Ausonius Magnus, Decimus

Ausoniusdenkmal in Neumagen-Dhron (Foto: Touristinformation Neumagen-Dhron)
* ca. 310 in Bordeaux
† 394/95 in Bordeaux
Vater: Iulius Ausonius (Arzt)
Mutter: Aemilia Aeonia

Biografie

Ausonius wuchs mit drei Geschwistern im Hause eines wohlhabenden Arztes in Bordeaux auf und genoss eine standesgemäße Ausbildung und Erziehung. Er war verheiratet mit Attusia Lucana Salina, die bereits mit 28 Jahren verstarb. Das Paar hatte drei Kinder. Nach einem Studium in Bordeaux und Toulouse wirkte Ausonius in seiner Geburtsstadt als grammaticus und rhetor.

Sein Ruf als Lehrer und Dichter veranlasste den römischen Kaiser Valentinian I. (321-375, Kaiser ab 364), ihn ca. 365 in die Kaiserresidenz Trier zu berufen, wo er den Kaisersohn Gratian (359-383, Kaiser ab 375) ausbildete. Die Kaisernähe trug dazu bei, dass Ausonius prestigeträchtige Ämter am Hof und in den Provinzen bekleidete. Seine Ämterlaufbahn gipfelte 378 in der gallischen Präfektur (praefectus Galliarum) und 379 im Konsulat. Nach der Ermordung Gratians 383 kehrte Ausonius spätestens 388 nach Bordeaux zurück, betätigte sich dort weiter als Schriftsteller und pflegte ausweislich seiner Briefe Kontakt mit bedeutenden intellektuellen Zeitgenossen. Die Nachrichten über sein letztes Lebensjahrzehnt werden so unsicher, dass wir sein Todesjahr nicht genau bestimmen können.

Ausonius verfasste sein Leben lang literarische Werke, und zwar in gebundener Sprache (Versen) wie auch in Prosa. Thematisch wandte er sich vorzugsweise seiner eigenen Welt zu: Er schrieb durch alle Lebensphasen hindurch Gedichte auf seine Verwandten und Kollegen, daneben quasi-dokumentarische Texte auf Landschaften und Kaiser und übte sich auch in sprachkünstlerischen Spielereien. Ausonius wichtigstes, bekanntestes und längstes Werk ist die Mosella. Darin beschreibt er in 483 Hexametern den Fluss mit seinen Besonderheiten, die Fische, die Bauwerke an seinen Ufern, die Nebenflüsse u.v.m. Die Einführungsverse des Gedichtes gestaltete Ausonius als fiktive Wanderung von Bingen nach Neumagen und verfasste so nebenbei die einzige direkte literarische Äußerung eines antiken Autors zum Hunsrück. Vers 5-11:

Von dort [Bingen] führte mich der Weg nur durch waldreiche Einöde, und ohne eine Spur menschlicher Zivilisation wahrzunehmen, komme ich vorbei an Dumnissus, das ausgetrocknet ist, überall lechzen die Felder nach Wasser, ich komme vorbei an Tabernae, das durch eine nie versiegende Quelle bewässert wird, und ich komme vorbei an dem Gebiet, das jüngst den Übersiedlern der Sarmaten zugeteilt worden ist.

Und endlich erblicke ich als ersten Ort im Gebiet der Belgier Neumagen, die berühmte Festung des göttlichen Konstantin.

In den Versen 14 und 15 blickt Ausonius auf die Landschaft zurück, die er mit dem Erreichen Neumagens hinter sich gelassen hat:

Nicht mehr sucht man nach dem blauen Horizont, weil er durch dicht ineinander verschlungenes Astwerk und durch grünliches Dunkel verdeckt ist.

(Übersetzung: Hermann Rössel)

Die Abfassung des Werkes wurde bisher auf die Zeit nach 368/69 gelegt, indem die Schilderung der Durchquerung des Hunsrücks mit der Rückkehr des Ausonius vom Alemannenkrieg 368/69 in Verbindung gebracht wurde. Es ist jedoch keineswegs sicher, dass Ausonius an dem Feldzug teilgenommen hat. Vor allem aber ist die Hunsrück-Passage literarisch angelehnt an die Unterweltswanderung des Äneas im sechsten Buch von Vergils Aeneis. Eine konkrete Reise oder besser Wanderung muss ihr nicht zugrunde liegen.

Der Herausgeber Paul Dräger (II2 S. 341) setzt jetzt die Entstehung des Gedichtes in die Zeit kurz vor Valentinians Tod († 17. November 375). Ausonius dürfte jedoch in seiner Eigenschaft als Hofbeamter mehrmals den Hunsrück durchquert und daher die im Text genannten Örtlichkeiten aus eigener Anschauung gekannt haben. Diese geben nach wie vor Rätsel auf, denn im Unterschied zu Dumnissus (Kirchberg-Denzen) lassen sich weder die Tabernae (Belginum oder der Heidenpütz bei Elzerath) noch die Ansiedlungsgebiete der Sarmaten (arvaque Sauromatum, Sohren?) zweifelsfrei lokalisieren.

Nachweise zu Leben und Werk

  • Decimus Magnus Ausonius, Sämtliche Werke. Hrsg., übers. und kommentiert von Paul Dräger, Band 2, Trier 2011, Band 1, Trier 2012 und Band 3, Trier 2015. Band 2 in zweiter, erweiterter und überarbeiteter Auflage (Trier 2016) enthält u.a. eine Neuausgabe der Mosella.
  • Rudolf Zimmer, Wo ging Ausonius ins Gasthaus?, in: Hunsrücker Heimatblätter 26, Heft 68, 1986, S. 290-293.
  • Hermann Rössel, Eine epochale Wanderung über den römischen Hunsrück. Der Dichter Ausonius und seine Reise von Bingen nach Trier im 4. Jahrhundert, in: Der Hunsrück. Festschrift zum 100jährigen Jubiläum des Hunsrückvereins 1890-1990, Birkenfeld 1990, S. 75-87.
  • Altay Coşkun, Die gens Ausoniana an der Macht. Untersuchungen zu Decimius Magnus Ausonius und seiner Familie, Oxford 2002.

Rudi Zimmer, Buch
Heft 184 | Stand: 8/2023