigkeit“ und den „schönen Ton“ ihres Geigenspiels hervorhoben (November 1941). Die Leidenschaft für die Musik führte sie schließlich mit dem Musiker Josef Keller (1916-1988) zusammen, den sie am 28. Dezember 1943 in Köln-Sülz heiratete. In dieser Zeit wurde ihr von allen Kritikern eine große Karriere als Geigerin vorausgesagt (Adalbert Lindner: „Stern des Abends war Gerda Keller“).

Der Krieg sollte diese Karriere unterbrechen und weitgehend verhindern. Nachdem die Kölner Wohnung durch die Kriegsereignisse Schaden genommen hatte, entschloss sich das Ehepaar Keller, ihren Wohnsitz nach Altweidelbach/Hunsrück zu verlagern, wohin Josef Keller freundschaftliche Verbindungen hatte. Zusammen mit der Mutter und den Schwiegereltern zog man dort in ein selbst erbautes Haus ein. Hier wurden auch die drei Kinder der Familie geboren: Lothar (*1950), Ottmar (*1954) und Melitta (*1955).

Gerda Keller, deren Lebensinhalt und Erfüllung die Musik war, gründete mit ihrem Mann den „Kammermusikkreis Simmern“ und trat mit ihm ab 1946 (1. Konzert am 14. Oktober 1946), oft als Koblenzer oder Kölner Geigerin angekündigt, vielfach im engeren und weiteren Umkreis auf; um nur wenige Orte zu nennen: Kaiserhalle Simmern, Koblenzer und Trierer Stadttheater, Regensburg, Buer, Bonn, Hauskonzerte, z.T. mit dem Kammer-Orchester Dr. Karl Otto Schauerte, Morbach, Bernkastel, Treis, Bad Bertrich, St. Wendel, Reichsburg Cochem, Marksburg, Schloss Montabaur, Pfalz bei Kaub, Boppard usw. usw. Viele Konzerte wurden im zweiten Hörfunkprogramm des Südwestfunks ausgestrahlt. Ein besonderes Augenmerk legte Gerda Keller auf die Förderung der Jugend („Jugend musiziert“) und auch auf die musikalische Ausbildung der eigenen Kinder, die bald als das „Keller-Trio“ weithin bekannt wurden. Als freiberufliche Musiklehrerin gab sie ab 1949 vielen Schülern privaten Unterricht und unterrichtete seit April 1954 auch am Gymnasium in Simmern.

Am 21. November 1966 konnte man die Geigenvirtuosin Gerda Keller zum letzten Mal bei einem Konzert erleben. Eine schwere Krankheit verhinderte weitere Auftritte. Sie starb 45-jährig am 14. September 1967 und wurde am 18. September in Altweidelbach beerdigt. Am 30. September 1967 fand unter der Leitung von OStR Walter Draht (1912-1992) eine ergreifende Gedenkstunde in der Aula des Herzog-Johann-Gymnasiums statt.

Quellen / Literatur

  • Achim Baumgarten, 1000 Jahre Altweidelbach 1006-2006, unter Mitarbeit von Doris Wesner, Altweidelbach 2006, S. 752-759.
  • Wolfgang Heinemann, Aus Simmerns klassischer Musikszene während der vergangenen fünfzig Jahre, in: Jahresbericht 2009/10 des Herzog-Johann-Gymnasiums Simmern, S. 133-135.
  • Beurkundungen im Standesamt Simmern.
  • Familienunterlagen und freundliche Mitteilungen von Lothar Keller, Altweidelbach.

Dr. Achim R. Baumgarten, Simmern
Heft 172 | Stand: 10/2019