
† 14.09.1867 in Entenpfuhl
Vater: Friedrich Carl Grosholz (Revierförster)
Mutter: Katharina Franziska, geb. Wehinkel
Biografie
Am 3. Februar 1803 wurde Johann Wilhelm Grosholz als neuntes Kind des Revierförsters Friedrich Carl Grosholz in Weitersborn geboren. Die Familie war schon durch den Großvater Franz Adolf Grosholz nach Weitersborn gekommen. Johann Wilhelms Mutter Katharina Franziska, geb. Wehinkel, war bereits Friedrich Carls dritte Ehefrau. 1816 starb Johann Wilhelms Vater in Koblenz im Gefängnis, die Mutter war danach mit ihren Kindern auf sich gestellt.
1817 begann Johann Wilhelm eine Försterlehre, die er mit der Note „gut“ abschloss. Zu den Lehrherren gehörte u.a. Gerhard Utsch, Sohn des vermeintlichen „Jägers aus Kurpfalz“, Oberförster am Entenpfuhl. Er mag Johann Wilhelm Grosholz zum Vorbild gedient haben. Als seine Mutter 1818 ein nacheheliches Kind bekam, wurde gemunkelt, Gerhard Utsch könnte der Vater gewesen sein.
Johann Wilhelm Grosholz leistete ab Oktober 1822 seinen Wehrdienst ab und wurde Leutnant, mit 37 Jahren gar Hauptmann im 3. Bataillon des 29. Landwehr-Infanterie-Regiments in Simmern. 1825 bestand er die Försterprüfung mit der Note „gut“. Als Hilfsförster, später Forstassistent des Simmerner Forstmeisters von Horn fiel es ihm schwer, seine Mutter und zwei unverheiratete Schwestern zu versorgen; als er seine erste Försterstelle auf dem Reichenbacher Hof (Oberförsterei Neupfalz) und 1836 die Försterstelle in Arys (Orzysz) im Forstbezirk Grondowken in Ostpreußen an der litauischen Grenze erhielt, wurde es leichter.
Inzwischen hatte er 1830 Magdalene, geb. Becker, Tochter eines Kaufmanns aus Koblenz, geheiratet, mit der er vier Töchter bekam. In seinem neuen Amt machte sich Grosholz bald einen Namen. So unerbittlich verfolgte er Wilddiebe und Holzfrevler, dass es bald ein Dutzend Tote gab. 1838 erhielt er die Oberförsterei Hollweg in Siegen. Vergeblich bewarb er sich als Forstinspektor und 1842 auch vergeblich als Oberförster im Bezirk Kastellaun. Neben der Verfolgung der Waldfrevel widmete er sich der Gründung des „Vereins zur Unterstützung bedürftiger Landwehrmänner“ und eines „Holz- und Kohlemagazin zur Unterdrückung des Holzdiebstahls und Unterstützung der Armen“.
1842 starb seine Ehefrau an Lungenlähmung. Bis zu ihrer Verheiratung 1846 führte nun seine Schwester Elisabeth den Haushalt, es folgte die Haushälterin Katharina Regitz. 1844 erfolgte die Versetzung nach Carlsbrunn an die französische Grenze; auch hier beschäftigten ihn vornehmlich Holz- und Wilddiebe. 1848 erhielt er endlich gegen den massiven, auch handgreiflichen Protest der Bauern die ersehnte Oberförsterei in Entenpfuhl, wo er bis an sein Lebensende bleiben sollte. Im Mai 1848 bezog er die dortige Dienstwohnung.
Mit Erfolg setzte er sich für landwirtschaftliche Reformen ein, u.a. für den verstärkten Anbau der Kartoffel als Schweinefutter. Nach und nach erwarb sich Grosholz damit das Vertrauen der Bauern, die ihn anfänglich mit Schmähgesängen über den „Jäger aus Kurpfalz, reitet durch die Krumbieresupp und bricht dabei den Hals,“ verunglimpft hatten. Er unterband die Wilddieberei und den Waldfrevel.
In der Revolutionszeit 1848/49 führte er das Landwehrbataillon in Simmern an. 1849 wurde er zum Ehrenmitglied der Kreuznacher Schützengesellschaft ernannt. Unsterblich wurde er, als er am 3. März 1851 angeblich die letzte Wölfin im Soonwald erlegte. An der sog. „Wolfseiche“ bei Kreershäuschen erinnert ein mehrfach erneuertes Schild an diese Tat.
Am 14. September 1867 starb Johann Wilhelm Grosholz in Entenpfuhl und wurde drei Tage später in Rehbach beerdigt.
Quellen / Literatur
- Karl Gatzen, Johann Wilhelm Grosholz, ein nachbesungener „Jäger aus Kurpfalz“, in: Mitteilungen der westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde, Bd. XIX, Heft 5/6, S. 680ff.
- Leona Riemann, Oberförster Grosholz. Die Geschichte des Mannes, der den letzten Wolf im Soonwald erlegte. 3. März 1851, 2016 (Eigenverlag).
Dr. Achim R. Baumgarten, Simmern
Heft 169 | Stand: 10/2018
