Diener, Dr. Georg Walter

Dr. Georg Walter Diener
* 27.10.1891 in Gemünden
† 20.01.1987 in Wiesbaden
Vater: Adolph Diener (Postbeamter)
Mutter: Elise, geb. Walter

Biografie

Schon früh verließ Georg Walter Diener, einem alten Gemündener Geschlecht entstammend, nach dem Besuch der Volksschule seinen Geburtsort und besuchte zunächst ab 1901 die Realschule in Sobernheim, wo er bei seinen Großeltern lebte, und danach ab 1907 das Realgymnasium in Wiesbaden. 1910 begann er an der Universität Heidelberg das Studium der Germanistik und neuerer Sprachen, das er in München und Straßburg fortsetzte. Dort legte er das Staatsexamen ab und promovierte 1916 mit der Arbeit „W. O. von Horn als Heimat- und Volksschriftsteller“.

Nach dem Ersten Weltkrieg, bei dem er an der Westfront schwer verwundet wurde und sieben Monate im Lazarett lag, heiratete er am Heiligen Abend 1918 Adele Baum, Tochter des Hotelbesitzers Wilhelm Baum aus Wiesbaden. Am 1. Oktober 1919 wurde sein einziges Kind Anneliese geboren. Adele Diener starb am 12. November 1967. Noch im Jahr 1918 war er in Wiesbaden als Studienreferendar in den höheren Schuldienst eingetreten, wechselte 1921 nach Frankfurt-Höchst und kam 1944 nach Wiesbaden zurück. 1957 trat er als Oberstudienrat für Englisch und Französisch des Wiesbadener Leibniz-Gymnasiums in den Ruhestand.

Schon als junger Mann hatte sich Diener für die Geschichte seiner Hunsrückheimat begeistert. 1925 verwertete er seine bei der Dissertation gewonnenen volkskundlichen Kenntnisse, ergänzt um viele weitere Quellen, zur „Hunsrücker Volkskunde“. 1927 erschien bei Reclam eine Studie zu „Schinderhannes“, 1932 ebenfalls bei Reclam die „Deutsche Volkskunde – Ein Grundriß“. Es folgten in den Rheinischen Vierteljahrsblättern „Die Auswanderung aus dem Amte Gemünden im 19. Jahrhundert“ (1935) und „Die Auswanderung aus dem Kreise Simmern im 19. Jahrhundert“ (1938). Seit 1933 veröffentlichte Diener Beiträge im Hunsrückkalender.

1962 erschien die „Hunsrücker Volkskunde“ in einer zweiten, erweiterten Ausgabe, 1967 übernahm Diener die Schriftleitung des Heimatführers „Landkreis Simmern“, und 1971 kam das „Hunsrücker Wörterbuch“ heraus, das auf dem Sprachschatz der Gedichte Johann Peter Rottmanns fußte. Mehrere hundert Beiträge von ihm sind in den verschiedensten Publikationsorganen erschienen, neben historischen auch solche zur Philatelie, der zweiten Leidenschaft Dieners. Seit 1952 berichtete er in ca. 60 Sendungen des SWF-Landesstudios Rheinland-Pfalz über seine Forschungsergebnisse. Nicht vergessen werden darf seine Lektorentätigkeit im Brockhaus-Verlag, insbesondere bei der Herausgabe der englisch-deutschen Bildwörterbücher und der Casanova-Tagebücher.

Diener hat seine Heimat geliebt, immer wieder erinnerte er sich an die persönlichen Begegnungen und die Ereignisse seiner Jugend; viele Beiträge behandeln seinen Heimatort Gemünden. Bei seinem 75. Geburtstag erhielt er das „Goldene Doktordiplom“ der Universitäten Straßburg und Frankfurt sowie eine besondere Ehrung des Kreises Simmern wegen seiner Verdienste um die Heimatgeschichte. Ab dem 80. Lebensjahr nahm Dieners Augenlicht kontinuierlich ab, was seine Studien zunehmend behinderte. Trotzdem nahm er an der Fortentwicklung der Hunsrücker Geschichtsforschung weiterhin lebhaft Anteil. Anlässlich seines 90. Geburtstags wurde er vom Hunsrücker Geschichtsverein als ältester Mitarbeiter der „Hunsrücker Heimatblätter“ zum dessen erstem Ehrenmitglied ernannt.

Quellen / Literatur

  • Hajo Knebel, Dr. Georg Walter Diener – 80!, in: Hunsrücker Heimatblätter 25 (1971), S. 521-524, und: In memoriam Dr. Georg Walter Diener, in: Hunsrücker Heimatblätter 70 (1987), S. 383f.
  • Gustav Schellack, Dr. Georg Walter Diener 90 Jahre alt, in: Hunsrücker Heimatblätter 52 (1981), S. 68f.
  • Willi Wagner, Dr. G. Walter Diener neunzig Jahre, in: Rhein-Hunsrück-Kalender 1982, S. 92f., und: Dr. Georg Walter Diener zum Gedächtnis, in: Rhein-Hunsrück-Kalender 1988, S. 101.
  • Werner Zwiebelberg, Die Familie Diener (masch. im Rhein-Hunsrück-Archiv).

Dr. Achim R. Baumgarten, Simmern
Heft 152 | Stand: 3/2013