
† 17.06.1938 in Krefeld
Vater: Wilhelm von Beckerath
Mutter: Laura Emilia, geb. Crous
Biografie
Gustav Adolf von Beckerath wurde am 8. November 1859 in Krefeld als sechstes von acht Kindern des mennonitischen Seidenfabrikanten Konrad Wilhelm von Beckerath geboren. Nach dem Besuch eines Krefelder Gymnasiums legte er Ostern 1879 die Reifeprüfung ab. In den Jahren 1879 bis 1882 folge das Studium der Rechtswissenschaft in Tübingen, Bonn und Berlin, wo er am 29. Dezember 1882 die 1. juristische Prüfung ablegte. Am 5. Februar 1883 erfolgte seine Vereidigung als Gerichtsreferendar am Landgericht Düsseldorf. Nach seiner Ernennung zum Regierungsreferendar am 10. Februar 1885 war er bei den Regierungen Düsseldorf, Stettin und Kassel tätig. Nach seiner Ernennung zum Regierungs-Assessor am 13. April 1889 erfolgte ab 11. Mai 1889 eine Beschäftigung bei der Regierung Magdeburg.
Am 11. Oktober 1894 wurde er Landratsamtsverwalter des Kreises Simmern. Nach der Wahl durch den Kreistag am 22. März 1895 erfolgte die definitive Ernennung zum Landrat am 14. Mai 1895. Sein ganz besonderer Einsatz galt der Landwirtschaft und Viehzucht, dem damaligen Haupterwerbszweig der Hunsrücker Bevölkerung; auch der Obstbau fand sein großes Interesse. Ihm ist es zu verdanken, dass die Spezial-Kommission (heute Kulturamt) 1898 nach Simmern kam. Beckerath schreibt:
„Zu meinen dienstlichen Verpflichtungen gehörte die Sorge für die Züchterverbände und die milchwirtschaftlichen Einrichtungen des Kreises. Mit Erfolg bemühte ich mich um die bauliche Entwicklung der Kreisstadt. Auch fehlte es mir nicht an Gelegenheiten, den Verschönerungsverein und den 1901 gegründeten Hunrücker Geschichtsverein zu fördern“.
Zur Schaffung weiterer Büroräume für die Kreisverwaltung am Schlossplatz baute der Kreis 1899 die de Lorenzi’sche Scheune um (später Finanzamt, heute Restaurant Pfalzgraf).
Beckerath kaufte namens des Sparkassenvorstands Ende 1901 das Becksche Anwesen, Ecke Bahnhofstraße/Vor dem Tor. Mitte Juni 1903 erfolgte der Umzug der Kreis-, Spar- und Darlehenskasse (heute Kreissparkasse Rhein-Hunsrück) in die neuen Geschäftsräume in Bahnhofsnähe. Auf Initiative von Landrat Beckerath wurde am 5. August 1896 zur Ergänzung der Kreis-, Spar- und Darlehenskasse die Gründung des Hunsrücker Kreditvereins beschlossen (später Hunsrückbank, heute Volksbank Hunsrück-Nahe).
Auch an der Weiterführung der Bahn von Simmern über Kirchberg nach Hermeskeil und von Simmern nach Kastellaun und Boppard war Beckerath maßgeblich beteiligt. Höhepunkt waren die beiden Einweihungsfeiern in Kirchberg und Kastellaun im Jahre 1901. Während seiner Amtszeit erhielten zahlreiche Hunsrückgemeinden ihre ersten Wasserleitungen.
Dr. Beckerath kandidierte bei der Wahl zum Preußischen Abgeordnetenhaus im November 1903 für die freikonservative Partei. Aber der Wahlkreis Kreuznach-Simmern-Zell hielt an den alteingesessenen Abgeordneten Hackenberg und Engelmann fest. Es hieß, als der Regierung und dem Kaiser verpflichteter Landrat fehle ihm die Freiheit der bisherigen Abgeordneten. Man fürchtete auch seine Versetzung nach Berlin oder Ostpreußen und fragte sich, was man dann von einem solchen Abgeordneten für den Hunsrück habe.
In der Hunsrücker Zeitung vom 2. Februar 1905 verabschiedete er sich mit bewegenden Worten und schloss mit der Hoffnung, „daß die von uns in gemeinsamer Arbeit geschaffenen Anstalten weiter blühen und gedeihen möchten“. Zuvor hatte er sich am 23. Januar 1905 beim Oberpräsidenten vielmals für seine Versetzung auf die Landratstelle in Düsseldorf bedankt. Der Oberpräsident habe „durch wohlwollende und nachsichtige Beurteilung meiner Tätigkeit mir zur Erfüllung eines sehnlichstes Wunsches verholfen haben. Eine willkommenere Versetzung als die nach der schönen Düsselstadt hätte mir und den Meinigen nicht geschehen können“. Er freute sich auf die neue Stelle in unmittelbarer Nähe zu seiner geliebten Vaterstadt Krefeld. Ab 1. Februar 1905 war er kommissarischer Landrat in Düsseldorf. Am 28. August erfolgte die definitive Ernennung zum 1. Oktober 1905. Wer konnte aber ahnen, welch’ wechselvolle Zeit damals auf den Landrat eines rheinischen Kreises wartete! Weltkrieg, Revolution, Rheinlandbesetzung und Inflation verlangten täglich schwierige Entscheidungen. Während der Besatzungszeit war er sogar sechs Wochen im Sommer 1923 von den Franzosen inhaftiert. Zum 31. Dezember 1925 erfolgte seine Versetzung in den Ruhestand.
Adolf von Beckerath war begeisterter Klavierspieler. Seinen vom Vater übernommenen gymnastischen Übungen schrieb er seine ungewöhnliche körperliche Rüstigkeit bis in hohe Alter zu. Am 11. September 1889 heiratete er in Krefeld Mathilda Adele (Mathilde) Peltzer, die Tochter eines Samtfabrikanten. Den beiden wurden vier Töchter geschenkt, drei davon geboren in Simmern in den Jahren 1894, 1896 und 1903. Militärisch schaffte er es bis zum Rittmeister der Landwehr-Cavallerie; ihm wurde die Landwehr-Dienstauszeichnung II. Klasse verliehen. Im ersten Weltkrieg nahm er als Major der Artillerie teil. Seinen Lebensabend verbrachte er in der Nachbarschaft von Krefeld und zwar in der Gartenstadt Meererbusch, einem Villenviertel in Meerbusch-Büderich, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts erbaut wurde.
Quellen / Literatur
- Archiv VG Kirchberg, die Unterschrift vom 10. 11. 1896 stammt aus Fach 9, Nr. 3 (Eisenbahnakten).
- Hunsrücker Zeitung, insbesondere Ausgaben vom November 1903. Die abgebildete gedruckte Namenszeile steht unter seinen Abschiedsworten in der Ausgabe vom 2. Februar 1905.
- Landkreis Simmern, Bonn 1967, S. 73-75.
- LHA Ko, Best. 403, Nr. 14525 und Best. 441, Nr. 19252.
- Horst Romeyk, Die leitenden staatlichen und kommunalen Verwaltungsbeamten der Rheinprovinz 1816-1945, Düsseldorf 1994, S. 349.
- Stadtarchiv Krefeld, Hausadresse: Girmesgath 120, 47803 Krefeld, E-Mail: sabine.weber@krefeld.de.
- Standesamt Simmern.
- Das Portraitfoto stammt aus dem Kreisarchiv des Rhein-Hunsrück-Kreises.
Dr. Hans Dunger, Kirchberg
Heft 169 | Stand: 4/2019
