Frauenberger, Dr. Dr. Michael

Dr. Dr. Michael Frauenberger
* 12.11.1934 in Eisenach
† 21.07.2018 in Boppard
Vater: Rudolf Frauenberger (Kapellmeister)
Mutter: Gertrude, geb. Stammer

Biografie

Der Zufall wollte es, dass Michael Frauenberger in der Wartburgstadt Eisenach am 12. November 1934 das Licht der Welt erblickte. Sein Vater, ein gebürtiger Wiener, erfüllte hier ein mehrmonatiges musikalisches Engagement als beruflicher Kapellmeister, und für seine Mutter war es eine Selbstverständlichkeit, dass sie ihren Gatten hierbei begleitete.

Bereits in jungen Jahren galt sein besonderes Interesse einer weitreichenden familiären Stammbaumerstellung – das Interesse an der Genealogie, ein ebenso außergewöhnliches wie spannendes Hobby, welches ihn ein Leben lang begleiten sollte, war geweckt.

Im Anschluss an sein erfolgreiches Studium der Rechts- und Politikwissenschaften an den Universitäten in Innsbruck und Wien lebte er mit Gattin Relindis geb. Schulte in Bonn, wo er auch als Versicherungsjurist arbeitete, um jedoch bereits im Jahre 1963 in Wahrung der 1780 begründeten Familientradition die kaufmännische Leitung des historischen „Textilhauses Stammer“ in Boppard zu übernehmen. Neben dieser bis ins Jahr 1995 währenden beruflichen Tätigkeit als Vollkaufmann, welche ihm auch diverse Einbindungen in wirtschaftspolitische Institutionen bescherte, engagierte er sich in besonderer Weise in der heimatlichen Kommunalpolitik, wo er sowohl als Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes (16 Jahre lang) als auch im Verbandsgemeinde- und Stadtrat Boppard und im Kreistag Rhein-Hunsrück (1984-1989) mitsamt zahlreicher Fachausschüsse eine wichtige und unüberhörbare Stimme besetzte.

Mit Einbürgerungsurkunde der Bezirksregierung Koblenz vom 7. September 1967 erwarb der gleich zweifach in Wien promovierte Kaufmann, der noch aufgrund des im Alpenstaat geltenden Abstammungsprinzips, auch „Blutrecht“ genannt, als österreichischer Staatsangehöriger geführt wurde, die deutsche Staatsangehörigkeit.

Im Zeitfenster von 1981 bis 2016 leitete Frauenberger in Boppard als Nachbarmeister zunächst die Geschicke der Obermärkter Nachbarschaft und später der vereinigten historischen Märkter Nachbarschaften. Bei seinem altersbedingten Ausscheiden wurde ihm die Ehrennachbarmeisterwürde zuteil.

Seine Vorstandstätigkeiten in diversen Vereinigungen, sei es im Stiftungsvorstand des Bopparder Krankenhauses, im Geschichtsverein für Mittelrhein und Vorderhunsrück, in der Rhein-Mosel-Werkstatt Koblenz oder sein Engagement im Beirat der Industrie- und Handelskammer bleiben neben vielen anderen ehrenamtlichen Aufgabenerfüllungen unvergessen.

Die tiefsten Lebensspuren hinterlässt der Jurist und Geisteswissenschaftler Dr. Dr. Michael Frauenberger jedoch sicherlich in der Genealogie, galt er doch über lange Jahrzehnte als einer der fleißigsten und versiertesten Familienforscher des gesamten Rheinlands. Jahrhundertealten Kirchenbüchern, aufgestöbert in unterschiedlichen Archiven und Sammlungen, galt sein unermüdliches Engagement, um die hier schlummernden Informationen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. So entstand im Laufe vieler arbeitsintensiver Jahrzehnte eine annähernd unüberschaubare Vielzahl hochkomplexer Fachaufsätze als unverzichtbare Hilfsmittel zur Familienforschung und eine Vielzahl erstellter ortsbezogener Familienbücher, zusammengestellt auf Grundlage von bis ins 16. Jahrhundert reichenden Tauf-, Heirats- und Sterbebüchern sowie anderer zeitgenössischer Urkunden, Register und Akten. Seine breitgefächerten Fachvorträge, zumeist um eine Prise trockenen Humors bereichert, begeisterten die Zuhörer.

Nur beispielhaft kann an dieser Stelle an mehrere Familienbücher der Region Hunsrück-Mittelrhein aus der Feder des Beiratsmitglieds der renommierten Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde (WFfF) erinnert werden: Simmern, Boppard, Kirchberg, Beulich, Kastellaun, Gondershausen, Liesenfeld, Mermuth, St. Goar, Osterspai, Sevenich, Laubach, Biebern, Halsenbach, Ravengiersburg, Rayerschied, Rheinböllen, Schnorbach, Bacharach und Steeg.

Infolge einer ebenso plötzlichen wie schweren Erkrankung verstarb Dr. Dr. Michael Frauenberger am 21. Juli 2018 in seinem geliebten Boppard, wo er auch seine letzte Ruhestätte fand.

Quellen / Literatur

  • Wolfgang Wendling, Michael Frauenberger hinterlässt tiefe Spuren, in: Rhein-Hunsrück-Zeitung vom 28. Juli 2018.
  • Karl-Heinz Bernardy, In Memoriam Michael Frauenberger, in: Mitteilungen der WGfF Bd. 48/2018.
  • Geburtsurkunde, Einbürgerungsurkunde, Abschrift Familienbuch.

Jürgen Johann, Boppard
Heft 175 | Stand: 2/2021