Der Jäger aus Kurpfalz

* 18. Jahrhundert?
† 18. Jahrhundert?
Vater: unbekannt
Mutter: unbekannt

Biografie

Das Lied vom Jäger aus Kurpfalz ist das wohl bekannteste deutsche Jägerlied. Es entstand vermutlich gegen Ende des 18. Jahrhunderts und wurde anfänglich durch Liedflugschriften verbreitet. Weder der Urheber noch der Kontext der Entstehung dieses ursprünglich erotischen Liedes, aus dem in den Liederbüchern später die einschlägigen Strophen getilgt wurden, sind bekannt. Bei den in den letzten 100 Jahren erfolgten Zuschreibungen handelt es sich in der Regel um reine Legendenbildungen.

Die Wissenschaft geht heute davon aus, dass das Lied um 1790 geschaffen wurde. In seinen meist fünf Strophen geht ein reitender Jäger aus der Kurpfalz (genannt „Hubertus“) nach eigenem Gutdünken unabhängig und ohne Beschränkung dem Jagdvergnügen nach. Mit einem Mädchen von 18 Jahren, das er dabei antrifft, lebt er seine sexuelle Lust aus („zwischen die Bein, auf einmal hinein, da muss das Tier geschossen sein“), was in einem „Kuckuckskind“ („bis dass der Kuckuck kuckuck schreit“) resultiert. Wegen dieser Anzüglichkeiten wurden die Flugblätter in der Anfangszeit verschiedentlich konfisziert.

Ältere Datierungen sind willkürlich und gehen meist auf den Musiklehrer Ludwig Christian Erk (1807-1883) zurück, der von einer Entstehung „vielleicht schon um 1763“ sprach. Auf ihn fußend, bemerkte der Volksliedforscher Franz Magnus Böhme (1827-1898), dass das Lied „zu Anfang des 18. Jahrhunderts entstanden sein mag“. Beides ist spekulativ. Die erste datierbare Spur des Volksliedes findet sich erst 1794. Die Melodie hat sich seit seinem ersten Auftauchen nicht verändert.

Ein zweiter Strophenblock, erstmals 1841 veröffentlicht, könnte bereits zum Ursprungstext gehört haben. Der Jäger trifft darin „zwei Leut“, die er in die Kurpfalz begleitet und dort zu einem Festmahl einlädt. Was darauf folgt, wird als bekannt vorausgesetzt („Was noch geschah, denkt selber nach!“).

In der Zeit nach dem Hambacher Fest (1832) wurde das Lied als populäres „pfälzisches Nationallied“ bezeichnet, das bei festlichen Anlässen, aber auch auf Kirmessen gespielt und gesungen wurde. Allerdings sei es, so der Kulturhistoriker Wilhelm Heinrich Riehl (1823-1897), den Gebildeten peinlich gewesen, da es in der verstümmelten Form nichtssagend und sinnlos sei.

In der Folge entstanden zahlreiche Liedparodien mit politischen oder erotischen Inhalten (auch Fastnachtslieder). Die Zuschreibungen zu historischen Personen (so Pfalzgraf Johann Casimir, 1543-1592; Friedrich Wilhelm Utsch, 1732-1795; Johann Adam Melsheimer, 1683-1757; u.a.) sind in der Regel Fiktion. Verdichtete Hinweise liegen hingegen vor, dass das Lied sich auf Kurfürst Carl Theodor von der Pfalz (1724-1799) bezogen haben könnte und aus dem Umfeld der Kurfürstin Elisabeth Auguste stammte.

Die eingängige Melodie hat das Lied bis heute populär gehalten. Es wurde in Norwegen adaptiert und ging in den Liederkanon des Landes ein. Die jüngsten Parodien lieferte der afro-amerikanische Jazz-Musiker Rick Abao (1939-2002), der das Lied im Stil verschiedener Musikkulturen interpretierte und auch eine Techno-Version („Der Techno-Jäger aus Kurpfalz“) schuf.

Quellen / Literatur

  • Tobias Widmaier, Ein Jäger aus Kurpfalz, in: Populäre und traditionelle Lieder. Historisch-kritisches Liederlexikon, URL: http://www.liederlexikon.de/lieder/ein_jaeger_aus_kurpfalz/

Dr. Achim R. Baumgarten, Simmern
Heft 166 | Stand: 6/2017