
† 20.07.1898 in Berlin
Vater: Jakob Christoph (seit 1840 von) Cuny (Regierungspräsident)
Mutter: Anna Friederike Helene, geb. Schneider
Biografie
Als Prof. Dr. Treitschke 1884 nicht mehr zur Reichstagswahl kandidierte, war der Weg im Wahlkreis Simmern-Kreuznach frei für Prof. Dr. Ludwig von Cuny, der bereits 1874 bis 1881 im Wahlkreis Dessau-Zerbst in den Reichstag gewählt worden, dort aber 1881 dem freisinnigen Gegenkandidaten Erich Sello unterlegen war.
Von Cuny war 1833 in Düsseldorf geboren. Nach dem Besuch der Gymnasien in Aachen, Koblenz, Berlin und Kleve studierte er 1850 bis 1853 Jura in Bonn und Berlin, war 1853 Auskultator in Kleve, 1855 bis 1858 Rechtsreferendar und danach Landgerichtsassessor in Kleve, Köln und Bonn. 1870 machte er als freiwilliger Krankenpfleger mit einer eigenen Sanitätskolonne den Feldzug gegen Frankreich mit. Nach der Einnahme Straßburgs wurde er dort Untersuchungsrichter, bis zum 1. Oktober 1871 Vorsitzender des Kriegsgerichts für das Elsaß und danach Appellationsgerichtsrat in Colmar. Nachdem er auf eigenen Wunsch aus dem Richterdienst ausgeschieden war, wurde er 1875 außerordentlicher Professor der Rechte in Berlin (1889 ordentlicher Professor).
1873 war er im Wahlkreis Lennep-Solingen-Remscheid in den Preußischen Landtag gewählt worden, 1874 folgte die Wahl in den Reichstag. Seit 1883 gehörte er der Justizprüfungskommission an, seit 1884 der preußischen Hauptverwaltung der Staatsschulden. In der nationalliberalen Partei, in der er verschiedene Ämter ausübte, gehörte er zum rechten Flügel.
Im Wahlkreis Simmern-Kreuznach traf er in der Regel den Nerv der Mehrheit der Wähler und wurde 1887, 1890, 1893 und 1898 jeweils wiedergewählt. Kurz vor der Stichwahl am 24. Juli 1898 starb er überraschend am 20. Juli 1898 an einem Herzinfarkt.
Von Cunys Hauptinteresse galt juristischen Themen, insbesondere auf dem Gebiet des bürgerlichen Rechts (BGB). Mit der Ansicht seiner Hunsrücker Wähler lag er vor allem in religiösen Fragen öfter über kreuz, immerhin setzte er im Interesse seines Wahlkreises ein entsprechendes Weingesetz durch. Große Bedeutung hatte für ihn auch die Auswanderungs- und Kolonialpolitik, den Kolonialverein unterstützte er mit beachtlichen finanziellen Mitteln.
Seit 1873 mit Mathilde, geb. Dohle, verheiratet, blieb von Cunys Ehe kinderlos. Allerdings nahm er zwei Pflegekinder (Nichte und Neffe der Ehefrau) auf. 1894 wurde er mit dem Kronenorden 2. Klasse ausgezeichnet. Am 16. Oktober 1897 hielt von Cuny seine letzte Wahlversammlung in Simmern ab. Nach seinem Tod fand am 25. August 1898 eine Nachwahl statt, die Hermann Paasche gewann.
Immer wieder hervorgehoben wurde von Cunys große Gastfreundschaft und sein Hang zur Geselligkeit, der es seinen Gästen leicht machte, sich bei ihm wohlzufühlen. Trotz seiner hohen geistigen und politischen Fähigkeiten hat er nie eine Führungsrolle eingenommen, sondern blieb meist in der Rolle des scharfen Beobachters und Kommentators. Das von ihm heiß ersehnte Inkrafttreten des BGB hat er nicht mehr erlebt.
Quellen / Literatur
- Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser, 1910, S. 137.
- Bernd Haunfelder, Die liberalen Abgeordneten des Deutschen Reichstags 1871-1981, Münster 2004, S. 105.
- [Martin] Spahn, Cuny, Ludwig von, in: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB), Band 47, Leipzig 1903, S. 575-580.
Dr. Achim R. Baumgarten, Simmern
Heft 158 | Stand: 3/2015
