Bohr, Günter

Günter Bohr
* 30.07.1943 in Asbach
† 16.04.2021 in Simmern
Vater: Fritz Bohr (Landwirt)
Mutter: Elisabeth, geb. Steil

Biografie

Günter Bohr wurde als letztes von vier Kindern und einziger Sohn der Eheleute Fritz und Elisabeth Bohr in Asbach/Hunsrück geboren. Seine Kindheit und Jugend waren durch die alltäglichen Arbeiten rund um den Bauernhof der Eltern geprägt. Zur Landwirtschaft gehörten damals Kühe, Schweine und Hühner. Vater Fritz besaß für seine Arbeit im Wald auch noch ein Rückepferd. Obwohl alle Werktage von früh bis spät mit land- und forstwirtschaftlichen Arbeiten ausgefüllt waren, warf die kleine Landwirtschaft gerade mal genug ab, um nur sehr bescheiden davon leben zu können.

Die Volksschule besuchte er im einen Kilometer entfernten Nachbarort Hellertshausen. Sein Ziel nach den acht Schuljahren war es auch Landwirt zu werden. Schon früh lernte er, was später zu seinem Lebensmotto wurde: „Wenn du etwas haben willst, musst du etwas schaffen“. Als Kind arbeite er sonntags als Kegeljunge auf der Harfenmühle und bekam für das Aufstellen der Kegel als Lohn eine Limonade. Sein erstes eigenes Geld verdiente er sich mit Waldarbeit. Als 16jähriger begann er bei der Fa. Leysser in Idar-Oberstein eine Ausbildung als Kaufmann. Weil die Ausbildungsvergütung nicht ausreichte, brach er die Lehre ab und arbeitete in Herborn bei einer Baustofffirma im Lager.

Mit dem Tod der Mutter Anfang 1960 löste sich recht schnell der Traum von der eigenen Landwirtschaft in Asbach auf. Eine der bereits verheirateten Schwestern übernahm zusammen mit ihrem Mann den Hof, um auch die absehbare Pflege des Vaters gewährleisten zu können. Während seiner Wehrdienstzeit 1963/64 lernte er seine spätere Frau, Helga Ripp aus Niederweiler, kennen und er machte bei der Bundeswehr den LKW-Führerschein. Nach dem Ausscheiden aus der Bundeswehr lieferte er für die Felke Möbelwerke europaweit Möbel aus. Nach der Heirat am 3. Dezember 1965 stieg das Ehepaar bei den Schwiegereltern mit in die Landwirtschaft ein. 1968 gab er die Anstellung bei Felke auf, übernahm 1969 den Hof und spezialisierte sich auf Milchviehhaltung und Ferkelzucht.

Investiert wurde stets in moderne, leistungsstarke Maschinen und Geräte. Nebenbei transportierte er Vieh für einen Fleischgroßhandel, arbeitete bei einem Autoverwerter, rückte Holz im Wald und ab 1971 fuhr er Schulbusse für ein ortsansässiges Busunternehmen. Auch kommunalpolitisch engagierte er sich ab 1977 in Niederweiler als Mitglied des Gemeinderates und ab 1979 zwanzig Jahre lang als Ortsbürgermeister. 1994 trat er in die CDU ein und wurde direkt in den Verbandsgemeinderat der VG Kirchberg gewählt. 1986 gab der Arbeitgeber sein Unternehmen auf und Günter übernahm zwei Schulbusse und erwarb noch im gleichen Jahr einen gebrauchten Reisebus. Großen Wert legte er immer auf einen einwandfreien technischen Zustand und auf ein sauberes und gepflegtes Erscheinungsbild seiner Fahrzeuge. So war von Anfang an in seinen Bussen das Rauchen nicht gestattet. Zu dieser Zeit eröffnete er einen Reifenhandel. 1990 gab er die Viehhaltung auf und erwarb den ersten fabrikneuen Reisebus.

1993 wurde der Militärflughafen Hahn von den US-Streitkräften aufgegeben. Günter erkannte in der zivilen Nutzung des Flughafens enormes Potenzial für den Hunsrück und sein eigenes Unternehmen. Anfänglich gab es nur Besichtigungsfahrten über das Flughafengelände. Der erste Reisekatalog mit kombinierten Flug-Bus-Reisen in alle Welt und Tagesreisen in europäische Metropolen erschien 1994. 1998 erfolgte die Aufnahme des Linienverkehrs Hahn-Hauptbahnhof Frankfurt und 2002 die Linie Hahn-Köln Hbf. Auf der Fläche des ehemaligen Gehöfts in Niederweiler wurde 1998 eine neue Busbetriebshalle eingeweiht, die jedoch auch bald nicht mehr ausreichte. Im Januar 2001 wurde dann die Baugenehmigung für eine Tankstelle auf der Gemarkung Lautzenhausen erteilt, im Februar für Büros, Werkstatt, Wartungs- und Waschhallen und Hauptgebäude mit Gastronomie. Ende Mai 2002 wurde als letztes die Gaststätte in Betrieb genommen.

Die „Bohr-Insel“ wurde zu einem Erfolgsobjekt und Günter Bohr zu einer Bustouristikgröße. Ab 2003 wurden die landwirtschaftlichen Flächen verpachtet. Sein Investitionswille und die Bereitschaft sich im Hunsrück zu engagieren setzten sich fort. 2009 kaufte die Firmengruppe eine Shell-Tankstelle in der Ortgemeinde Dörth. 2010 wurde auf dem Gelände um die „Bohr-Insel“ mit dem Bau einer Burger-King Filiale begonnen. Zum 25-jährigen Betriebsjubiläum 2011 war die Mitarbeiterzahl auf fast 300 Beschäftigte angewachsen und die Fahrzeugflotte umfasste annähernd 100 Fahrzeuge. Die Firma Bohr zählt heute zu den größten privat geführten Busunternehmen in Deutschland.

Immer mehr wurde die Unternehmensleitung an die beiden Söhne Timo und Mirco abgegeben. Fortan engagierte sich Günter Bohr im firmeneigenen Cateringunternehmen und im Gastrobereich der „Bohr-Insel“. Großzügig unterstützte er Hilfsvereine für chronisch- und krebskranke Kinder sowie heilpädagogische Einrichtungen in der Region. Im April 2021 dann die schockierende und unerwartete Nachricht: Günter und Helga Bohr waren innerhalb von zwei Tagen an Corona gestorben. Durch die bestehenden Beschränkungen konnten weder Verwandte noch Freunde oder Geschäftspartner gebührend von dem beliebten Unternehmerpaar Abschied nehmen. Die Beerdigung der Eheleute fand im engsten Familienkreis auf dem Friedhof in Niederweiler statt.

Quellen / Literatur

  • Günter Bohr, „Mein Weg zur Bohr-Insel“ Eigenverlag 2006.
  • Bohr Omnibus GmbH, „Eine Idee wird zum Erfolg, 25 Jahre Bohr 1986-2011“.
  • Gespräche mit Familienangehörigen, Zeitzeugen und Wegbegleitern.

Axel Brunk, Sensweiler
Heft 179 | Stand: 3/2022