Hardt, Johann Friedrich Arnold Engelbert

Johann Friedrich Arnold Engelbert Hardt – Das Portraitfoto aus dem Archiv des Geschichtsvereins des Monschauer Landes e.V. wurde mir von Dr. Bernd Läufer vom Stadtarchiv Monschau zur Verfügung gestellt (Foto von Jos. Adams, Photograph, Simmern, Inh. Elisabeth Menne); Die Unterschrift mit dem Landratssiegel stammt aus LHA Ko, Best. 655,053, Nr.53.
* 16.12.1799 in Düsseldorf
† 22.04.1867 in Simmern
Vater: Bernhard Wilhelm Engelberth Hardt (Bergrat)
Mutter: Sara Maria, geb. Wiedenfeld

Biografie

Johann Friedrich Arnold Engelbert Hardt wurde am 16. Dezember 1799 in Düsseldorf als Sohn des Bergrates Wilhelm Hardt geboren. Ab 6. April 1819 finden wir ihn als einjährig Freiwilligen beim 8. Ulanen Regiment. Als junger Mann kam er nach Imgenbroich (heute Stadtteil von Monschau) zur Erlernung der Tuchfabrikation. Monschau hatte bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts eine lange Tuchmachertradition. Zur Zeit seiner Heirat (1834) wird er als Tuch- und Casimirfabrikant bezeichnet. Von Dezember 1832 bis Oktober 1835 war er Bürgermeister in Imgenbroich. Er wurde dann als Vertreter der Bürgermeisterei Imgenbroich in die Kreisversammlung gewählt. Ab 15. August 1836 war er Kreisdeputierter des Landkreises Monschau; dabei hatte er häufig den kränklichen Landrat zu vertreten.

Nach dem Niedergang der Tuchfabrikation freute er sich über die am 6. Juni 1846 erfolgte Ernennung zum kommissarischen Landrat. Nach der Präsentationswahl am 25. Januar wurde er am 7. April 1847 definitiv zum Landrat von Monschau ernannt. Nach schwerer Krankheit im Winter 1850/51 –„Brustentzündung“ – wünschte er sich immer wieder eine Versetzung „an ein Landrathsamt in der milderen Gegend der Rheinprovinz“. Wesentliche Gründe waren der fehlende „höhere Unterricht“ für seine Kinder und der „Mangel einer passenden Wohnung“. Hinzu kam die „rauhe“ Luft in Monschau, die schlecht für „das noch nicht ganz geheilte Brustleiden“ war. Er wurde schließlich ab 8. November 1853 mit der Verwaltung des Landratsamtes in Heinsberg beauftragt. Mit seinem evangelischen Glauben konnte er jedoch in diesem überwiegend katholischen Landkreis die Präsentationswahl am 20. Februar 1854, der „äußerst giftige und stürmische Wahldebatten“ vorausgingen, nicht gewinnen; die Heinsberger Zeit endete am 15. September 1854.

Das Innenministerium schickte ihn daraufhin als kommissarischen Landrat nach Simmern, wo er am 4. November 1854 die Amtsgeschäfte von Ernsthausen übernahm. Nach der Wahl durch die Kreisversammlung am 12. Juli musste er noch bis zum 15. September 1855 auf seine definitive Anstellung warten. Nun konnte er auch seine Familie aus Monschau nachholen, von der er seit seiner Abordnung nach Heinsberg im November 1853 getrennt war.

Bald bereute er die Versetzung nach Simmern, vor allem weil hier das Klima ebenso ungünstig wie in Monschau sei. Die Koblenzer Regierung wollte ihn jedoch unbedingt in Simmern halten, weil er „einer der ältesten und tüchtigsten Landräte der Provinz“ sei. Versetzungsversuche nach Bad Kreuznach oder gar an eine Regierung wurden abgewiesen. Letztlich musste er sich seinem Schicksal in Simmern fügen. Trotz seines Lungenleidens setzte er sich unermüdlich für seinen Landkreis ein. Der Hebung der Landwirtschaft galt sein besonderer Einsatz.

„Er bekam in Bonn bei einer größeren landwirthschaftlichen Versammlung Bluthusten, der sich seitdem mehrfach wiederholt hat.“ In den Jahren 1859 und 1860 folgten mehrwöchige Kuraufenthalte in Bad Soden. Seinem Einsatz ist es zu verdanken, dass die „Kreis-, Spar- und Darlehenskasse“ ihren Geschäftsbetrieb am 1. August 1857 in Simmern aufnahm. „Auf Betreibung des Interesses der Stadt Simmern zur Erhaltung resp. Belassung einer Garnison sowie zur Erbauung einer Kaserne“ reiste er im August 1861 nach Berlin. Neben seiner Verwaltungsarbeit fand er noch Zeit für zwei umfangreiche Schriften: Die 150seitige „Chronik und Statistik des Kreises Simmern“ aus dem Jahre 1865 und die 15seitige „Denkschrift zur Begründung der Ausführung einer von Coblenz nach Bingen resp. von Coblenz nach Trier über das Plateau des Hundsrückens zu bauenden Eisenbahn“ aus dem Jahre 1856.

Unter den Simmerner Landräten des 19. Jahrhunderts war Friedrich Hardt der einzige, der ohne Studium und die typische preußische Verwaltungslaufbahn das Amt des Landrates ausgeübt hat, dazu noch hoch anerkannt und bis zu Selbstaufopferung. Im Januar 1851 war ihm bereits der „Rote Adlerorden 4. Klasse“ verliehen worden. Noch im Dienst verstarb er in seinem 68. Lebensjahr am 22. April 1867 in Simmern. Am 25. April erfolgte die Beerdigung auf dem alten Friedhof in der Mühlengasse. Nach der Räumung dieses Friedhofes kam sein Grabstein im Jahre 1964 in den Park des Landratsamtes, wo er jedoch heute nicht mehr zu finden ist.

Friedrich Hardt hatte im Jahre 1834 die in Frankfurt am Main geborene Susanna Adele Laurenze geheiratet; seine Frau starb in Simmern am 7. Juli 1862. Sein Vermögen wurde in seiner Simmerner Zeit stets als „unbedeutend“ beschrieben. Den Eheleuten Hardt wurden neun Kinder geschenkt, von denen im Jahre 1855 noch acht unversorgt waren. Zwei Töchter starben noch in Simmern: Emma, siebenjährig, am 1. August 1857 und Fanny, 23 Jahre alt, am 24. Januar 1859. Hardt schrieb, die beiden seien „dem Clima erlegen“. Zwei Jahre vor seinem Tode wurde die erste „Höhere Privat-Töchterschule“ in Simmern gegründet (Mai 1865). Seine Tochter Adele war die erste Leiterin. Wenige Monate vor seinem Tod starb in Simmern seine acht Monate alte Enkelin Emilie Franziska, die in New York geboren wurde, und auf Besuch bei den Großeltern war.

Quellen / Literatur

  • Thomas Jungblut, Die altpreußischen höheren Regierungsbeamten und Landräte in den Regierungsbezirken Koblenz und Trier 1850 bis 1914 im Rahmen der preußischen Personalpolitik, Diss. Mainz 1989.
  • Landkreis Simmern, Bonn 1967, S. 89-91.
  • LHA Ko, Best. 403, Nr. 5324 und 5327sowie Best. 441, Nr. 8103 und 12586.
  • Horst Romeyk, Die leitenden staatlichen und kommunalen Verwaltungsbeamten der Rheinprovinz 1816-1945, Düsseldorf 1994, S. 504.
  • Der Eremit am hohen Venn, Mitteilungen des Geschichtsvereins des Kreises Monschau, Jg. 1936, S. 44-46.

Dr. Hans Dunger, Kirchberg
Heft 170 | Stand: 5/2019