Boor, Friedrich

Friedrich Boor
* 30.06.1844 in Hellertshausen
† 17.12.1919 in Fischbach
Vater: Johann Nikolaus Boor (Bauer und Nagelschmied)
Mutter: Maria Elisabeth, geb. Febinger

Biografie

Als Dialektdichter sah sich Friedrich Boor ganz in der Nachfolge des von ihm verehrten Peter Joseph Rottmann, dessen Tod er bitter beklagte:

Wer hot de Dod vun Rottmann net beklahd?
En Jerer wuhl, ob hoch er orrer Nierer.
Eich honn schunn selwer hunnert mohl gesahd:
„E so e Rottmann kemmt so ball net wierer.“

Zwei umfangreiche Dialekt-Gedichtbände hat er veröffentlicht. Bei aller Wertschätzung seiner Dichtkunst sind sich die Sachverständigen heute allerdings einig, dass diese Gedichte in ihrer Wertigkeit für die Volks- und Sprachkunde nicht an diejenigen seines Vorbildes heranreichen. Trotzdem ist Boor als augenzwinkernder, humorvoller Dichter mit Sinn für die treffende Schlusspointe im Raum Birkenfeld bis heute lebendig geblieben.

Boors Sinn für die Dichtkunst wurde früh durch seinen Lehrer Bottländer in der Volksschule in Hottenbach geweckt; wie P.J. Rottmann begeisterte er sich besonders für die Werke Friedrich Schillers. So gab er schon im Alter von 21 Jahren bei der Druckerei Peter Drey in Oberstein ein Büchlein mit lyrischen und dramatischen Gedichten in hochdeutscher Sprache heraus, das auch zwei Theaterstücke („Trauerspiele“) im Stile Schillers enthielt. Beim Publikum fiel dieses Büchlein völlig durch und war häufiger Anlass zu Spott und Neckereien. Der als sehr humorvoll und lebenslustig beschriebene Mann, der bei seinem Vater den Beruf des Nagelschmieds erlernt hatte, fühlte sich gekränkt. Nach seiner Heirat mit Philippina Crummenauer (* 1840) im Jahre 1867 und der Geburt der Kinder Ludwig (verstarb während des Militärdienstes an Lungenentzündung) und Carl (1869-1951) – die Tochter Anna verstarb im Babyalter (*/† 1870) – verließ er Hellertshausen und ging nach Burbach/Saar, um bei der dortigen Hütte zu arbeiten. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg (1870/71) und dem frühen Tod seiner ersten Frau (1871) kehrte Boor nach Hellertshausen zurück, verkaufte sein Elternhaus und zog nach seiner zweiten Heirat mit Margarethe Brenner (1845-1906) aus Saarbrücken 1882 nach Fischbach, wo er ein Haus erwarb. Hier betrieb er erfolgreich eine kleine Kaffeerösterei, die im Versandhandel ganz Deutschland belieferte, und behandelte als Naturheilkundiger Kranke. In zweiter Ehe hatte Friedrich Boor vier Kinder, drei Töchter und den Sohn Fritz, der im ersten Lebensjahr verstarb.

1887, sechs Jahre nach Rottmanns Tod, veröffentlichte Boor seinen ersten größeren, nunmehr positiv aufgenommenen Gedichtband unter dem gleichen Titel wie Rottmann („Gedichte in Hunsrücker Mundart“) im Verlag von A. Reichard in Kreuznach. Er zeigte, dass Boor durchaus in der Lage war, die Sprache der Hunsrücker in fließende Gedichtformen zu bringen, die vom Duktus und der Sprachbeherrschung her den Gedichten Rottmanns kaum nachstehen. Trotzdem ist er in der Literaturgeschichte weitgehend vergessen, was vor allem inhaltlich begründet ist. Zu sehr lag sein Schwerpunkt auf der Anekdote, dem Volkswitz, der bei Rottmann zwar ebenfalls regelmäßig auftritt, doch meist nur den Schlusspunkt einer längeren Beschreibung bildet, die das Typische des Verhaltens der Hunsrücker herausstreicht. Boors „Stickelcher“ sind weit weniger tiefgründig und könnten sich – sieht man von der Sprache und den häufigen Ortsangaben ab – ebenso gut in einer anderen Region abgespielt haben. Obwohl schon 1887 angekündigt, dauerte es bis zum Jahre 1905, bis Boor unter dem Titel „Dialektgediegde – Allerhand Geschiegde – Hunsrücker Humor“ im Verlag von Bock & Seip in St. Johann/Saar einen zweiten Band seiner humorvollen Geschichten folgen ließ, für den das oben Gesagte gilt. Leider haben seine Werke nicht die überregionale Verbreitung gefunden, die sie verdient gehabt hätten. Angesichts seiner herausragenden handwerklichen Fertigkeiten gebührt ihm aber ein besonderer Platz in der Geschichte der Hunsrücker Dialektdichtung.

Friedrich Boor starb am 17. Dezember 1919 in Fischbach.

Quellen / Literatur

  • Georg Walter Diener, Friedrich Boor (1844-1919). Ein vergessener Hunsrücker Mundartdichter, in: Hunsrückkalender 1968, S. 70-72.
  • Georg Walter Diener, Friedrich Boor (1844-1919). Ein vergessener Hunsrücker Mundartdichter. Vergleich mit Rottmann, in: Heimat zwischen Hunsrück und Eifel 17 (1969), Nr. 2.
  • Karl Boor, Der Mundartdichter Friedrich Boor, in: Jahrbuch 2010 des Hunsrückvereins, S. 77-79.
  • Freundliche Mitteilung von Karl Boor (Urenkel), Fischbach, vom März 2013.

Dr. Achim R. Baumgarten, Simmern
Heft 152 | Stand: 3/2013