Böhme, Otto Ferdinand

Portraitfoto, Unterschrift (Abt. 1, Nr. 515) und Zeitungsausschnitte (letztmalig als Königlicher Landrat, HZ vom 21. Oktober 1918, und während der Besatzungszeit, HZ vom 15. Mai 1919) stammen aus dem Kreisarchiv des Rhein-Hunsrück-Kreises.
* 22.07.1876 in Dankerode im Harz
† 27.11.1956 in Oberwesel
Vater: Gottfried Böhme
Mutter: Auguste, geb. Klaube

Biografie

Vom evangelischen Lehrersohn Otto Böhme erfahren wir in seinem handgeschriebenen Lebenslauf vom 21. Juni 1904: „Von Ostern 1886 ab besuchte ich das Stadtgymnasium in Halle/Saale, das ich Ostern 1895 mit dem Zeugnis der Reife verließ. Von da ab widmete ich mich dem Studium der Rechts- und Staatswissenschaften, vornehmlich auf der Universität Halle/Saale und bestand am 10. Dezember 1898 am Königlichen Oberlandesgericht in Naumburg/Saale die erste juristische Prüfung. Am 28. Dezember 1898 wurde ich als Referendar vereidigt.“ Es folgten Beschäftigungen an Gerichten in Hettstedt, Halle und Naumburg.

„Meiner militärischen Dienstpflicht genügte ich in der Zeit vom 1. Oktober 1899 bis 30. September 1900 beim Mansfelder Feldartillerie-Regiment Nr. 75 in Halle/Saale. Nachdem ich im Jahre 1901 die vorgeschriebenen Übungen abgeleistet hatte, wurde ich am 15. Februar zum Reserveoffizier des genannten Regiments ernannt.“

Ab 2. August 1904 finden wir ihn als Regierungsreferendar bei der Regierung in Marienwerder. Diese übertrug ihm 1905 die kommissarische Verwaltung der Bürgermeisterstelle in Lessen, Kreis Graudenz; danach war er sechs Monate beim Landratsamt in Culm beschäftigt. Am 24. August 1906 erfolgt die Ernennung zum Regierungsassessor. Seine Prüfung als Regierungsassessor in Berlin besteht er mit dem Prädikat „gut“. Es folgen Beschäftigungen beim Landratsamt Hattingen (ab 7. Oktober 1907) und beim Oberverwaltungsgericht (ab 1. Oktober 1908), bei der Regierung Marienwerder (ab 1. November 1911) und erneut beim Landratsamt Hattingen.

Vor seiner Beauftragung Anfang April 1914 mit der kommissarischen Verwaltung des Landratsamtes in Simmern war er im Innenministerium in Berlin beschäftigt. Die definitive Ernennung zum Landrat zum 5. Februar 1915 erreicht ihn an der Front, an die er sich im Januar 1915 freiwillig gemeldet hatte. In der Schlacht an der Somme wurde er schwer verwundet. Nach Entlassung aus dem Heeresdienst nahm Otto Böhme die Dienstgeschäfte in Simmern am 8. Januar 1918 wieder auf. „Hier war er unermüdlich tätig, um die durch den Krieg hervorgerufenen Schwierigkeiten der Bevölkerung zu lindern.“

Auf Anordnung des französischen Oberkommandos in Mainz vom 20. Mai 1919 wurde er seines Amtes als Landrat enthoben und musste Ende Mai 1919 das von den Franzosen besetzte Gebiet verlassen. Ihm wurde „feindselige Haltung gegenüber der Besatzungsmacht“ vorgeworfen. Es hieß, „sein altpreußischer soldatischer Geist vermochte sich nicht an die neuen Verhältnisse zu gewöhnen“. Ab Mitte Juli 1919 finden wir ihn als Hilfsarbeiter im Innenministerium in Berlin. Anfang Dezember 1920 lehnt er die Stelle als Oberverwaltungsgerichtsrat ab und tritt zum 1. April 1921 auf eigenen Antrag in Ruhestand.

Wenige Tage nach seiner Amtsenthebung heiratete er am 28. Juni 1919 die aus Hamm/Westfalen stammende Ellen Funke. Beide nahmen ihren Wohnsitz in Berlin- Charlottenburg. 1929 wurde er in die Liste der Verwaltungsgerichtsräte beim Oberlandesgericht in Berlin aufgenommen. Das Jahr 1933 brachte ihm bittere Zurücksetzungen, da seine Frau jüdische Vorfahren hatte. Im Zweiten Weltkrieg wurde ihm die Verwaltung des Landkreises Herzberg/Brandenburg übertragen, später auch noch die Mitverwaltung des Landratsamtes Torgau. Nach dem Krieg gelang ihm die Flucht aus der Sowjetzone zurück nach Hamm.

Dem Ehepaar Böhme wurden die beiden Söhne Walter und Gottfried geboren. Sohn Walter hatte von seiner Großmutter das „Jagdhaus Funke“ in Damscheid geerbt. Hierhin zog sich Otto Böhme in den Nachkriegsjahren oft zurück. Bei seinem letzten Aufenthalt erkrankte er schwer und starb schließlich am 27. November 1956 im Krankenhaus in Oberwesel. Er wurde in Damscheid beigesetzt. In der Todesanzeige in der Hunsrücker Zeitung vom 30. November heißt es u. a.: „Kgl. pr. Landrat a. D. des Kreises Simmern (Hunsrück)“.

Seine Frau Ellen geb. Funke (1893-1976) hatte eine wertvolle Büchersammlung (rund 2.700 Titel) geerbt und über die Wirren des Zweiten Weltkriegs gerettet: „Die Bibliothek Alexander Haindorf (1784 -1852)“. Nach dem Tod von Sohn Dr. Walter Böhme übereignete dessen Gattin Helga Böhme diese Bücher an die Universitäts- und Landesbibliothek (ULB) Münster. Die Ellen Böhme Stiftung wurde von Herrn Dr. Walter Böhme (†) und Helga Böhme aus Neuss als gemeinnützige Stiftung für Entwicklungshilfe ins Leben gerufen. Ihre Errichtung als rechtlich selbstständige Stiftung erfolgte im Jahre 2004 gemäß Stiftungsgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen.

Quellen / Literatur

  • Helga Böhme und Juliane Kraus, Ein Vermächtnis – Die Bibliothek Alexander Haindorf/Sammlung Loeb Böhme, Neuss und Mülheim a. d. Ruhr 2013.
  • Landkreis Simmern, Bonn 1967, S. 98f.
  • LHA Ko, Best. 403, Nr. 14547 und Best. 441, Nr. 22767, 22774, 22775.
  • Horst Romeyk, Die leitenden staatlichen und kommunalen Verwaltungsbeamten der Rheinprovinz 1816-1945, Düsseldorf 1994, S. 365.
  • Sterbeurkunde vom Standesamt der VG St. Goar-Oberwesel.

Dr. Hans Dunger, Kirchberg
Heft 167 | Stand: 3/2018