Everling, Dr. theol. h.c. Otto Richard

Dr. theol. h.c. Otto Richard Everling
* 31.03.1864 in Eschweiler
† 27.12.1945 in Garz/Rügen
Vater: August Everling (Kaufmann)
Mutter: Augusta, geb. Kaldenbach

Biografie

Es war der 15. Juli des Jahres 1889, als Otto Everling seine Stelle als Pfarrer der Evangelischen Gemeinde des auf der Rheinhöhe oberhalb der damaligen Kreisstadt St. Goar gelegenen Dorfes Biebernheim (heute St. Goar-Biebernheim) antrat. Die damalige Lokalzeitung, das St. Goarer Kreisblatt, berichtete über das Ereignis mit dem wohlwollenden Beitrag:

„Zu Ehren des neu einziehenden ev. Pfarrers, Herrn Everling, hat sich unser Dörfchen gestern in reichen Laub- und Flaggenschmuck gekleidet und dem neuen Seelenhirten einen würdigen Empfang bereitet, nachdem schon bei dessen Ankunft am Freitagnachmittag mit dem Schnellzuge in St. Goar, durch Böllerschüsse vom „Wackenberg“ aus dem Herrn Pfarrer der erste Willkommensgruß der Gemeinde entgegengebracht wurde.“

Der junge Pfarrer, am 31. März 1864 in Eschweiler geboren, hatte das evangelische Progymnasium seiner Heimatstadt und das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Köln besucht und danach an den Universitäten Jena, Berlin, Bonn und Straßburg Theologie und Philosophie studiert; das Studium schloss er im Jahre 1888 mit dem akademischen Grad als Licentiat der Theologie ab. Danach war er Hilfsprediger in Waldbröl und Pfarrverwalter in Odenspiel gewesen. 1915 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Gießen.

Everling wurde mit seiner Ehefrau Bertha in St. Goar wohnhaft und die junge Familie vergrößerte sich, denn in den beiden folgenden Jahren kamen nacheinander die Söhne Emil August und Friedrich Wilhelm und im Jahr 1893 die Tochter Helene Auguste in St. Goar zur Welt.

Aber nur fünf Jahre währte das Wirken des Pfarrers in St. Goar und in Biebernheim, denn er wurde zum Pfarrer in Krefeld gewählt und es galt Abschied zu nehmen. Auch dazu schreibt das St. Goarer Kreisblatt in seiner Ausgabe vom 20. April 1894 unter anderem:

„Mit dem Schluss dieser Woche sieht unser Städtchen den zum Pfarrer von Crefeld gewählten Pfr. Lic. Everling aus seinen Mauern scheiden. Derselbe hat im Laufe seiner fast fünfjährigen Wirksamkeit hier und in Biebernheim durch die Liebenswürdigkeit seines Wesens und durch die Macht und Geistesfülle seiner Reden sich die Herzen in so hohem Maße gewonnen, dass die Trauer über sein frühes Scheiden allgemein ist.“

Die Karriereleiter führte den einstmaligen Biebernheimer Pfarrer auf die Stelle des Direktors und geschäftsführenden Vorsitzenden des Evangelischen Bundes, ein Amt, das er von 1912 bis 1922 ausübte. Zu seiner Zeit war der Evangelische Bund mit mehr als einer halben Million Mitglieder der größte evangelische und drittgrößte deutsche Verein. Von 1923 bis 1934 war er Vorsitzender des Schutzkartells deutscher Geistesarbeiter, außerdem seit 1927 Vorsitzender des Reichsausschusses der deutschen Mittelschicht.

Von Januar 1907 bis Januar 1912 vertrat Otto Everling den Wahlkreis Döbeln als Hospitant der Nationalliberalen Partei (NL) im Deutschen Reichstag in Berlin, in den er im zweiten Wahlgang mit 53,05 % der Stimmen gewählt worden war. Nach dem Ersten Weltkrieg erhielt er bei den Reichstagswahlen im Jahr 1920 als Mitglied der Deutschen Volkspartei (DVP) das Vertrauen der Wähler im Wahlkreis Dresden-Bautzen, wo er bis zum Jahr 1924 sein Mandat ausübte.

Quellen / Literatur

  • St. Goarer Kreisblatt, Jahrgänge 1894 und 1899.
  • Onlinedatenbank BIORAB.
  • Die evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrer im Rheinland von der Reformation bis zur Gegenwart, zusammengestellt und bearbeitet von Jochen Gruch im Auftrag der Evangelischen Kirche im Rheinland und des Vereins für Rheinische Kirchengeschichte, Band 2 (E-J), Bonn 2013, S. 90.

Walter Mallmann, St. Goar
Heft 172 | Stand: 1/2020