
† 08.04.1977 in Sohren
Vater: Jakob Felke (Schreiner)
Mutter: Katharina, geb. Klingel
Biografie
Michael Felke wurde als erstes von sechs Kindern in Laufersweiler als Sohn des Schreiners Jakob Felke (1866–1941) und dessen Frau Katharina, geborene Klingel (1864–1940), geboren. Nach der Volksschule wurde er Schreiner im elterlichen Betrieb. Am 1. Mai 1915 wurde er zum Kriegsdienst nach Saarbrücken eingezogen. Es folgte ein Fronteinsatz im Osten und die Auszeichnung mit dem Eisernen Kreuz. Einer schweren Verwundung auf dem Balkan im Oktober 1917 folgte seine Entlassung aus dem Heeresdienst. Vorübergehend arbeitete er bei den Industriewerken Rheinböllen.
Im Jahre 1919 übernahm Michael Felke den Betrieb seines Vaters. Nach der Zerstörung der Werkstätten in Laufersweiler durch einen Brand im Mai 1928 verlegte er seinen Betrieb noch im gleichen Jahr ins benachbarte Sohren. Dort standen Flächen zur Verfügung; zudem war die Verkehrslage günstig: An der damaligen Reichsstraße (alte Bundesstraße B 50) und in Nähe der Hunsrückbahn. Im Jahre 1933 zog er mit seiner Familie von Laufersweiler auf das Sohrener Firmengelände. In der Zeit von 1928 bis 1939 stieg die Mitarbeiterzahl in Sohren von 30 auf 400. Es gelang ihm damit, im damals industriearmen Hunsrück zahlreiche wohnortnahe Arbeitsplätze zu schaffen.
Der Zweite Weltkrieg brachte einen Rückgang der Produktion. Danach begann ein rapider Aufstieg. Zudem konnte man von der Gemeinde Sohren ein großes Gelände zwischen der Bahnlinie und der Bundesstraße erwerben. Mit dem Ende des Krieges konnte die Möbelproduktion wieder aufgenommen werden. Bereits im Mai 1949 nahm Werk II in Sohren seinen Betrieb auf. Anfang der 1950er Jahre folgte das Werk III in Hermeskeil. Im Herbst 1957 startete mit dem Werk IV in Sohren die Spanplattenproduktion. Es folgten die Werke V in Simmern (1961) und VI in Salmtal (1966). In den späten 1950er Jahren erzielte das Unternehmen seinen Höchststand an Beschäftigten mit rund 1500 Mitarbeitern. Zu Beginn der 1950er Jahre wurde die Felke-Wohnungsbau GmbH gegründet, die mit über 100 Betriebswohnungen die Ansiedlung der Fabrikarbeiter im nahen Bereich erleichterte.
Zu Michael Felkes 80. Geburtstag hieß es in der Hunsrücker Zeitung vom 18. April 1975: „Der außerordentliche Aufstieg des in Laufersweiler geborenen Mannes führte aus bescheidenen Anfängen in der kleinen väterlichen Schreinerei bis zum Ausbau eines der modernsten Unternehmen der Möbelbranche; mit Werken in Sohren, Simmern, Hermeskeil und Salmtal… mit 1200 Beschäftigten und einer Produktion von Wohnmöbeln aller Art, die in fast alle westeuropäischen Länder und nach Übersee exportiert werden“. Nach einer kurzzeitig erhöhten Nachfrage nach der Wiedervereinigung kam es zum Preiskampf mit Möbelproduzenten in benachbarten Ländern in Osteuropa. 1994 zählten die Felke-Möbelwerke eine Belegschaft von nur noch 700 Beschäftigten. Im Jahre 2001 endete die seit 1919 bestehende Produktion nach 82 Jahren.
Franz Felke (1902–1990) machte eine Lehre in der Schreinerei seines Bruders Michael. Nach dieser Lehre nahm er das Studium zum Kunstschreiner an der Kunstgewerbeschule Köln auf, das er 1927 mit dem Meisterdiplom abschloss. Gemeinsam mit Bruder Michael baute er ab 1928 in Sohren den Möbelproduktionsbetrieb auf. Franz Felke übernahm in den Felke Möbelwerken die Konzeptionierung der Modelle, zunächst für Schlafzimmer, dann erweitert für Küchen und Wohnzimmer. Außerdem war er als Technischer Direktor der Werke maßgeblich für den Produktionsablauf verantwortlich.
Michael Felke heiratete im Januar 1924 die aus Belgweiler stammende Maria Oberst (1899-1983). Dem Ehepaar Felke wurden vier Kinder geschenkt: Elisabeth (1923-1930), Aloys (1927-1997), Walter (1928-2017) und Günter (1929-2005). In den 1950er Jahren stiegen die drei Söhne in die Betriebsleitung ein; Ende der 1960er Jahre überließ Michael Felke ihnen die Führung des Unternehmens.
Michael Felke war bei der Volksbank Kirchberg-Hunsrück Mitglied des Vorstandes (1951-1955) und des Aufsichtsrates (1955-1966). Dem Kreistag des Kreises Zell gehörte er von 1952 bis 1960 an. Von 1952 bis 1969 war er Mitglied der Amtsvertretung (zuletzt als Verbandsgemeinderat bezeichnet) Büchenbeuren.
Für seine vielfältigen Verdienste erhielt Michael Felke hohe Auszeichnungen: Im Jahre 1957 verlieh ihm Papst Pius XII den Orden Pro Ecclesia et Pontifice. Anlässlich seines 70. Geburtstages wurden ihm im Jahre 1965 die Ehrenbürgerschaft der Gemeinde Sohren und des Bundesverdienstkreuz I. Klasse verliehen. In Sohren, Simmern, Hermeskeil und Salmtal sind Straßen nach ihm benannt. Mit Hochachtung wurde er auch als „Industriepionier des Hunsrück“ bezeichnet.
Michael Felke starb an Karfreitag, dem 8. April 1977, in Sohren. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde er am 13. April auf dem Sohrener Friedhof beerdigt.
Quellen / Literatur
- Archiv Verbandsgemeinde Kirchberg, Protokollbücher, Sammlung Zeitungsausschnitte (Hunsrücker Zeitung vom 18. April 1975, 12. April 1977 und 12. Oktober 2001).
- Karl Georg Böhmer, Biochronik Hunsrück, Band 1, Simmern 1966, S. 195ff: Die Familie Felke.
- Gustav Schellack und Willi Wagner, Sohren – Chronik einer Hunsrückgemeinde, hrsg. v. Ortsgemeinde Sohren, Simmern 1981, S. 158ff.
- Wikipedia, Artikel Michael Felke (daraus das Portraitfoto aus dem Jahre 1939), Felke Möbelwerke (daraus das Logo) und Franz Felke (abgerufen jeweils am 25. April 2025).
Dr. Hans Dunger, Kirchberg
Heft 190 | Stand: 4/2025
