
† 25.03.1978 in Buchholz i. d. Nordheide
Vater: Hermann Alsdorf (Pfarrer)
Mutter: Emilie, geb. Chelius
Biografie
Ludwig Alsdorf wurde 1904 in Laufersweiler geboren, wo sein Vater von 1900 bis 1911 die Pfarrstelle versah. 1911 übernahm der Vater die Pfarrstelle in Scheidt in der Nähe seines Heimatortes Oberdreis und die Familie verließ den Hunsrück.
Ludwig Alsdorf besuchte das Humanistische Ludwigs-Gymnasium in Saarbrücken, wo er 1922 das Abitur ablegte. Es folgte das Studium der Indologie, komparativen Linguistik, des Persischen und des Arabischen an den Universitäten in Heidelberg (u.a. bei Heinrich Zimmer), Hamburg und Berlin. 1928 wurde er in Hamburg mit dem Thema „Der Kumarapalapratibodha. Ein Beitrag zur Kenntnis des Apabhramsa und der Erzählliteratur der Jainas“ promoviert.
In den folgenden Jahrzehnten wurde Ludwig Alsdorf zu einer Autorität auf dem Gebiet des Jainismus, einer Religion, die den Sieg durch Gewaltlosigkeit lehrt. Von 1930 bis 1932 war er Lektor an der britisch-indischen Universität Allahabad. Am 1. August 1933 trat Alsdorf in die NSDAP, am 1. Dezember 1936 in das NSKK ein (letzter Rang: Scharführer). Am 22. Dezember 1934 heiratete er Alma geb. Achilles; das Paar hatte drei Kinder: Anna Margarethe („Annegret“, 1937), Hermann (1939) und Helmut (1942).
1935 habilitierte Alsdorf an der Universität Berlin und wurde am 9. Juni 1935 dort Dozent. Am 1. Oktober 1938 wechselte er zur Universität Münster, wo er bis zu seinem kurzen Militärdienst vom 4. April bis 31. Juli 1941 blieb; dieser war aber nur formaler Art.
Schon am 19. Mai 1941 erhielt er einen Dienstvertrag als Wissenschaftlicher Hilfsarbeiter im neu gegründeten Sonderreferat Indien des Auswärtigen Amtes. Ziel des Referates war die Unterstützung von Subhas Chandra Bose im Aufbau der „Zentrale Freies Indien“, der auf deutscher Seite kämpfenden „Indischen Legion“ und des Aufstandes der Inder gegen die Briten. Unter dem Pseudonym „Botho Ludwig“ verfasste Alsdorf die gegen England gerichtete Propagandaschrift „Indiens Weg zur Freiheit“. Im Laufe der Zeit wurde dieses Sonderreferat Indien eine Kernzelle des deutschen Widerstands gegen den NS-Staat, angeführt von Adam Trott zu Solz, der seine Reisefreiheit in Europa ausnutzte, um ein großes Widerstandsnetz zu knüpfen.
Alsdorf war daran nur indirekt beteiligt. Seit dem 1. April 1943 gehörte er dem Länderausschuss Indien an, später der Informationsstelle VIIIb/Indiendienst (vom 30. November 1943 bis zum 31. Mai 1944 in der Ausweichstelle des AA in Krummhübel), und war zugleich seit dem 1. November 1943 Lehrbeauftragter an der Auslandswissenschaftlichen Fakultät und am Deutschen Auslandswissenschaftlichen Institut der Universität Berlin, seit dem 1. April 1944 als außerordentlicher Professor für Volks- und Landeskunde Indiens.
Nach dem Krieg wurde Alsdorf 1948 Professor für Indologie an der Universität Münster, seit 1950 an der Universität Hamburg. Sein Leben lang setzte er sich für ein besseres Verständnis des modernen Indien, das er häufig besuchte, in Deutschland ein. Von 1969 bis 1971 war er Verwaltungsratsvorsitzender der Helmuth von Glasenapp-Stiftung (Förderung der Indienforschung). Seit 1972 emeritiert, hielt er weiterhin Vorlesungen. Viele seiner Veröffentlichungen zu Indien gelten bis heute als wissenschaftliche Standardwerke.
Seit 1959 war er Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz und der Joachim-Jungius-Gesellschaft der Wissenschaften.
Anfang 1978 besuchte Alsdorf Sri Lanka, wo er von einem Insekt gestochen wurde. Der Insektenstich entzündete sich und kurz nach der Rückkehr nach Deutschland starb Alsdorf an den Folgen der Infektion.
Quellen / Literatur
- Die evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrer im Rheinland von der Reformation bis zur Gegenwart, zusammengestellt und bearbeitet von Jochen Gruch, Band 1, Bonn 2011 (Schriftenreihe des Vereins für Rheinische Kirchengeschichte, 175), S.89.
- Biographisches Handbuch des deutschen Auswärtigen Dienstes 1871-1945, Band 1, Paderborn/München/Wien/Zürich 2000, S. 23.
- Ludwig Alsdorf and Indian Studies, edited by Klaus Bruhn, Magdalene Duckwitz, Albrecht Wezler, Delhi 1990.
- Alsdorf, Prof. Dr. Ludwig, bei: HereNow4U (www.herenow4u.net).
- www.saarland-biografien.de
Dr. Achim R. Baumgarten, Simmern
Heft 182 | Stand: 10/2022
