Bohn, Johann Peter

Ich bin kein Dichter, dieses weiß ich nur
zu gut, und nag auch nicht am Hungertuche,
Denn mich ernährt die gütige Natur
an ihrer Brust, und wenn ich auf der Flur
ein Liedchen singe hinter meinem Pfluge,
wer will’s mir wehren, auch wenn im Gedicht
ein Bauersmann begrüßt das neue Licht?

Ich weiß es wohl, dass Orden, Amt und Geld
ich nie mit meinen Liedern werd ersingen,
ich weiß dies wohl, drum lass ich gern der Welt,
was sie für höchstes Glück des Lebens hält,
mich fängt sie nicht mit ihren Schlingen;
ich will ihr Mitleid nicht und ihren Spott,
in meinem Busen lebt ein andrer Gott.

***

Do schlah doch alle wärer drin,
de Deiwel mah meh Scheffe sinn!
Vunn jerem dumme Sackerment
Wird mer geutzt unn ausgeschennt.

Mer micht’s, stellt mer sich, wie mer will,
nit rächt; dä Aehn, dä träht en Brill,
sieht dodurch doppelt un genau
det Spännche in des Scheffe Au.

Dä Anner sieht unn heert fast neist,
datt is en Hetzhund unn dä beißt
recht schalkig, unn dä dritte Mann
schneid ehm die Ehr aw, wo er kann

Is er zu streng, dann häßt’s, der Hans
will uus verungeneere ganz.
Is er gedillig, braucht Verstand,
wird er en Schlockerkopp genannt.

(Klage eines Schöffen – Auszug)

* 21.05.1796 in Krastel
† 14.06.1861 in Völkenroth
Vater: Nikolas Bohn (Landwirt)
Mutter: Katharina Margarethe, geb. Boos

Biografie

Johann Peter Bohn wurde 1796 als viertes und letztes Kind des aus Leideneck stammenden Kleinbauern Nikolas Bohn und der Katharina Margarethe geb. Boos geboren. Nach unbeschwerter Kindheit in Wohnroth und der Volksschulzeit ermöglichte der Vater dem intelligenten Jungen noch 1 ½ Jahre lang den Besuch der Lateinschule in Kastellaun, wo er vom Rektor eine außergewöhnliche Förderung erhielt. Nebenher gab er der Dorfjugend Nachhilfe im Rechnen und im Lesen. Die französische Sprache beherrschte er bald so gut, dass der Sous-Präfekt ihn gerne als Sekretär in die Präfektur nach Simmern geholt hätte. Auf Anraten des Vaters lehnte er ab und heiratete schon früh mit dem Ziel, so dem Wehrdienst entgehen zu können. Am 8. März 1815 fand die Trauung mit der 16-jährigen Maria Katharina Klein aus Völkenroth statt. Vier Kinder gingen aus der Ehe hervor.

Die frühe Heirat bewahrte ihn jedoch nicht vom Militärdienst: Im November 1815 musste er den 15-tägigen Fußmarsch nach Berlin antreten, um dort vom 25. November 1817 bis zum 11. November 1818 seine Soldatenzeit in der Garde-Artillerie abzuleisten.

Mit seinen Schwiegereltern verstand sich Bohn nicht sehr gut, mit seiner Ehefrau dafür umso besser. Sie hatte Verständnis für seine lebenslange Neigung zur Dichtkunst und seine vielen Ehrenämter. Nach Rückkehr aus Berlin übernahm Bohn in jungen Jahren das Amt des Ortsvorstands in Völkenroth. Er wurde am 3. April 1823 zum Schöffen gewählt (er blieb bis 1840 im Amt). 1832 wurde er Kirchenvorsteher, 1833 Experte für das Friedensgericht Kastellaun, 1834 Taxator für die Bürgermeisterei Kastellaun, 1835 und 1841 Deputierter zur 1. und 3. Rheinischen Provinzialsynode, 1836 Mitglied im Schulvorstand und Taxator am Friedensgericht, 1841 Adjunkt der Bürgermeisterei Kastellaun, 1842 Deputierter bei der Klassensteuerverteilung und 1843 Bezirkswähler zum Abgeordnetenhaus.

1825 erbaute er in Eigenarbeit ein Wohnhaus, 1839 dazu eine Scheune mit Stall. Der frühe Tod seiner Frau im Jahr 1844 traf ihn schwer. 1858 erkrankte er lebensbedrohlich an einer „Kopfkrankheit“, die in Bonn, 1859 in Bad Kreuznach und 1861 wieder in Bonn behandelt wurde. Von dort wurde er nach einer Operation als unheilbar entlassen und starb am 14. Juni 1861.

Bohns dichterisches Werk beschäftigte sich mit den täglichen Vorgängen seiner Umgebung, aber auch mit politischen, kirchlichen und philosophischen Themen. Fest verwurzelt waren seine Liebe zur französischen Sprache, der Glaube an die Ideale der französischen Revolution, an Anständigkeit und Sitte, ein positiver Fortschrittsglaube und die Bindung an das Landleben. Sein Gefühl für die Poesie war herausragend. Als Autodidakt vermochte er es, gesellschaftliche Mängel und Fehlentwicklungen in Hochdeutsch oder Hunsrücker Dialekt in künstlerische Formen zu bringen und meisterlich zu formulieren. Dabei standen seine Gedichte denen seines Zeitgenossen P.J. Rottmann in keiner Weise nach.

Viele Gedichte wurden bei der Feldarbeit mit dem Griffel auf Schieferstücke geschrieben (Papier war zu teuer) und zu Hause aufbewahrt. Diese Gedichte – nach Bohns Bewertung seine besten – sind verloren, da ein Zeitgenosse sie, um ihm die „Spinnerei“ abzugewöhnen, in den Völkenrother Brandweiher warf. Überhaupt fand seine Dichtkunst bei den Dorfbewohnern kein Verständnis, Bohn musste viele Widerwärtigkeiten und Spott ertragen. So sind von ihm nur ca. 80 Gedichte erhalten. Überdeckt vom Glanz des Hunsrückdichters Rottmann geriet Bohn nach seinem Tod zeitweise in Vergessenheit.

Kurz vor seinem Tod schrieb er: „Ich weiß nicht, war ich nun Don Quichotte und kämpfte gegen Windmühlenflügel oder waren es die andern?“

Quellen / Literatur

  • Hajo Knebel, Johann Peter Bohn (1796-1861), Ein vergessener Dichter des Hunsrücks, in: Hunsrückkalender 1965, S. 66-69.
  • Otto Leonhard, Johann Peter Bohn, ein unbekannter Hunsrückdichter (1796-1861), in: Hunsrücker Heimatkalender 1950, S., 88-93.
  • Johann Peter Bohn, Klage eines Schöffen, in: Hunsrücker Heimatkalender 1953, S. 64-66.
  • Achim R. Baumgarten, Peter Joseph Rottmann und seine Zeit, Simmern zwischen Französischer Revolution und Kaiserreich, Simmern 2013 (Beiträge zur Geschichte und Kultur der Stadt Simmern, Bd. 7), S. 223-228.

Dr. Achim R. Baumgarten, Simmern
Heft 190 | Stand: 8/2025