Assiambo, Theodor Friedrich Akapo

Theodor Friedrich Akapo Assiambo
* 09.11.1883 in Badji bei Klein Popo (heute Aneho) / Togo
† 16.03.1941 in Wiesbaden
Vater: Aberi Assiambo (Unterhäuptling)
Mutter: Korvi, geb. Lawson

Biografie

Als der Kaufmann Louis Auler im Juli 1897 von einer Geschäftsreise aus der deutschen Kolonie Togoland zurückkehrte, brachte er zum Erstaunen der Simmerner Gesellschaft einen jungen Afrikaner mit in die Kleinstadt: den 13 Jahre alten Unterhäuptlingssohn Akapo Assiambo. Auler hatte zweifelsohne die besten Absichten: Der junge Akapo sollte eine gute Erziehung erhalten und ein besseres Leben führen als in seiner Heimat. Am 9. Oktober 1898 wurde er evangelisch auf den Namen Theodor Friedrich getauft. Er lernte Deutsch, besuchte bis 1900 die Ev. Volksschule und wurde im Jahre 1900 konfirmiert. Bald gehörte er als Begleitung Louis Aulers zum Simmerner Stadtbild. Auch zu auswärtigen Terminen begleitete er Auler und wurde in der Umgebung bekannt. Beschrieben ist, dass er z.B. zur Werbung für den Bismarckturm vor Ort Postkarten verkaufte u.ä.

Im Dezember 1902 kehrte Assiambo nach Togo zurück, wo er mit dem aus Simmern stammenden Zollverwalter Georg Strack Kontakt hielt, doch fühlte er sich dort nicht mehr wohl. Er verdingte sich als Hafenarbeiter in Duala/Kamerun, wo er sich im November 1906 bei einem schweren Unfall an der linken Hand verletzte. Wenig später kehrte er nach Deutschland zurück und besuchte die Familie Auler in Simmern in den ersten Jahren regelmäßig. In Simmern konnte er keine Arbeit finden. Es begann nun eine sehr unstete Zeit mit Arbeitsaufenthalten als Kellner, Artist und Portier in Mainz, in Mannheim, Bremen und Hamburg, immer wieder unterbrochen durch Kurzaufenthalte in Simmern. Hier wurde ihm auch 1911 sein Militärpass ausgestellt.

Ein Heiratsgesuch mit Margaretha, geb. Brockelmaier gesch. Grünenwald, bei der er längere Zeit in Mannheim lebte, wurde 1913 aus rassistischen Gründen abgelehnt. Vor dem Ersten Weltkrieg aktiver Soldat, kämpfte Assiambo im Weltkrieg für Deutschland an der Front, wurde Sergeant und erhielt mehrere Tapferkeitsauszeichnungen. Danach ließ er sich in Wiesbaden nieder, wo er 1929 Anna Maria Kirberg heiratete und bis 1933 als Heizer und Portier im UFA-Filmpalast arbeitete.

Obwohl Hitler ihm noch Anfang 1935 den Frontkämpfer-Orden verlieh, begann für den deutschlandbegeisterten Akapo Assiambo jetzt eine Zeit der Demütigung und rassistischen Verfolgung. Er verlor seine Anstellung und sein regelmäßiges Einkommen. Seine Frau und die gemeinsamen Kinder (Norbert, * 1927, Johanna Annemarie, * 1929, Othilde Luise, * 1930, Theodor Friedrich, * 1932) wurden für schwachsinnig erklärt und zwangssterilisiert, der jüngste Sohn Karl-Heinz (* 08.10.1937) wahrscheinlich durch NS-Ärzte getötet († 19.02.1938). Zermürbt, traumatisiert und durch Kummer und Anstrengung krank geworden, starb Akapo Assiambo am 16. März 1941 im Städtischen Krankenhaus in Wiesbaden an Herzentzündung.

Sein tragisches Schicksal kann als zeittypisch gelten: Persönlich von Deutschland und Simmern, wo er eine zweite Heimat gefunden hatte, begeistert und mit besten Absichten ins Land gebracht, folgte für Assiambo nach der Anpassungszeit eine lange Phase kultureller Entwurzelung, die bei größter Integrationsanstrengung immer wieder zu rassistischen Zurückweisungen durch die Gesellschaft und schreiendem Unrecht führte und in großer Not und im Elend endete. Selbst seine Frau und die Kinder mussten ertragen, dass das Deutschland der Nachkriegszeit ihnen keine Wiedergutmachung gewährte und sie stattdessen trotz erlittener Verfolgung einem quälenden Entnazifizierungsverfahren aussetzte! Wenigstens diese Schande musste Akapo Assiambo nicht mehr miterleben.

Quellen / Literatur

  • Achim R. Baumgarten, Schwarze Menschen im Hunsrück – Begegnungen mit einer fremden Kultur, in: Hunsrücker Heimatblätter 173 (2020), S. 100-106.
  • Achim R. Baumgarten, Nicht Deutscher, aber deutscher Untertan. Das Schicksal von Akapo Assiambo, dem „ersten Schwarzen in Simmern“, Simmern 2020 (Beiträge zur Geschichte und Kultur der Stadt Simmern, Band 9).

Dr. Achim R. Baumgarten, Simmern
Heft 180 | Stand: 7/2022