
† 09.08.1830 in Mannheim
Vater: Ludwig Heinrich von Closen zu Haydenburg
Mutter: Elisabeth Charlotte Friederike, geb. Freifrau von La-Roche
Biografie
Schon als Jugendlicher – wahrscheinlich als Page – in die Residenzstadt Zweibrücken gekommen, trat von Closen im Alter von 14 Jahren als Unterleutnant ins Regiment Royal Allemand de Deux-Ponts ein, das der Herzog von Zweibrücken den Franzosen vertraglich zur Verfügung stellen musste. Hier stieg er schnell auf, machte ab 1780 den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg als Adjutant des Regimentskommandeurs General Rochambeau mit, erhielt den Orden „Pour le Mérites“ und traf mit George Washington zusammen.
1783 kehrte er nach Zweibrücken zurück und heiratete wenig später Dorothea von Fürstenwärther, mit der er fünf Kinder hatte. Kurz nachdem er zum Maréchal de Camps (etwa Generalmajor) befördert worden war, quittierte er den Dienst und hielt sich längere Zeit stellungslos an verschiedenen Orten Europas auf, wobei er sich ab 1801 um eine Anstellung im französischen Militär- oder Verwaltungsdienst bemühte. Ein Jahr zuvor, am 24. September 1800, war seine Frau gestorben.
Am 19. Februar 1806 wurde von Closen als Nachfolger van Recums zum Unterpräfekten des Arrondissements Simmern ernannt. Dass er dieses nicht unbedeutende Amt erhielt, stieß allgemein auf Erstaunen und war wohl der Fürsprache seines früheren Chefs, des Marschalls Rochambeau, und seines alten Kriegskameraden und jetzigen Präfekten des Rhein-Mosel-Departements, Alexandre Lameths, vor allem aber einem von Napoleon selbst beim Besuch in Mainz gegebenen Versprechen zu verdanken.
Im März 1896 traf er in Simmern ein, wo er wie sein Vorgänger in der alten Amtssschreiberei am Schlossplatz seinen Amtssitz und seine Dienstwohnung nahm. Von Closen war ein guter Soldat gewesen, zum Führen der Unterpräfektur fehlten ihm jedoch sowohl die Qualifikationen wie auch das Interesse. Von Anfang an war er völlig abhängig von dem von seinem Vorgänger übernommenen Chefsekretär Ferdinand Zeiller, der ihn zusammen mit seiner Frau dirigierte. Nach dessen Ablösung führte der Simmerner Maire, Francoise Chardon, weitgehend seine Amtsgeschäfte.
Von Closen beherrschte mehrere Fremdsprachen, war loyal und aufrecht, doch blieb sein Regiment schwach und ohne Antrieb. Trotz seiner Intelligenz wirkte er oft völlig taktlos und dilettantisch. In Simmern fühlte er sich stets unwohl, betrieb ohne Erfolg die Verlegung des Amtssitzes nach Kreuznach, stellte unablässig Versetzungsanträge und sprach in privaten Briefen von seinem „traurigen Simmern, wo ich bestimmt nicht begraben sein möchte“. Mit seinen vier Töchtern (der Sohn war in München geblieben), die er alle an auswärtige Adlige verheiraten konnte, lebte er sehr zurückgezogen. Immerhin setzte er sich für die Verbesserung der Pferdezucht und die Steuergerechtigkeit ein. Eine Bewerbung um die Stelle des Präfekten in Koblenz scheiterte. 1811 wurde er zum Ritter der Ehrenlegion ernannt.
Im Zuge des Zusammenbruchs der französischen Herrschaft floh von Closen am 1. Januar 1814 mit dem Präfekten aus Simmern. Für einige Monate verlor sich seine Spur, 1815 tauchte er in Mannheim wieder auf. Dort verbrachte er, vergeblich auf eine Neueinstellung in der Verwaltung hoffend, seine letzten Lebensjahre.
Am 9. August 1830, mittags gegen 11 Uhr, verstarb Hans Christoph Ludwig von Closen in Mannheim.
Quellen / Literatur
- Ernst-Otto Simon, Hans Christoph Ludwig von Closen, aus niederbayerischem Adel, französischer General, Teilnehmer am Unabhängigkeitskampf der USA und dann Unterpräfekt in Simmern, Simmern 1986. (Schriftenreihe des Rhein-Hunsrück-Kreises Nr. 3)
- Rheinland-Pfälzische Personendatenbank: Closen, Ludwig von (rpb.lbz-rlp.de).
Dr. Achim R. Baumgarten, Simmern
Heft 168 | Stand: 10/2018
