
† 22.12.1995 in Simmern
Vater: Philipp Friedrich Hanzo
Mutter: Margaretha, geb. Semos
Biografie
Philipp Hanzo wurde am 30. Dezember 1893 in Bad Kreuznach geboren. Hier besuchte er die Schule. Aus der Schule entlassen, machte er eine Konditorlehre bei seinem ältesten Vetter im Café Böhnke in Simmern. Nach der Lehre fand er eine Anstellung im renommierten Café Kiefer in Bad Kreuznach, doch schon ein Jahr später wurde er zum Militärdienst einberufen. Bereits in den ersten Grenzschlachten verwundet, wurde er später an der russischen Front eingesetzt. Das Kriegsende erlebte er im Vorderen Orient. Auf abenteuerlichen Wegen gelangte er von Aleppo wieder in die Heimat. Seine künstlerischen Fähigkeiten beschränkten sich damals auf die gelegentliche Illustration von Feldpostkarten. Nach dem Ersten Weltkrieg fand er vorübergehend Anstellungen in renommierten Cafés in Norderney und Hamburg. Im Café Böhnke musste er vorübergehend aushelfen.
In Kreuznach gründet er einen Betrieb mit Bäckerei und Café und später auch noch in Kirn. Am 1. Mai 1933 wurde er in die NSDAP, Ortsgruppe Bad Kreuznach, aufgenommen (Mitgliedsnummer 2.039.433), später gehörte er zur Ortsgruppe Simmern. Aus gesundheitlichen Gründen war er 1943 gezwungen seinen Beruf aufzugeben, und als sein in Simmern erbautes Haus 1945 von den Amerikanern beschlagnahmt wurde, stand er vor dem Nichts. In dieser Zeit entdeckte er sein Hobby Malen als Einnahmequelle. Durch die Währungsreform verlor er seine Altersversorgung. Besatzungsschäden an seinem Haus fraßen die letzten Geldreserven auf, so dass er gezwungen wurde vom Verkauf seiner Bilder zu leben.
Philipp Hanzo malte vorwiegend Landschaftsmotive und Blumen. Seine künstlerischen Fähigkeiten hat er sich selbst angeeignet. Die Malerei hat er als Hobby betrieben. Die eigentliche Zeit der Malerei begann im vorzeitigen Ruhestand. Ohne jede Anleitung, ausgestattet nur mit der natürlichen Begabung und der Liebe zur Sache (bei allzu gewagten Farbkonstellationen korrigierte ihn seine Gattin) nutzte er die ihm nun reichlich zur Verfügung stehende Muße. In der Folgezeit bildeten sich Schwerpunkte in seiner Motivwahl heraus, die auch bestimmend bleiben sollten: die Landschaftsmalerei in Öl und die als Aquarelle ausgeführten Blumenbilder.
In der Notzeit, aus dem eigenen Haus vertrieben, mit entwerteter Währung und mit vom allgemeinen Mangel diktierten Hunger, blieb Hanzo nur seine Malkunst als lebenserhaltende Hilfe. Die von ihm bis dahin immer abgelehnte Kunst als Broterwerb wurde ihm so doch noch durch die äußeren Verhältnisse aufgenötigt. Die erforderlichen Farben und Malwerkzeuge, die im Handel ebenfalls nicht zu haben waren, bezog er von einem Freund aus der versorgungsmäßig besser gestellten britischen Besatzungszone. Begünstigt durch das vorteilhafte Umrechnungsverhältnis bei landwirtschaftlichen Naturalien war die bäuerliche Bevölkerung gerne bereit, Bilder von vertrauten Landschaften oder dörflichen Motiven zu erwerben. Auf diese Zeit geht es zurück, wenn heute auf den Dörfern – auch dort, wo man es kaum vermutet – noch echte „Hanzos“ anzutreffen sind.
Die in Gaststätten aushängenden Bilder machten Werbung, es meldeten sich immer wieder Interessenten, die vorhandene Gemälde, manchmal auch mehrere, kauften oder besonders gewünschte Motive in Auftrag gaben. Hinzu kamen Aufträge als Ehrengabe zu festlichen Anlässen (Jubiläen usw.), und als Abschiedsgeschenke oder Erinnerung an die Hunsrücker Heimat; Bilder von ihm gingen bis in die USA. Daneben wurde Hanzo auch durch Ausstellungen in der „Kreuznacher Volksbank“ (heute: Volksbank Rhein-Nahe-Hunsrück) in Simmern und vor allem im Simmerner Schloss bekannt.
Seinen Altersruhesitz fand Hanzo in Simmern, im „Haus Hanzo“ in der Herzog-Johann Straße, das er schon zu Beginn des Zweiten Weltkrieges gebaut hatte. Hier malte er und widmete sich der Homöopathie. Sein letztes Bild malte er mit 100 Jahren. Seine Sehkraft betrug nur noch 10 Prozent. Am 22. Dezember 1995, im Alter von fast 102 Jahren, starb Philipp Hanzo in Simmern.
Quellen / Literatur
- Herbert Franzmann, Philipp Hanzo – ein Maler im Hunsrück, in: Rhein-Hunsrück-Kalender 1987.
- Hunsrücker Zeitung vom 28.12.1993.
- Persönliche Gespräche des Verfassers (Ich lernte Philipp Hanzo schon als Sechsjähriger kennen, als er unsere Pferde in Holzbach malte; seine erste Tierstudie. Als ich beruflich nach Simmern kam, trafen wir uns oft im Café Jung und unterhielten uns.)
Wilfried Theiß, Simmern
Heft 174 | Stand: 4/2020
