Ernsthausen, Karl Adolf August Ernst von

Karl Adolf August Ernst von Ernsthausen – Das Portraitfoto stammt von der Kreisbildstelle des Rhein-Hunsrück-Kreises; die Unterschrift vom 6. September 1852 wird im Archiv der VG Kirchberg aufbewahrt.
* 14.03.1827 in Gummersbach
† 24.08.1894 in Bonn
Vater: Karl August Ernst von Ernsthausen
Mutter: Alwine, geb. Striebeck

Biografie

Ernst von Ernsthausen wurde am 14. März 1827 in Gummersbach als Sohn des evangelischen Landrates Karl von Ernsthausen geboren. Er hatte noch einen Bruder und eine Schwester. Beim Tode seiner Mutter war er gerade einmal fünf Jahre alt. In Gummersbach besuchte er die Elementarschule und die höhere Bürgerschule. Er war ein „Naturbursche“, lernte Klavier und Cello und in den Ferien bei seiner Tante genoss er den Umgang mit Pferden. Nach seiner Konfirmation im Jahre 1840 trat er in die Tertia des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums in Köln ein, wo er bei einem Onkel wohnte. Nach dem Abitur startete er im Herbst 1845 sein Jurastudium in Heidelberg. Nach drei Semestern wechselte er nach Bonn, wo sein mittlerweile kranker Vater bis zu dessen Tode (13. August 1847) lebte. Er war ein begeisterter Burschenschafter. Im Revolutionsjahr 1848 nahm er an Pfingsten an der allgemeinen Studentenversammlung in Eisenach teil.

Im September 1848 begann er seine Justizlaufbahn als Auskultator beim Justizsenat in Ehrenbreitstein, wo er 1849 sein Auskultator-Examen bestand. Dort leistete er auch seinen Militärdienst ab. 1850 entschied er sich dann gegen eine Laufbahn im Justizwesen und wandte sich dem Verwaltungsfach zu. Am 7. Mai 1850 erfolgte seine Ernennung zum Regierungsreferendar bei der Regierung in Köln, wo er auf den Regierungspräsidenten und ehemaligen Simmerner Landrat Eduard von Moeller traf. Im Jahre 1851 folgten einige Monate bei der Domänenverwaltung in Potsdam; während dieser Zeit knüpfte er wichtige Beziehungen zu den Berliner Behörden.

Auf von Moellers Empfehlung wurde Ernsthausen ab dem 18. Dezember 1851, also noch 24-jährig, vertretungsweise mit der Verwaltung des Landratsamtes in Altenkirchen beauftragt. Am 19. Juli 1852 wurde er als Landratsamtsverwalter für den erkrankten Landrat von Arnim in Simmern eingeführt. In seinen „Erinnerungen“ liefert er anschauliche Einblicke in die damaligen Hunsrücker Lebensverhältnisse. Fast alle seine Reisen machte er damals zu Pferd. Neben seinen „wichtigsten landräthlichen Geschäften“ Militäraushebung, Steuerveranlagung und Aufsicht über die Gemeindeverwaltung lag ihm der Wegebau besonders am Herzen. Der Bau einer neuen Straße von Simmern über Mengerschied nach Gemünden geht auf ihn zurück.

Parallel zu seiner Tätigkeit als Landratsamtsverwalter bereitete er sich auf die Assessor-Prüfung vor. Nach Abgabe von vier Hausarbeiten folgte die mündliche Prüfung am 30. November 1853 in Berlin. Aus privaten Gründen erfolgte dann die Versetzung an den Niederrhein. Am 4. November 1854 übergab er das Landratsamt in Simmern an seinen Nachfolger J. F. A. E. Hardt. Bürgermeister Rottmann dankte Ernsthausen für alles, was er „zum Nutzen der Gemeinden unternommen, gefördert und vollbracht habe, sowie nicht minder für die seinen Untergebenen erwiesene freundliche und wohlwollende Behandlung…“

Die weiteren Stationen seiner Karriere können an dieser Stelle nur kurz genannt werden: Landrat in den Kreisen Geldern (1854-1857) und Mörs (1857-1865); Verwaltung der Oberbürgermeisterei von Königsberg (1865-1866); Regierungs-Vizepräsident von Königsberg (1866-1870); Regierungspräsident Trier (1870-1871); Bezirkspräsident von Unter-Elsaß, Sitz in Straßburg (1871-1875); Bezirkspräsident von Ober-Elsaß, Sitz in Colmar (1875-1879); Oberpräsident der Provinz Westpreußen (1879-1888).

Am 18. Januar 1971 nahm er an der Kaiserproklamation im Spiegelsaal zu Versailles teil. 1865 und 1866 und erneut 1869/1870 gehörte er als Mitglied der konservativen Fraktion dem preußischen Abgeordnetenhaus an. Im Jahre 1888 wurde er Ehrenbürger der Städte Danzig und Elbing. Am 10. September 1888 schied er aus dem Staatsdienst aus. Bis zu seinem letzten Atemzug schrieb er an seinen 432-seitigen „Erinnerungen eines preußischen Beamten“, die anschließend von seiner Witwe herausgegeben wurden.

Am 26. Juni 1856 heiratete er in Steinhöfel Caroline von Waldow (1829-1912); den beiden wurden drei Töchter und drei Söhne geschenkt, geboren in Geldern (1) und Mörs (5). Zwei davon starben in frühem Kindesalter. Eine Tochter verstarb nach dreijährigem Krankenlager im 16. Lebensjahr in Colmar. Sein jüngster Sohn war Marineoffizier; dieser kam jedoch 27-jährig bei einem Schiffsuntergang im Jahre 1889 ums Leben.

Quellen / Literatur

  • Adolf Ernst von Ernsthausen, Erinnerungen eines Preußischen Beamten, Bielefeld und Leipzig 1894.
  • Landkreis Simmern, Bonn 1967, S. 76-89.
  • LHA Ko, Best. 441, Nr. 12586: Besetzung der Landrathsstelle des Kreises Simmern.
  • Rhein-Hunsrück-Archiv, Bestand 1, Nr. 6.
  • Horst Romeyk, Die leitenden staatlichen und kommunalen Verwaltungsbeamten der Rheinprovinz 1816-1945, Düsseldorf 1994, S. 158 und 436.
  • www.saarland-biografien.de/Ernst-von-Ernsthausen-Karl-Adolf-August.

Dr. Hans Dunger, Kirchberg
Heft 162 | Stand: 8/2016