
† 20.07.1977 in Göttingen
Vater: Ferdinand Oskar Wilhelm Böhm
Mutter: Clara Wilhelmine Martha, geb. Hoffmann
Biografie
Hans Böhm wurde am 26. Februar 1902 als Sohn eines Lackiermeisters in Berlin geboren. Nach Beendigung seiner Schulzeit (vier Jahre Volksschule und sechs Jahre Oberrealschule, abgeschlossen mit der Oberstufenreife) wurde er am 2. April 1918 Lehrling bei der Dresdner Bank in Berlin. Nach der vorzeitigen Beendigung der Lehrzeit wurde er am 1. Oktober 1920 als Beamter übernommen. Im Jahre 1938 wurde er als Referent für Außenhandel und Devisenbewirtschaftung von Berlin zur Länderbank Wien A.G. delegiert. Am 1. August 1938 trat er seinen Dienst in Wien als Handlungsbevollmächtigter und Abteilungsleiter an.
Seine Banktätigkeit in Wien war vom 19. Januar 1942 bis zum 5. September 1945 durch den Kriegsdienst unterbrochen. Nach der militärischen Ausbildung und einem kurzen Einsatz bei der Flak wurde er als Wehrmachtsbeamtenanwärter nach Wien zurückbeordert und nach einem einjährigen Verwaltungslehrgang am 1. Oktober 1943 zum Oberzahlmeister ernannt. In dieser Eigenschaft wurde er mit der Reorganisation der Gebührnisstellen des Luftgaus XVII (Wien) beauftragt und verblieb nach Durchführung dieser Aufgabe bis zum Zusammenbruch bei der neu gebildeten Hauptgebührnisstelle I/XVII (80.000 Besoldungsempfänger) als stellv. Dienststellenleiter, Chef der Buchhaltung und Auskunftsabteilung für alle Fragen der Besoldung und Versorgung militärischer und ziviler Natur. Am 1. März 1944 war er zum Unteroffizier befördert worden.
Zu seiner politischen Vergangenheit schreibt Hans Böhm: „Meine politische Vergangenheit ist in jeder Beziehung einwandfrei. Ich war lediglich Mitglied der Deutschen Arbeitsfront von 1933 bis 1942 und auch nur deshalb, weil 1933 der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund, dem ich angehörte, von der DAF mit allen Mitgliedern übernommen wurde. Ich bin daher vom öffentlichen Kläger als ‚von den Säuberungsgesetzen nicht betroffen‘ bezeichnet worden“. Nach dem Krieg wurde er dann Mitglied der CDU.
Nach der Rückkehr zur Bank nach Wien konnte er sich jedoch nicht zum Erwerb der ihm angebotenen österreichischen Staatsbürgerschaft entschließen. Nach Lösung des Dienstverhältnisses zum 31. März 1946 übersiedelte er nach Bacharach, der Heimat seiner Ehefrau; seine Familie hielt sich dort im Hause seiner Schwiegereltern seit Anfang 1944 auf.
Am 7. September 1946 trat er seinen Dienst beim Kreiswirtschaftsamt des Kreises St. Goar an. Die Leitung dieser Abteilung übernahm er am 1. März 1947 bis zu seinem Ausscheiden Ende 1947. Anfang 1948 erfolgte eine viermonatige Informationszeit als Amtsbürgermeister-Anwärter bei der Amtsverwaltung in Manderscheid. Danach wurde er mit der Verwaltung des Amtes Daun beauftragt. „Kurz nach Antritt meines Dienstes in Daun mußte ich aber feststellen, daß ich bei aller Anerkennung meiner Person einzig und allein meiner evangelischen Konfession wegen von der überwiegenden Mehrzahl der Ortsbürgermeister abgelehnt wurde“. Er verließ Daun und ihm wurde im Januar 1949 vom Zeller Landrat die kommissarische Verwaltung des Amtes Büchenbeuren übertragen.
Die Amtsvertretung wählte ihn dann am 11. Februar 1949 zum Amtsbürgermeister. Nach Zustimmung der französischen Militärregierung wurde ihm am 10. März 1949 die Ernennungsurkunde überreicht: Er wurde auf die Dauer von acht Jahren, beginnend am 1. April 1949, zum hauptamtlichen Amtsbürgermeister des Amtes Büchenbeuren ernannt. Einführung und Vereidigung erfolgten durch den Zeller Landrat Dr. Puhl in der Sitzung der Amtsvertretung am 27. Mai 1949. Er blieb jedoch zehn Jahre im Amt. Mit Ablauf des 1. April 1959 trat er in den Ruhestand. Tags darauf wurde sein Nachfolger Rudolf Rabs, der von der Amtsvertretung am 14. Februar gewählt worden war, als sein Nachfolger eingeführt. Rabs hatte damals die Abstimmung mit 8 zu 6 Stimmen bei einer Enthaltung gegen Böhm gewonnen.
Wie so viele Amtsbürgermeister musste Böhm nach dem Krieg wieder eine funktionierende Verwaltung aufbauen. Mit Baumaßnahmen im Büchenbeurener Amtsgebäude konnte die Raumnot der Verwaltung gelindert werden. Oft war er auch mit den „Reibereien“ zwischen den beiden großen Orten seines Amtes, Büchenbeuren und Sohren, beschäftigt. Die Zuweisung vieler Flüchtlinge stellte seine Gemeinden vor große Probleme. Zur größten Herausforderung seines Amtes wurde der in kurzer Zeit, seit 1951 anfangs durch die Franzosen und anschließend die Amerikaner, gebaute Flugplatz Hahn. Tausende Bauarbeiter rückten an, die Gemeinden verloren große Flächen, Straßen mussten umgeleitet werden. Zu diesem Straßenproblem zwei Aussagen von Hans Böhm aus der damaligen Zeit: „Man hat uns die Nervenstränge innerhalb des Amtes Büchenbeuren zerschnitten; durch den Bau des Flugplatzes ist das Amt auseinandergerissen worden“. Zum Schutze der geschädigten Gemeinden wurde auch unter seinem Vorsitz ein Zweckverband gegründet.
Seine erste Frau Marianne geb. Lüttgens hatte er im Januar 1934 geheiratet. Ein Jahr später wurde ihnen eine Tochter geboren. Die Ehe wurde im Jahre 1953 geschieden. Noch im gleichen Jahre heiratete er die aus Bacharach stammende Anna Maria Wiest, geb. Vogel. Deren im Jahre 1943 geborener Sohn, der spätere Regierungsdirektor Dr. jur. Klaus Böhm, war von Hans Böhm im Jahre 1961 adoptiert worden. Nach dem Ausscheiden in Büchenbeuren erfolgte der Umzug nach Simmern; dort starb die Ehefrau von Hans Böhm am 22. April 1967. Anfang Juli 1977 war er im Kreiskrankenhaus Witzenhausen in Behandlung. Nach einer Verlegung in die Universitätsklinik Göttingen starb er dort am 20. Juli 1977. Am 25. Juli 1977 wurde Hans Böhm in Simmern beerdigt.
Quellen / Literatur
- Archiv Verbandsgemeinde Kirchberg, Personalakte Hans Böhm und Beschlussbücher des Amtes Büchenbeuren.
Dr. Hans Dunger, Kirchberg
Heft 178 | Stand: 12/2021
