
† 07.10.1951 in Fischbach
Vater: Friedrich Boor (Nagelschmied, Kaffeeröster, Mundartdichter)
Mutter: Philippine, geb. Crummenauer
Biografie
1869 wurde Carl Boor als Sohn des in der Tradition Joseph Rottmanns schreibenden, später recht bekannten Mundartdichters Friedrich Boor in Hellertshausen geboren. Zwei Jahre nach seiner Geburt verstarb seine Mutter Philippine, worauf der Vater kurze Zeit später die ererbte Landwirtschaft und seinen erlernten Beruf als Nagelschmied aufgab und ins Saargebiet zog, wo er sich in der schnell wachsenden Industrie bessere Verdienstmöglichkeiten erhoffte. Als diese Hoffnung sich nicht erfüllte, kehrte er mit Carl und dessen älterem Bruder in den Hunsrück zurück und ließ sich in Fischbach nieder, wo er eine Kaffeerösterei betrieb.
Carl erlernte nach der Volksschule den Malerberuf mit dem Ziel, in Richtung Kunst- und Dekorationsmalerei tätig zu werden. Als Malergeselle ging er mit einem Kollegen auf Wanderschaft Richtung Norden. In Düsseldorf blieben sie längere Zeit, und Carl besuchte einige Kurse an der dortigen renommierten Malakademie, um seine Technik, immer im Blick auf seinen Wunschberuf, zu vervollkommnen. In Antwerpen bestiegen sie kurzentschlossen ein Schiff nach New York mit großen Hoffnungen, die rasch verflogen. Carl Boor fand keine passende Arbeit – in den USA herrschte damals eine wirtschaftliche Flaute, als Einwanderer kannte er weder die Sprache noch hatte er ausreichende Geldreserven. Nach einem halben Jahr kehrte er zurück, um dann gleich seinen pflichtgemäßen Wehrdienst abzuleisten. Er arbeitete danach weiter in seinem erlernten Beruf und machte die Prüfung zum Malermeister, womit er sich selbständig machen konnte.
Carl Boor heiratete Johannette Schmidt, ebenfalls aus Hellertshausen stammend. 1899 kam ihr Sohn Friedrich, ihr einziges Kind, zur Welt. In Fischbach erwarb er ein kurz vorher erbautes, geräumiges Haus und eröffnete ein Farben- und Tapetengeschäft – daneben einen Lebensmittelladen mit Drogerie und Haushaltsporzellan und später nach dem Weltkrieg auch eine Wagenlackiererei. Bei wachsender Kundschaft konzentrierte er sich auf diese Geschäfte und zog sich aus den Außer-Haus-Arbeiten zurück. Dann wurde die Familie von zwei Schicksalsschlägen getroffen. Carl Boors Ehefrau starb 49-jährig nach einer Operation, er selber erkrankte Mitte der 1920er Jahre an einer lebensbedrohlichen Bleivergiftung, zu der Zeit eine Berufskrankheit. Nach seiner Genesung zog er sich notgedrungen aus allen Geschäften zurück und übertrug sie seinem Sohn.
Mit seiner zweiten Ehefrau Catharina bezog er eine Wohnung im Obergeschoss seines Hauses, wo er nach dem Tod seiner Frau von der Familie des Sohnes betreut wurde. Diese Probleme hatten aber trotz allem eine positive Seite: Endlich konnte er sich intensiv seiner stillen Leidenschaft, der Malerei widmen, was er bis dahin nur in der Freizeit tun konnte. Der Vormittag gehörte jetzt der Malerei – er arbeitete sehr konzentriert und ließ sich auch nicht ablenken, wenn sein kleiner Enkel, der ihn oft besuchte, laut um ihn herumwuselte; beide verband ein sehr enges Verhältnis. Portraits und Landschaften, auch mit Genre-Szenen, waren die Schwerpunkte seiner Malerei, die er beide technisch perfekt beherrschte.
Sein Kundenkreis wuchs durch Mundpropaganda; er hat nie in seinem Leben eine Ausstellung seiner Bilder angestrebt oder veranlasst, aber viele hingen im hohen Treppenhaus und Flur zur Ansicht. Obwohl er sich als Kunstmaler betätigte, verstand er sich nie als Künstler, sondern als Handwerker in einem besonders qualifizierten Bereich, indem er sein Lieblingsfach zu einer Art zweitem Beruf machen konnte – ein Glücksfall. Er suchte auch nie Kontakt zu den gerade um diese Zeit rasch wechselnden Kunststilen, die den Naturalismus der bisherigen Kunst verließen.
Als geborener Realist bildete er die sichtbare Welt ab und trachtete danach, dies perfekt zu tun. Die Keilrahmen für seine Bilder fertigte er selbst an, bespannte sie mit der Leinwand, grundierte sie mit weißer Farbe und trug das Motiv ohne mechanische Hilfe mit dickem Zimmermannsbleistift freihändig auf. Die damals üblichen Goldrahmen schnitt er passend aus 2-m-Stangen vom Handel. Eines seiner Bilder hängt in der Fischbacher Kirche: Martin Luther (nach einem Lukas-Cranach-Bild).
Wenige Jahre vor seinem Tod gab er die Malerei auf: Das Augenlicht nahm ab, die Malerhand wurde zittrig. Zunehmende Altersschwäche machte ihn einige Monate bettlägerig. Er starb, „alt und lebenssatt“, am 7. Oktober 1951 an einem Sonntagnachmittag und wurde in Fischbach beerdigt.
Quellen / Literatur
- Karl Boor, Carl Boor, in: Rhein-Hunsrück-Kalender 2018, S. 113-116.
- Unterlagen der Familie Boor.
Karl Boor
Heft 165 | Stand: 12/2017
