
† 24.09.1963 in Ludwigsburg
Vater: Ludwig Alt
Mutter: Sophia, geb. Weissert
Biografie
Am 1. April 1932 trat Gustav Alt als Mitglied Nummer 1.045.740 in die NSDAP ein. Als Beruf ist Gutsinspektor vermerkt. Alt wurde am 19. Dezember 1890 in Oberemmel an der Mosel geboren. Nach der Volksschule besuchte er zwei Jahre lang die Weinbauschule in Trier und war anschließend bis zum 18. Lebensjahr als Volontär auf dem Schönfelder Hof bei Zemmer tätig. Dann meldete er sich freiwillig zum Kürassierregiment Nr. 8 in Köln-Deutz und verdingte sich nach abgeleistetem Militärdienst auf einem großen Gutshof in Südungarn.
Gustav Alt nahm als Soldat am Ersten Weltkrieg teil und erhielt unter anderem das Eiserne Kreuz II. Klasse. Nach Kriegsende trat er als Gutsaufseher in die Dienste des Grafen Kesselstadt auf Schloss Föhren ein. Dort wurde Alt 1932 wegen seiner nationalsozialistischen Einstellung entlassen.
Seine politische Laufbahn in Nazi-Deutschland begann im Frühjahr des gleichen Jahres mit dem Aufbau des agrarpolitischen Apparates des Kreises Trier. Zunächst Kreisfachberater, wurde er später Kreisbauernführer. Seit 1935 hatte er nebenberuflich den Vorsitz des Weinbauwirtschaftsverbandes Rheinland inne. In der NSDAP-Gaukartei sind mehrere Ortsgruppen genannt, denen der Funktionär nach und nach angehörte: Zu Beginn ist es die Ortsgruppe Trier. Im August 1933 gehörte er der Organisation in Konz-Karthaus an. Das nächste Domizil war der Geburtsort Oberemmel und erneut die Ortsgruppe Trier. Danach war es Trier-Nord. Auch Simmern, Rheinberg 1, sollte noch nicht das letzte Domizil sein. Die Karteikarte weist zum Schluss Koblenz als Wohnort aus. In Simmern löste der Parteifunktionär im Mai 1938 zunächst kommissarisch (offiziell am 1. Juni) Heinrich Nadig als Kreisleiter ab. Der Umzug nach Koblenz führte aber offensichtlich nicht mehr zu einer Veränderung der beruflichen Laufbahn. Offiziell fungierte Alt in der Kreisstadt bis Kriegsende hauptamtlich als oberster Parteifunktionär der NSDAP.
Die „Hunsrücker Zeitung“ berichtete am 14. Mai 1938 von der Einführung des neuen Simmerner Kreisleiters:
Sämtliche Mitarbeiter der Kreisleitung … fanden sich im Hotel „Zur Post“, Simmern, ein, wo Gauinspektor Ackermann, Koblenz, unseren neuen Kreisleiter, Pg Gustav Alt, im Auftrage des Gauleiters in sein Amt einführte…
Wenige Tage danach wurde der neue höchste Parteifunktionär im Landkreis der Öffentlichkeit präsentiert:
Die politische Führerschaft des Kreises Simmern versammelte sich am Sonntagvormittag in der Kreisstadt zu einem eindrucksvollen Appell, bei dem der bisherige kommissarische Kreisleiter Pg Alt durch Gauleiter Gustav Simon in sein Amt eingeführt wurde…
Seit April 1922 war Gustav Alt mit Gertrud Schmid verheiratet, mit der er zwei Töchter und zwei Söhne hatte. Nur der jüngste Sohn wurde in Simmern geboren. Zehn Tage nach seiner Geburt starb Gertrud Schmid am 7. Dezember 1939 im Alter von 37 Jahren.
1941 zählte der Kreis Simmern 32 NSDAP-Ortsgruppen mit insgesamt 3.023 Parteigenossen. Somit hatte rechnerisch jeder zwölfte Bürger im Kreis ein Parteibuch. Alt erhielt 1941 neben einem Grundgehalt samt Kinderzulagen von 570 Reichsmark eine Aufwandsentschädigung von 400 Reichsmark. Als Kreisleiter in Simmern avancierte der begeisterte Jäger am 1. September 1941 zum Kreisjägermeister. Im August 1941 erhielt Gustav Alt das Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse ohne Schwerter. Damit wurden Kriegsleistungen an der Heimatfront gewürdigt. In der Begründung hieß es:
Pg Alt hat sich seit Beginn des Krieges nicht nur als Kreisleiter bestens bewährt, sondern auch alle anfallenden Mehrarbeiten und kriegswichtigen Aufgaben durch Umsicht und Tatkraft in nie erlahmender Einsatzfreudigkeit gelöst.
Bei der Durchsetzung der NS-Ideologie konnte Alt unerbittlich reagieren. In seine Amtszeit fallen die Ausschreitungen der Reichspogromnacht, der Abtransport und die Ermordung der Hunsrücker Juden und die rücksichtslose Verfolgung politischer Gegner. Als Beispiel mag Landrat Friedrich Ludwig Wagner dienen, den er dermaßen unter Druck setzte, dass dieser sich freiwillig zum Kriegsdienst meldete, um Verfolgungsmaßnahmen zu entgehen.
Die drei jüngeren Kinder wurden am 4. Juli 1940, am 30. Oktober 1944 bzw. am 27. April 1943 an den Geburtsort der Mutter in Gerstetten/Krs. Heidenheim, Gartenstraße 16, abgemeldet. Gustav Alt verschwand am 15. März 1945 mit unbekanntem Ziel aus Simmern. Unter dem falschen Namen Schmid, dem Geburtsnamen seiner verstorbenen Ehefrau, wohnte er 1946 in Uchte-Fuchsberg/Krs. Nienburg, Hausnummer 375. Danach lebte er unscheinbar in Freudenstadt, Crailsheim (1953-1955, als Holzaufkäufer) und Markgröningen (Berufsangabe: Jäger) und starb, zuletzt tätig als Jagdaufseher, am 24. September 1963 im Krankenhaus in Ludwigsburg.
Quellen / Literatur
- Bundesarchiv, Parteikorrespondenz, NSDAP-Gaukartei (ehem. BDC).
- Verbandsgemeindearchiv Simmern, Meldekartei Simmern-Stadt
- Hunsrücker Zeitung vom 14.5.1938 und 25.5.1938.
- Franz Maier, Biographisches Organisationshandbuch der NSDAP und ihrer Gliederungen im Gebiet des heutigen Landes Rheinland-Pfalz, Mainz 2007, S. 115.
- Mitteilungen der Stadtarchive Ludwigsburg, Markgröningen, Crailsheim und Freudenstadt.
Dieter Diether, Rheinböllen
Heft 177 | Stand: 9/2020
(1. Fassung Heft 156, 2. Fassung Heft 174)
