
† 12.07.1853 in Karden/Mosel
Vater: Hubert Cadenbach
Mutter: Anna Maria, geb. Claußen
Biografie
Johann Aloys Cadenbach, geboren in Koblenz am 21. Juni 1776, war der einzige Sohn des kurtrierischen Hofgerichtsadvokaten und Wirts Hubert Cadenbach (1745-1824), der dem katholischen Glauben angehörte. Er besuchte das kurfürstliche Gymnasium in Koblenz, wo er am 16. September 1790 die damalige Reifeprüfung mit einem Examen in Philosophie bestand. Nach seinen Worten vertiefte er dann seine Studien und „de me rendre util à ma patrie“. Es folgten drei Jahre Studium der Rechtswissenschaften (1794-1797) an der Universität Bonn, einem Zentrum der rheinischen Aufklärung.
Nach seiner Rückkehr nach Koblenz schloss er sich den Cisrhenanen an, die die Errichtung einer rheinischen Republik unter französischer Schutzherrschaft befürworteten. Nach seinen eigenen Angaben wurde Cadenbach am 25. September 1797 in den Magistrat der Stadt Koblenz berufen. Nach der Errichtung einer neuen Verwaltung wurde er am 8. April 1798 Mitglied der siebenköpfigen Munizipalität von Koblenz. Doch schon Ende August schied er wieder aus diesem Gremium aus. Gründe waren nach Jürgen König interne Streitigkeiten und seine das Misstrauen des Regierungskommissars Rudler erregende heftige Kritik an der hohen Steuerlast, die der französische Staat seinen neuen Bürgern auferlegte.
Nach seiner Entlassung finden wir Johann Aloys Cadenbach im Hunsrück. Am 21. Dezember 1798 wählte ihn die Munizipalität des Kantons Kirchberg einstimmig zu ihrem Sekretär (secretaire en chef). In Kirchberg heiratete er Hedwig Therese Diel, laut Standesamtakten am „Zwanzig Neunten Fruktidor im Siebenten Jahr der fränkischen Republik“, also am 15. September 1799. Seine Ehefrau war eine Tochter des Kirchberger Notars Heinrich Christoph Diel, der vor der französischen Revolution kurtrierischer Amtmann auf der Schmidtburg war.
Nach Ablösung der alten Verwaltung durch das sogenannte Präfektursystem wurde er am 20. Dezember 1800 Maire von Sohren. Durch kaiserliches Dekret wurde er am 4. April 1806 zum Mitglied des Bezirksrates des Arrondissements Simmern ernannt. Anfang 1806 setzte ihn der Unterpräfekt van Recum als Liquidator der Schulden von Kirn ein. Im Mai 1806 folgte bereits die Ernennung zum Maire in Kirn. Von den französischen Präfekten wurde er Ende 1807 und 1812 in diesem Amt bestätigt. Nach einer kurzen Zugehörigkeit zum Kreis Simmern kam der Gemeindeverband der ehemaligen „Mairie Kirn“ im Mai 1816 zum Kreis Oberstein. Erst im April 1817 wurde endgültig entschieden, dass die in „Bürgermeisterei Kirn“ umbenannte „Mairie Kirn“ dem Kreis Kreuznach angehören sollte. Auch unter den Preußen behielt Cadenbach sein Bürgermeisteramt.
In der kleinen Bürgermeisterei Kirn an der Preußischen Grenze war das Gehalt nur dürftig; er besaß in Kirn weder eine Dienstwohnung noch ein angemessenes Dienstlokal. Im Jahre 1819 startete er einen vergeblichen Versetzungsversuch in die Bürgermeisterei Andernach. Am 22. Februar 1826 ernannt ihn schließlich die Königliche Regierung zum Nachfolger des verstorbenen Bürgermeisters Friedrich David Storck in Kastellaun. Am 10. Dezember 1845 schied er aus Altersgründen aus dem Dienst aus.
Johann Aloys Cadenbach war ein ausgezeichneter Verwaltungsbeamter. Sowohl von den französischen als auch von den preußischen Behörden erhielt er großes Lob. So hieß es anlässlich einer Revision am 19. Oktober 1832: „Obgleich aus 26 Gemeinden bestehend, wird doch diese Bürgermeisterey (Castellaun, d. V.) durch den Bürgermeister Cadenbach vorzüglich administrirt. Die formelle Geschäftsführung ist eine der beßten im ganzen Regierungsbezirke“. In dieser Beurteilung heißt es auch, er sei Kreisdeputierter des Kreises Simmern.
Das Ehepaar Cadenbach hatte im Jahre 1826 „10 lebende Kinder“. Das älteste Kind, Hubert Joseph, noch geboren in Kirchberg im Januar 1800, war in den Jahren 1858 bis 1867 Oberbürgermeister von Koblenz. Das Vermögen der Familie war ein Opfer der französischen Revolution geworden. Viel Geld wurde in die Ausbildung der Kinder investiert. So besuchten seine sieben Söhne ein Gymnasium in Koblenz, wo sie oft bei ihren Großeltern wohnen konnten. Schon einige Jahre vor seiner Pensionierung hatte Johann Aloys seine Frau verloren, die am 19. Mai 1841 in Koblenz verstorben war. Er verbrachte seinen Lebensabend in Karden, wo er gleich drei Söhne um sich hatte. So war sein Sohn Franz Aloys Ludwig ab Anfang 1844 Bürgermeister von Treis; sein jüngster Sohn Franz Wilhelm ab 1851 Pastor in Karden. Johann Aloys Cadenbach starb am 12. Juli 1853 in Karden, zuvor gepflegt von seiner unverheirateten Tochter Anna Maria.
Quellen / Literatur
- Michael Frauenberger und Robert Schwan, Die katholische Pfarrei St. Michael in Kirchberg (1675 -1900), hrsg. von Westdeutsche Gesellschaft für Familienkunde, Köln 2013.
- Jürgen König, Verwaltungsbeamte im Kanton Kirchberg zu Beginn des 19. Jahrhunderts, Kirchberg 1997.
- Helmut Prößler, Cadenbach, Darstellung einer rheinischen Familie, Aachen 1986. Daraus auch der Ausschnitt eines Portraitgemäldes von Cadenbach, das vom Ehrenbreitsteiner Hofmaler Heinrich Foelix († 1803) stammt.
- Landeshauptarchiv Koblenz, Best. 441, Nrn. 3026, 7844 und 7766 sowie Best. 655/014, Nr. 1448.
- Stadtarchiv Mainz, Best, 61, Nr. 16: État des services des fonctionnaires du Département de Rhin et Moselle … (Fragebogen der für die wichtigsten Verwaltungsbeamten im März / April 1800), Bl. 153f.
- Verbandsgemeindeverwaltung Kirchberg / Hunsrück, Standesamtsarchiv; darin teilweise abweichende Daten gegenüber den Angaben von Prößler und König.
Dr. Hans Dunger, Kirchberg
Heft 157 | Stand: 1/2015
