
† 05.11.1811 in Kirchberg
Vater: Johann Anton Fresenius
Mutter: Anna Dorothea, geb. Simon
Biografie
Johann Philipp Fresenius (gen. Philipp) wurde am 28. Dezember 1754 als Sohn des in Merxheim amtierenden lutherischen Pfarrers Johann Anton Fresenius (1710-1782) geboren. Er hatte noch sieben Geschwister. Seine Mutter war eine Pfarrerstochter aus Kirn; die Eltern, heirateten am 5. November 1744. Sein Vater war zuvor von 1734 bis 1743 Pfarrer in Nieder-Wiesen, heute Kreis Alzey-Worms; Vater Fresenius hatte dort seinen Bruder Johann Philipp Fresenius als Pfarrer abgelöst. Dieser Johann Philipp (also der Onkel unseres Philipp) wurde schließlich 1743 Pfarrer in Frankfurt am Main, wo er am 21. August 1748 die Eltern Goethes traute und am 29. August 1749 ihren Sohn Johann Wolfgang taufte. Die Nachfahren dieses Onkels begründeten das heute weltweit tätige Medizintechnik- und Gesundheitsunternehmen Fresenius.
Fresenius war unverheiratet und starb am 5. Januar 1811 im Hause des Handelsmannes und Gastwirts Friedrich Karl Trutschler, damals Haus Nr. 69 in der „rue principale“ (heutige Hauptstraße). Seine Sterbeurkunde ist unterzeichnet von seinem Vorgänger und auch Nachfolger im Amt des Maires, Karl Friedrich Pfender. Fresenius wird in der Urkunde als „Propriétaire et Membre du Conseil du Département“ bezeichnet. In dieses Gremium war er am 14. Februar 1806 berufen worden.
Über die Ausbildung von Philipp Fresenius ist nichts Näheres bekannt; für Jürgen König ist jedoch klar, dass er auch die Rechte studiert haben muss. Erste Zeugnisse für seine Tätigkeit beim Badischen Oberamt Kirchberg tauchen im Jahre 1782 auf; dort arbeitete er als Registrator und Amtsschreiber. 1791 wurde ihm zusätzlich die Stelle eines Amtmannes des Unteramts Dill übertragen. Kurz vor dem Einmarsch der französischen Truppen im Oktober 1794 ernannte ihn der Oberamtmann Freiherr von Drais vor seiner Flucht zu seinem Stellvertreter für die Zeit seiner Abwesenheit. Wenig später bestätigten ihn die Franzosen in dieser Position, die sie nunmehr Justiz- und Polizeiverwalter nannten. Am 16. Dezember 1794 hieß es:
„Da außer dem seitherigen Oberamts Secretair Fresenius alle vorherigen Beamten des Oberamts emigriert sind ….. so wird hiermit jedoch der Fresenius zum Justiz und Polizeiverwalter erwähnten Oberamts Kirchberg ernannt…“.
In den nächsten dreieinhalb Jahren machte er dann alle Veränderungen in der Verwaltung mit; zunächst war auch Agent der Volksrepräsentanten für den Bezirk der Ämter Kirchberg, Herrstein und Winterburg. Kurzzeitig übte er auch das Amt eines Friedensrichters aus. Zum 21. März 1797 führte General Hoche im Wesentlichen die Verfassung der Vorkriegszeit wieder ein. Fresenius‘ erneute Ernennung zum Amtmann brachte ihm seine richterlichen und administrativen Kompetenzen zurück. Einen Einschnitt bedeutete für Fresenius die Einführung einer geordneten Zivilverwaltung im Frühjahr 1798. Zum ersten Mal gelang es ihm nicht, eine fest besoldete Stelle im Staatsdienst zu erhalten.
Durch den Rücktritt von Karl Friedrich Pfender erhielt er dann nach mehr als fünf Jahren wieder eine hauptamtliche Stelle in der Verwaltung: Am 24. August 1803 wurde er zum Maire von Kirchberg ernannt. Als Ende 1807 die Bestätigung bzw. Ersetzung aller Maires anstand, waren die Informationen, die der Präfekt einholte, eindeutig: „Rechtschaffenheit und Integrität in Zweifel. Verachtet“; so die Forschungen von Jürgen König. Fresenius verlor sein Amt, und dies, obwohl er in der Zeitung des Departements „Rhein- und Moselbothe“ vom 27. Mai 1807 ein großes Lob vom Präfekten Lezay-Marnésia erhalten hatte: Eine Allee mit 3500 „Lerchenbäumen“ und eine Baumschule mit „30.000 Obstbäumen, worunter 8.000 gepfropft sind, seien ihm, dem „Maire von Kirchberg und Inspektor des Distrikts,“ zu verdanken.
Fresenius‘ Ruf war auch wegen folgender Angelegenheit geschädigt: Im Badischen Oberamt Kirchberg gab es mehrere Stiftungen, aus deren Erträgen insbesondere die Pfarrer und Schullehrer besoldet wurden. Beim Einfall der französischen Revolutionstruppen flüchtete der Rechnungsführer dieser Stiftungen mit sämtlichen Dokumenten nach Karlsruhe. Unter diesen Dokumenten waren vor allem die Schuldscheine, ohne die die Zinsen nicht eingetrieben werden konnten. Es trat also große Not bei der Besoldung von Pfarrern und Lehrern ein. Als sich die badische Regierung in Karlsruhe zur Übergabe der Stiftungsdokumente bereit zeigte, schickte der Simmerner Unterpräfekt van Recum Fresenius als Gesandten am 26. Mai 1803. Zwei Monate später kehrte Fresenius mit den Stiftungsdokumenten zurück. Fresenius wirkte weiter an der Verwaltung der Stiftungen mit. Es entstand der Verdacht, dass Fresenius Stiftungskapitalien von den Schuldnern zurückerhalten und für eigene Zwecke verwendet hatte.
Quellen / Literatur
- Titel: Archiv Verbandsgemeinde Kirchberg: 96 /2 und 136 / 9.
- Landeshauptarchiv Koblenz Bestand 655,53, Nr. 102 und 122.
- Das kleine Bild zeigt seinen gleichnamigen recht berühmten Onkel Johann Philipp Fresenius (1705-1761); ein Gemälde von Franz Lippold, Goethe-Haus und Goethe-Museum in Frankfurt; Bildnummer: 1026215.
- Hans Dunger, Die Kirchberger Bürgermeister seit 1800, Band 11 der Schriftenreihe zur Geschichte der Stadt Kirchberg, Kirchberg 2009.
- Jürgen König, Verwaltungsbeamte im Kanton Kirchberg zu Beginn des 19. Jahrhunderts, Kirchberg 1997.
- Ernst-Otto Simon, Hans Christoph Ludwig von Closen, Simmern 1986, S. 142.
- http://de.wikipedia.org/wiki/Johann Philipp Fresenius
- Steitz, „Fresenius, Johann Philipp“, in: Allgemeine Deutsche Biographie 7 (1878), S. 353-354 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11869314X.html#adbcontent
- Johann Philipp Fresenius, Hessische Biografie.
- www.ev-pfarrei-nieder-wiesen.de/editor/…/2915-geschichte-nieder-wiesens-4.pdf.
Dr. Hans Dunger, Kirchberg
Heft 184 | Stand: 12/2023
