
† 17.12.1809 in Simmern
Vater: Johann Becker (Cellerarius/Kellner der Grafen von Metternich)
Mutter: Anna Maria, geb. Hoerrer
Biografie
Als viertes von dreizehn Kindern des Verwalters der Metternich’schen Kellereien Johann Becker und dessen Ehefrau Anna Maria geb. Hoerrer, deren Vater ebenfalls in Metternich’schen Diensten stand, kam Johann Nicolaus Becker 1773 in Beilstein zur Welt. Nach dem Besuch des Jesuitengymnasiums in Koblenz nahm er in Göttingen das Jurastudium auf. Dort arbeitete er am Göttinger Musenalmanach mit. Becker begeisterte sich für die Französische Revolution und die Französische Republik; er beschloss, sein Leben dem Kampf gegen die Despoten und die sich in Koblenz sammelnden, aristokratischen Emigranten aus Frankreich zu weihen.
Während der Zeit der sog. „Mainzer Republik“ weilte er in Mainz und beendete dort sein Studium mit der Promotion zum Dr. jur. Es schlossen sich Reisen nach Paris, London und Wien an. Nach zwei Jahren in Würzburg wurde er ab 1797 Kampfgenosse des jungen Joseph Görres in Koblenz. Er arbeitete zunächst als freier Schriftsteller. Schon 1792 war sein Werk „Über Mainz; in Briefen an Freund R. auf einer Rheininsel“ erschienen. 1796-1798 folgte die „Kritik der deutschen Reichsverfassung“ in drei Bänden, 1798/99 kam der „Versuch einer Geschichte der Hochmeister in Preußen seit Winrich von Kniprode bis auf die Gründung des Erzherzogthums“ heraus, ein Werk, das neben historischen Wahrheiten sehr viel Phantasie enthielt. 1800 gründete Becker mit Franz Lassaulx die revolutionäre Zeitung „Der Bewohner des Westrheins“ (seit 1803 „Koblenzer Zeitung“), in der er sich als extremer Anhänger der Revolution und radikaler Kirchenfeind zeigte. 1799 erschien sein Buch „Beschreibung meiner Reise in den Departementen vom Donnersberge, vom Rhein und von der Mosel im sechsten Jahr der französischen Republik. In Briefen an einen Freund in Paris“.
Becker entschloss sich, sein Leben als freier Schriftsteller aufzugeben, und nahm das Amt des „magistrat de sûreté“ beim Tribunal in Simmern an. Hier und als Friedensrichter in Kirn zeigte er große Beharrlichkeit in der Verfolgung der rheinischen Räuberbanden. In seinem Zuständigkeitsbereich ging er insbesondere mit besonderer Härte gegen die Mitglieder der sog. „Schinderhannesbande“ vor. Nach dem Ende des Schinderhannesprozesses erschien 1804 seine wichtigste Schrift, „Aktenmäßige Geschichte der Räuberbanden an den beiden Ufern des Rheins. 1. Theil, enthaltend die Geschichte der Moselbande und des Schinderhannes“, bis heute eine wichtige Quelle für diese Zeit. Auch sein 1805 erschienenes Werk „Der Meuchelmord von Wallhausen“ gibt Einblick in die Verhältnisse der Zeit. Unermüdlich war Becker auf Streifzügen gegen Diebsgesindel und sonstige Gesetzesbrecher im Soonwald unterwegs. Auf einem dieser Ritte erhielt er einen Hufschlag von seinem Pferd, an dessen Folgen er 1809 36-jährig starb.
Johann Nicolaus Becker war ein Getriebener und zeichnete sich durch großen Scharfsinn aus. Seine Verdienste um die Bekämpfung der linksrheinischen Banden sind nicht zu unterschätzen. Er war ein führendes Mitglied der „Literarischen Gesellschaft“ in Koblenz und zeigte in seinen Schriften eine beachtenswerte Kenntnis der deutschen Literatur. Privat war er eher gütig und gemütlich; in Simmern, wo er Maria Anna Kordula Walburga Weygold (get. 16.04.1782), die Tochter des Amtsschreibers Ferdinand Ignaz Weygold, geheiratet hatte, galt er als guter Ehemann und Vater.
Quellen / Literatur
- Christian von Stramberg, Rheinischer Antiquarius, II. Abt. 6. Band, Das Rheinufer von Coblenz bis zur Mündung der Nahe, Coblenz 1857, S. 413-415.
- W. Podlech und P. Kämpchen, Becker, Johann Nikolaus, in: Kurzbiographien von Mittelrhein und Moselland, S. 319.
- Die Kirchenbücher der Pfarrei Beilstein im Bistumsarchiv Trier, transkribiert von Otto Münster (hieraus freundliche Mitteilung von Barbara Lutz, Bistumsarchiv Trier).
- Internet: Rheinland-Pfälzische Personendatenbank.
Dr. Achim R. Baumgarten, Simmern
Heft 163 | Stand: 3/2017
