Buchloh, Friedrich („Fritz“) Hermann

Friedrich („Fritz“) Hermann Buchloh. Foto: Stadtarchiv Mülheim/Ruhr
* 26.11.1909 in Mülheim/Ruhr
† 22.07.1998 in Mülheim/Ruhr
Vater: Friedrich Buchloh (Schlosser)
Mutter: Charlotte Katharina, geb. Jaeger

Biografie

Als Fußball-Torhüter mit gutem Stellungsspiel und hervorragenden Reflexen spielte der in einfachen Verhältnissen aufgewachsene Fritz Buchloh in den 1930er Jahren für den VfB Speldorf (Stadtteil von Mülheim). Sein Vater Friedrich war schon sieben Monate vor seiner Geburt verstorben. Im Oktober 1929 machte er sein erstes Auswahlspiel für Westdeutschland im Bundespokal. Insgesamt 25 Repräsentationsspiele bestritt er in der Folge für Westdeutschland, 18 für den Niederrhein und drei für Berlin. Bald berief ihn Reichstrainer Dr. Otto Nerz in die Nationalmannschaft, im Dezember 1932 war sein erster Länderspieleinsatz, gegen die Niederlande. 16 weitere Länderspiele folgten. Buchloh stand 1934 für die WM in Bereitschaft, gehörte der Olympiamannschaft 1936 an und blieb bis 1938 im Nationalkader. Einmal, am 8. Mai 1935 gegen Irland, war er Spielführer. 1937/38 ging er, von der Verwaltungstätigkeit beurlaubt, nach Berlin, um dort den Abschluss als Diplom-Sportlehrer zu erwerben. Dort trat er für Hertha BSC an, 1938/1939 spielte er für Schwarz-Weiß Essen.

Am 6. Mai 1939 heiratete er in Mülheim/Ruhr Hildegard Katharina von der Dunk, mit der er drei Kinder hatte: Friedrich (* Mülheim 13.02.1940), Hildegard (* Mülheim 05.09.1941) und Rolf, geboren in Simmern am 8. Mai 1947.

Im Zweiten Weltkrieg war Buchloh, Hauptmann und Kompanieführer, mehrfach verwundet, erlitt elf Knochenbrüche und geriet in russische Kriegsgefangenschaft, aus der er fliehen konnte. Es folgte eine Internierung durch die Franzosen. In Berlin hatte Buchloh die Bekanntschaft von Willi Thomas aus Simmern gemacht, aus der eine enge Freundschaft entstanden war. Im Zweiten Weltkrieg hatten Buchlohs Frau und die beiden Kinder daraufhin Unterschlupf in Simmern gefunden. In der Gefangenschaft hatte er zudem Werner Bast aus Riesweiler kennengelernt.

Nun kam Buchloh aus dem Lager Bretzenheim zu landwirtschaftlichen Arbeiten zur ebenfalls aus Mülheim stammenden, befreundeten Familie Tusch nach Michelbach. 1946 übernahm er für zwei Jahre deren Hof und bewirtschaftete ihn mit seiner Frau und seinem Sohn Fritz. Jakob Neuheuser und die Gebrüder Vollrath baten ihn, sich bei der Wiedergründung des TuS Neuerkirch-Külz zu engagieren, was Buchloh gerne tat. Er besuchte und organisierte das Training, baute eine gute Mannschaft auf und spielte selbst mit. 1947 kam sein Sohn Rolf in Simmern zur Welt.

1948 wurde er Trainer der isländischen Nationalmannschaft. Buchlohs Familie zog nun in die Vollraths-Mühle in Neuerkirch. Nach einem kurzen Deutschlandaufenthalt zog Buchloh 1949 ganz nach Island und betreute die Nationalelf bei einem Länderspiel. 1951 zog die Familie nach Mülheim zurück; in Keidelheim behielt sie ein Feriendomizil. 1950 übernahm Buchloh als Verbandstrainer die Mannschaft des Niederrheins, 1952 bis 1954 trainierte er SW Essen.

Die Freundschaft zu Willi Thomas führte dazu, dass Buchloh am 16. August 1953 ein Spiel der isländischen Nationalmannschaft gegen eine Rheinlandauswahl im Simmerner Hunsrückstadion zu Wege brachte. Die Isländer verloren vor 4.000 Zuschauern mit 2 zu 6. Noch ein zweites Mal, Ende der 1960er Jahre, konnte Buchloh ein Spiel mit isländischer Beteiligung in Simmern organisieren: Zur Einweihung der Flutlichtanlage in Simmern spielte der VfR Simmern gegen eine Stadtauswahl aus Reykjavik.

Im Bund Deutscher Fußballlehrer übernahm er bei der Gründungsversammlung am 9. September 1957 für über zwei Jahrzehnte das Amt des Schatzmeisters, 1978 wurde er Ehrenmitglied. Bei der Gründung der Union Europäischer Fußball-Trainer 1980 in Wien wurde er 2. Präsident. Der VfB Speldorf ernannte ihn zum Ehrenvorsitzenden.

Hochbetagt starb der außergewöhnliche Fußballtorwart Fritz Buchloh am 22. Juli 1998 in seiner Geburts- und Heimatstadt Mülheim.

Quellen / Literatur

  • Gustav Schellack und Willi Wagner, Neuerkirch. Ein Dorf im Hunsrück. Vergangenheit und Gegenwart, Neuerkirch 1986, S. 220f. (Schriftenreihe des Hunsrücker Geschichtsvereins 17)
  • Michael Bongard, Nationaltorwart Buchloh war zwei Jahre Hunsrücker (nach Otto Berg), in: Rhein-Hunsrück-Zeitung vom 18. April 2020.
  • Michael Bongard, 4000 Fans sehen im Hunsrückstadion ein 6:2 gegen Island, in: Rhein-Hunsrück-Zeitung vom 18. April 2020.
  • Auskünfte des Stadtarchivs Mülheim/Ruhr: Meldekarten der Eltern und von Fritz Buchloh (1550/312).
  • Wikipedia: Fritz Buchloh.

Dr. Achim R. Baumgarten, Simmern
Heft 183 | Stand: 10/2023