
† 25.01.1970 in Kirchberg
Vater: Johann Göhl
Mutter: Elisabetha, geb. Litzenberger
Biografie
Jakob Göhl wurde am 31. Januar 1886 als einziges Kind des Ackerers und Krämers Johann Göhl und dessen Ehefrau Elisabetha geboren. Nach dem Tod seines Vaters starb auch Göhls Mutter bereits am 30. Juni 1894 in Henau im Alter von 47 Jahren. Als Vollwaise kam er zu einer verwandten Bauernfamilie (Litzenberger), mit deren Kindern er zusammen aufwuchs. „Einfach und schlicht ging es dort zu, doch Mangel hatte er nicht“. Ein Vormund verwaltete für den jungen Göhl, was aus der Versteigerungsmasse der elterlichen Habe übriggeblieben war. Sein Vater Johann Göhl (1878-1890), sein Großvater Philipp Litzenberger (1872-1878) und sein Urgroßvater Peter Litzenberger (1850-1860) waren Vorsteher von Henau.
Jakob Göhl besuchte vom 21. April 1892 bis zum 11. April 1900 die Ev. Schule zu Henau. Er war ein ausgezeichneter Schüler; sein Entlassungszeugnis weist ausnahmslos die Note „sehr gut“ auf. Sein Fleiß wird als vorzüglich bezeichnet. Nach der Schule wandte sich Jakob Göhl dem Lehrerberuf zu. Nach dem Besuch der Präparandenanstalt in Ottweiler von 1901 bis 1903 finden wir ihn von 1903 bis März 1906 am dortigen Lehrerseminar. Von April 1906 bis Ende März 1907 erfüllte er seine Militärdienstpflicht beim Infanterie-Regiment 28 in Koblenz.
Am 9. April 1907 erfolgte seine Einführung als Lehrer an der Ev. Schule in Hecken, eine Schule, die bei seinem Eintritt zehn Mädchen und zehn Knaben zählte. Die 2. Lehrerprüfung bestand er im Jahre 1909 am Lehrerseminar in Neuwied. Von seinem Vorgänger Heinrich Harlos übernahm Göhl auch die Leitung des Hecker Männergesangvereins. Mit Wirkung zum 1. September 1919 erfolgte seine Versetzung an die Ev. Volksschule Kirchberg, zunächst als Inhaber der dritten Lehrerstelle. Nach Pensionierung der beiden älteren Kollegen wurde er im Jahre 1923 Hauptlehrer. Leiter der Schule war er dann bis zu seiner Pensionierung mit Vollendung des 65. Lebensjahres zum Ende Januar 1951.
Nach seinem Start in Hecken (damals Bürgermeisterei Gemünden) besuchte er auch regelmäßig seinen Kollegen Adolf Glasmann in Dickenschied (Landbürgermeisterei Kirchberg), immer wieder eine schöne Wanderung durch das Bannholz. Er fand dort seine große Liebe: Emilie Glasmann. Ihre Mutter schreibt: „Zwei Jahre kam er nun neben der Schule hierhin. Da konnte er sein Kostgeld sparen; Waschen und Bügeln wurde auch hier besorgt.“ Jakob Göhl heiratete die einst in Niedersohren geborene Emilie standesamtlich in Gemünden am 30. Mai 1810. Tags darauf fand nach der Trauung in Dickenschied die Hochzeitsfeier statt.
Seine Schwiegermutter Maria Elisabetha Glasmann erinnert sich: „In der Nacht (zum 1. August 1914, d. V.) um 1 Uhr wurden Jakob und Familie in Hecken geweckt, und um 2 Uhr war Jakob schon auf dem Wege fort in den Krieg… Jakob wurde unterdessen direkt, auch über Kreuznach nach Frankreich mit seinen Kameraden befördert und sogleich in die erste Schlacht bei Lagarde getrieben. Glücklich und wohlbehalten ging er daraus hervor…..Er bekam Rheumatismus und mußte einige Zeit mit dem Fuhrpark mitgenommen werden….Er wurde Verpflegungs-Unteroffizier…. Unterdessen war Jakob im kalten Rußland. Zweimal, glaube ich, höchstens dreimal war er in diesen Kriegsjahren zu Hause auf Urlaub.“ Aus dem Heeresdienst wurde er am 25. November 1918 in Bollendorf entlassen. Am 1. Dezember nahm er wieder den Schuldienst in Hecken auf.
Jakob und Emilie wurden vier Söhne geschenkt. Vor dem Ersten Weltkrieg wurden Adolf (1910 in Hecken) und Alfred (1913 in Dickenschied) geboren, in Kirchberg erblickten Rudolf (1923) und Walter (1926) das Licht der Welt. Adolf starb bereits im Jahre 1923 im Krankenhaus in Simmern; der Mediziner Dr. Alfred Göhl fiel in Rußland im September 1942, Rudolf Göhl kehrte auch nicht mehr heim, seit Anfang Januar 1943 war er in Stalingrad vermisst. Einzig Walter Göhl überlebte. Nach Abitur am Gymnasium Simmern im Jahre 1944 und nach der Entlassung 1948 aus Kriegsgefangenschaft studierte dieser Germanistik, Anglistik und ev. Theologie in Bonn. Am Gymnasium Birkenfeld unterrichtete er von 1956 bis 1989.
Göhls Schwiegervater Adolf Glasmann wurde zum 1. August 1914 pensioniert. Zuvor hatte die Familie beschlossen, den Lebensabend in Kirchberg zu verbringen. Im Jahre 1913 wurde ein Grundstück an der Einmündung der Bahnhofstraße in die Kappeler Straße gekauft. Das Grundstück lag in der Gemarkung der damals noch selbständigen Gemeinde Denzen. Ende Januar 1915 erfolgte der Umzug in den stattlichen Neubau nach Kirchberg-Denzen. „Wir wohnten von Januar 1915 bis 1918 in Kirchberg“. Vor allem Jakobs Schwiegermutter sehnte sich zurück nach Dickenschied, wo man schließlich auch ein neues Haus baute. Das Kirchberger Haus wurde kurzzeitig vermietet und schließlich im Sommer 1919 an Jakob und Emilie Göhl übergeben. Seine Frau Emilie starb am 5. November 1962 in Kirchberg.
Über seine musikalische Begabung gibt bereits seine Schwiegermutter Auskunft: Jakob spielte die Geige, „die er wunderbar beherrschte“. Nach seinem Umzug nach Kirchberg wurde er sogleich Dirigent des Männergesangvereins. Im Jahre 1949 legte er nach 30 Jahren sein Dirigentenamt nieder; noch im gleichen Jahr wurde er zum Ehrendirigenten ernannt. Von 1927 bis 1949 leitete er auch den Ev. Kirchenchor. Auf Bitten der Stadt verfasste er für die 700-Jahr-Feier im Jahre 1949 das rund 140 Seiten umfassende Buch „Aus Kirchbergs Vergangenheit“. Eine besondere Ehrung durch die Stadt Kirchberg erhielt Jakob Göhl in den 1970er Jahren mit der Benennung einer Straße im Stadtteil Helzenbach: „Jakob-Göhl-Straße“.
Quellen / Literatur
- Archiv VG Kirchberg: Das Foto rechts stammt aus dem Jahre 1951; die Unterschrift ist in seiner Heiratsurkunde vom 30. März 1910 zu finden. Das kleine Foto zeigt Jakob Göhl als jungen Lehrer in Hecken im Jahre 1914. Seit Entlassungszeugnis findet sich noch in der Grundschule Gemünden.
- Hunsrücker Zeitung vom 7. März 1989.
- Mitteilungsblatt der VG Kirchberg vom 9. März 1989.
- Alfred Bauer, Jakob Göhl (1886 – 1970) – eine Kirchberger Biographie, in Hunsrücker Heimatblätter Nr. 118 (2002), S. 493-496.
- Maria Elisabetha Glasmann, Tagebuch meines Lebens, hrsg. v. Hajo Knebel und Walter Göhl, Frankfurt 1983, daraus das kleine Foto.
- Walter Glöckner, Henau – Geschichte eines Hunsrückdorfes, Henau 1987, S. 356f.
Dr. Hans Dunger, Kirchberg
Heft 175 | Stand: 7/2020
