
† 02.02.1830 in Mannheim
Vater: Samuel Friedrich Gottlieb Freiherr von Drais
Mutter: Elisabeth Cath. Amalie von Reck
Biografie
Die Familie Drais von Sauerbronn (Beamtenadel ohne Grundbesitz) ging auf ein lothringisches Adelsgeschlecht zurück. Seit dem Anfang des 18. Jahrhunderts diente sie der Markgrafschaft Baden und dem Fürstentum Ansbach, wo Wilhelms Vater es als Obristwachtmeister bis zum Geheimen Rat brachte. In Ansbach schenkte ihm sein Ehefrau Amalie von Reck die beiden Söhne Wilhelm (* 23. September 1755) und Georg (1758). Die Mutter starb bereits im Jahre 1769. Der Vater zog dann in die damalige Universitätsstadt Altdorf bei Nürnberg, wo beide Söhne Jura studierten. Nach diesem Studium trat Wilhelm von Drais im Juni 1777 in den Badischen Staatsdienst ein; im Jahr darauf erfolgte seine Ernennung zum adeligen Hofrat und Kammerjunker.
Am 10. August 1784 heiratete er in Pforzheim Margaretha Ernestina Freifrau von Kaltenthal, eine Base von ihm. Ihr Sohn Karl erblickte am 29. April 1785 das Licht der Welt und wurde als der Erfinder des Zweirades (Laufmaschine, Draisine) weitaus berühmter als sein Vater. Die beiden wurden dann noch Eltern von vier Töchtern: Amalie (1786), Luise (1788), Karoline (1789) und Ernestine (1797).
Die Belastungen durch die Arbeit und auch die Annahme zahlreicher Ehrenämter führten Ende der 1780er Jahre zum Ausbruch einer Nervenkrankheit. Der schlimmste epileptische Anfall geschah am 22. Oktober 1788. Sein Badischer Landesherr Karl Friedrich trug diesen gesundheitlichen Problemen Rechnung und versetzte ihn auf eine wohl weniger aufreibende Stelle ins Badische Oberamt Kirchberg. Im September 1790 reiste Drais mit Frau und Kindern in sechs Tagesreisen per Kutsche in den Hunsrück. Er wohnte in der ehemaligen Landschreiberei, heute Hauptstraße 19. Hier erlebte er das Vorrücken der französischen Revolutionstruppen, vor denen er im Oktober 1794 mit seiner Familie über Winningen ins Badische Stammland fliehen musste. Zunächst fand er Aufnahme bei seinem Bruder in Gernsbach.
Die Heilung im „ruhigen“ Kirchberg macht nur langsam Fortschritte. Aus seinen Notizen erfahren wir, dass er sich am 18. Februar 1792 „den meisten Amtsgeschäften entziehen“ musste, und zwar „zur Erholung meiner kranken Nerven“. Am 25. September 1792 reiste er aus Erholungsgründen mit seiner Familie aus Kirchberg zu seinem Bruder nach Gernsbach ab und meldete schließlich am 10. August 1793 seine Rückkehr. Er schrieb u. a.:
„Liebe Bürger und Insassen der Stadt Kirchberg! Ich mache Euch meine Rückkunft bekannt und danke Gott, daß ich wieder bei Euch sein kann. Ich befinde mich zwar noch nicht erholt genug, um nach meinem Wunsch in allen Stücken für Euch zu leben, und muß auf Vorschlag der Aerzte meine Nerven noch gar sehr in Acht nehmen…“
Nach der Flucht im Herbst 1794 zog er nach Durlach, wo er zusehends gesundete. Als 1797 in Rastatt der Friedenskongress ausgerichtet wurde, erhielt Drais dort die Stelle des Polizeidirektors, 1800 kam er in dieser Funktion nach Karlsruhe, wo er auch als Mitglied des Rentkammerkollegiums tätig war; 1803 kehrte er als Präsident des Hofgerichts nach Rastatt zurück, ab 1806 leitete er die Übernahme und Eingliederung des Breisgaus in den badischen Staat und noch im selben Jahr wurde er zum Oberhofrichter in Bruchsal, ab 1810 in Mannheim, ernannt. Diese Stellung als Präsident des höchsten badischen Gerichts hatte er bis zu seinem Tod inne.
Drais‘ umfangreiches publizistisches Werk umfasst hauptsächlich juristische, ökonomische und historische Schriften, er versuchte sich aber auch an Gedichten und am Schauspiel. Die Geschichte und Gesundung von seiner Nervenkrankheit schildert er in einem zweibändigen Werk mit dem Titel „Diætophilus.: Physische und psychologische Geschichte einer siebenjæhrigen Epilepsie. Nebst angehaengten Beitraegen zur körperlichen und Seelendiaetetik für Nervenschwache“. Sein Hauptwerk war die „Geschichte der Regierung und Bildung von Baden unter Karl Friedrich“ (Karlsruhe 1818, 2 Bde.). Von der Universität Freiburg wurde er zum Ehrendoktor ernannt, die Städte Mannheim und Durlach verliehen ihm 1827 die Ehrenbürgerwürde.
Alle fünf Kinder von Wilhelm von Drais blieben unverheiratet. Wahrscheinlich war seine Epilepsie ein entscheidendes Ehehindernis für die Kinder. Wilhelm von Drais verlor die Mutter seiner Kinder im Jahre 1799 durch Tod. Er heiratete in zweiter Ehe die Hofdame Friederika von Rotberg, die im Jahre 1816 verstarb. Er wurde auf dem alten lutherischen Friedhof beerdigt, der aber mittlerweile überbaut ist.
Quellen / Literatur
- Hans-Erhard Lessing, Automobilität, Karl Drais und die unglaublichen Anfänge, Leipzig 2003.
- Derselbe, Obervogt Drais‘ Amtsantritt 1790 in Kirchberg, in: Hunsrücker Heimatblätter Nr. 146, Jg. 51, August 2011, S. 356-364; daraus auch das Portraitfoto (hier ein Ausschnitt).
- Wikipedia: Artikel Karl Wilhelm Ludwig Friedrich von Drais von Sauerbronn, Version 2022-10-09 20:17.
- Stadt Karlsruhe, Stadtarchiv, Eintrag „Karl Wilhelm Ludwig Friedrich Drais Freiherr von Sauerbronn“.
- Generallandesarchiv Karlsruhe, Best. 76, Nr. 1668; darin das Bestallungsschreiben vom 29. April 1790 zum „Obervogt des Oberamts Kirchberg“; ich habe oben die Bezeichnung „Oberamtmann“ verwendet.
- Kath. Pfarrarchiv Kirchberg, Akten Kapelle Ober Kostenz, Karton 34, daraus stammt die Signatur.
- Landeshauptarchiv Koblenz, Bestand 33, Nummern 151, 865 und 3510.
Dr. Hans Dunger, Kirchberg
Heft 183 | Stand: 8/2023
