
† 07.07.1970 in Bendorf
Vater: Albert Bochow
Mutter: Hertha, geb. Herbert
Biografie
Gebürtig im Kreis Teltow südlich von Berlin, begann Paul Bochow seinen beruflichen Werdegang am 1. Juli 1896 als Volontär bei der Einkommensteuer-Veranlagungskommission seines Heimatkreises. Zwei Jahre später wurde er „Hilfsarbeiter“ bei der Amtsverwaltung Friedenau bei Berlin, um nur drei Monate darauf nach Saarbrücken überzusiedeln und dort gleichfalls als „Hilfsarbeiter“ erneut bei der Einkommensteuer-Veranlagungskommission zu dienen. Nach einem Jahr erfolgte ein erneuter Ortswechsel: auch bei der Stadtverwaltung Dortmund bekleidete er eine „Hilfsarbeiter“-Position.
Auch im Ruhrgebiet hielt es ihn nur ein Jahr: Ab 1.September 1900 folgte ein nunmehr gut siebenjähriges Engagement als Zivilsupernumerar (Anwärter im Beamtenrecht) beim Landratsamt Adenau, danach beim preußischen Regierungsbezirk Koblenz. Es folgte eine halbjährige Berufung zum Kreissekretär auf Probe beim Koblenzer Landratsamt, ehe Bochow im Oktober 1908 beim gleichen Amt zum festen Kreissekretär avancierte. Der strebsame Bochow konnte nun zehn Jahre lang Berufserfahrung sammeln, ehe er am 25. November 1918 seine bisherige Laufbahnspitze erreichte und zum Bürgermeister in Dierdorf, Kreis Neuwied, berufen wurde.
Nun scheint er auch die Zeit besessen zu haben, um im November 1919 in den Ehestand zu treten. Die knapp 19 Jahre jüngere Elfriede wurde zehn Monate später vom einzigen gemeinsamen Kind der Eheleute, der Tochter Annelore, entbunden.
Etwas mehr als 15 Jahre blieb Bochow in Dierdorf. Dann wurde ihm am 15. Januar 1934 die kommissarische Leitung des Bürgermeisteramtes Rheinböllen übertragen. Der dortige Stelleninhaber Robert Grün hatte sich vor der „Machtübernahme“ der Nationalsozialisten keine Freunde gemacht: Landrat Weihe (der sich ab 1933 schnell der neuen Weltanschauung anpasste) instruierte vor 1933 die Amtsbürgermeister, mit Bespitzelungen und harten Bandagen der „Bewegung“ Herr zu werden. Und Grün scheint dabei besonders hartnäckig Position bezogen zu haben. Nicht lange nach dem „Systemwechsel“ revanchierten sich die Nazis und trieben den mit Rizinusöl abgefüllten Bürgermeister durch die Kreisstadt. Er musste seinen Arbeitsplatz mit Paul Bochow tauschen und wurde nach Dierdorf versetzt.
Im Amt Rheinböllen wohnten 4.900 Menschen und vielfältige Aufgaben wie Fremdenverkehrswerbung, Ödlandkultivierung oder intensive Waldnutzung standen an: „Dadurch sah sich die Gauamtsleitung der NSDAP veranlasst, sofort wieder die hauptamtliche Leitung des Amts (zu beschließen).“
Paul Bochow trat am 11. April 1933 der NSDAP bei, war vom ersten Tag in Rheinböllen an Ortsgruppenamtsleiter der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) und ab 1. Juli 1934 Gemeindegruppenführer des Reichsluftschutzbundes. Neun Monate nach der provisorischen erfolgte zum 30. Oktober 1934 die endgültige Berufung zum Amtsbürgermeister. Im Januar 1937 konnte er einen obligatorischen Fragebogen im Sinne seiner Vorgesetzten beantworten: „Mir ist nicht bekannt, dass ich von jüdischen Eltern oder Großeltern abstamme.“
Die Generalversammlung des örtlichen Darlehenskassenvereins (heute Volksbank Rheinböllen eG) wählte den Bürgermeister 1934 zu seinem Vorstandsvorsitzenden – dies sollte er 18 Jahre lang bleiben.
Im April 1945 beorderte ihn die amerikanische Besatzungsmacht zunächst als Amtsbürgermeister nach Gemünden. Am 15. Dezember wurde er zwangsweise in den Ruhestand versetzt. Bochow stellte 1951 einen Antrag auf Wiedergutmachung wegen seiner strittigen Pension und begründete dies damit, dass seine Amtszeit in Rheinböllen erst durch Strafversetzung zu Stande kam. Er sprach dabei von einer „harmonischen 13jährigen Zusammenarbeit über manche Klippen und persönlich erlittenen Unbill hinweg“. Für die „Strafversetzung“ fanden sich allerdings trotz Rückfragen der über den Antrag entscheidenden Behörde keine schriftlichen Hinweise.
Altbürgermeister Paul Bochow starb hochbetagt am 7. Juli 1970 in seinem Altersdomizil Bendorf.
Quellen / Literatur
- Dieter Diether, Die Amtsbürgermeister des Amtes Rheinböllen, in: Rhein-Hunsrück-Kalender 2002, S. 103.
- Personalakte Bochow im Archiv der Verbandsgemeinde Simmern-Rheinböllen.
Dieter Diether, Rheinböllen
Heft 186 | Stand: 8/2024
